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Im Portrait: Dr. Sabine Jung-Klawitter

/ via universitätsklinikum heidelberg /

Dr. rer. nat. Sabine Jung-Klawitter absolvierte ihr Studium der Biologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und promovierte im Bereich Molekularbiologie am Pharmazentrum Frankfurt/Main und der Universität Mainz mit Forschungsaufenthalt in der Schweiz am Inselspital der Universität Bern.

Nach der Promotion arbeitete sie zunächst in Heidelberg am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH), wo sie sich mit entwicklungsbiologischen Fragestellungen befasste, um dann ans Paul-Ehrlich-Institut zu wechseln, wo sie zur Therapiesicherheit von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) forschte und hochklassig publizierte.

Aktuell leitet Dr. Jung-Klawitter eine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, die sich unter Verwendung von iPS-basierten Zellmodellen der Erforschung und Entwicklung neuer Therapien für seltene Stoffwechselerkrankungen widmet. In einem EU-geförderten Konsortialprojekt arbeitet Jung-Klawitter an der Identifizierung neuer therapeutisch nutzbarer Substanzen für Neurotransmitterstoffwechselstörungen im Rahmen eines „Drug Repurposing“-Screenings, bei dem bereits zugelassene Medikamente auf weitere Einsatzmöglichkeiten bei anderen Erkrankungen getestet werden. Parallel arbeitet sie in einem ebenfalls EU-geförderten Projekt an der Entwicklung einer Substratreduktionstherapie für die angeborene Stoffwechselerkrankung Glutarazidurie Typ 1.

Bereits 2019 erhielt Dr. Jung-Klawitter den Innovationspreis für herausragende Forschung zur Succinat-Semialdehyd-Dehydrogenase-Defizienz, verliehen durch SSADH Defizit e. V., ein gemeinnütziger Verein für die seltene Stoffwechselerkrankung des GABA-Neurotransmitter. Die Universität Heidelberg unterstützte die Habilitationsarbeit von Dr. Jung-Klawitter, die kurz vor ihrem Abschluss steht, im Rahmen des Olympia Morata Habilitationsprogramms und des Mentoring-Programms der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.

Kompetenzerweiterung aufgrund paralleler Herausforderungen durch Beruf und Pflege

Während ihrer Promotions- und Postdoc-Zeit kümmerte sich Dr. Jung-Klawitter um die Pflege eines schwer erkrankten Familienmitglieds. Nach ihrer persönlichen Einschätzung hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege befragt, bewertet sie diese folgendermaßen: „Die schwere Erkrankung innerhalb der eigenen Familie stellte mich am Ende meiner Promotions- und während meiner frühen Postdoc-Zeit vor zahlreiche neue Herausforderungen. Die Notwendigkeit der Betreuung beeinflusste deutlich die Wahl meiner Postdoc-Stellen und hatte auch Einfluss auf meine Publikationsleistungen, da die Betreuung zu zeitlichen Einschränkungen bei meiner Forschung geführt hat. Auch die Pflege von wissenschaftlichen Netzwerken war nicht einfach, da mir die hierfür erforderliche Flexibilität für den Besuch von Kongressen nicht immer zur Verfügung stand. Ich bin sehr froh, dass mich mein Mann während dieser langen Zeit immer unterstützt hat. Dennoch hat mich dieser Lebensabschnitt auch einiges gelehrt, was man erfolgreich im Beruf einsetzen kann. Dazu gehören Geduld, Resilienz im Umgang mit belastenden und stressreichen Situationen und die Entwicklung eines guten Organisationsvermögens.“

Reflektierend zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege schätzt Jung-Klawitter ein: „Ähnlich wie bei der Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung wird auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege antizipiert, dass man sich trotz der doppelten Belastung voll und ganz der eigenen wissenschaftlichen Karriere widmen kann. Ich halte diese Sichtweise für kritisch, da sie zu einer zu stark karriereorientierten Sichtweise führen kann. Dabei stellt das Engagement innerhalb der eigenen Familie, aber auch das soziale Engagement, eine wichtige Basis für eine starke und tolerante Gesellschaft dar, die nicht nur das eigene Wohl ins Zentrum stellt. Vereinbarkeit mit der Pflege von Familienangehörigen erfordert aus meiner Sicht daher, auch hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die beides ermöglichen: beruflich tätig und für die Angehörigen da sein zu können. Das ist kein einfaches Unterfangen und umfasst viele ‚Baustellen‘. Dazu zählen verbesserte Beratungsmöglichkeiten, die bei der Suche nach der passenden Unterstützung für die häusliche Pflege helfen und damit die Angehörigen entlasten helfen, aber auch die Investition in mehr gut ausgebildetes Pflegepersonal. Oftmals mangelt es auch am Verständnis der Führungskräfte für die besondere Belastungssituation durch die häusliche Pflege. Hier würde ich mir wünschen, dass mehr leistungsbereite Mitarbeitende trotz familiärer Verpflichtungen durch ihre Führungskräfte weiterentwickelt und gefördert werden.“

Umfassende Unterstützung ermöglicht berufliche Weiterentwicklung

Persönlich fasst Dr. Sabine Jung-Klawitter die Situation wie folgt zusammen: „Nicht immer war die Unterstützung durch meine Vorgesetzten während der Pflegezeit ideal. Dies hat sich hier in Heidelberg grundlegend geändert und mich in meinem Unterfangen bestärkt, meine akademische Karriere in Richtung einer eigenständigen Professur weiter voranzutreiben. Nachhaltig in meiner professionellen Entwicklung unterstützt wurde und werde ich dabei durch meine Vorgesetzen, entsprechende Programme der Universität Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg sowie die Weiterbildungs- und Mentoring-Angebote hier vor Ort. Diese vermitteln mir nicht nur den notwendigen fachlichen Hintergrund als zukünftige Führungskraft, sondern geben mir auch die Gelegenheit, mich weiter zu vernetzen und interdisziplinär auszutauschen.“

Das Gleichstellungsteam würdigt das außerordentliche Engagement von Dr. Sabine Jung-Klawitter, die beide Lebensaspekte, die berufliche Karriere und die Unterstützung ihrer Familie, in beeindruckender Weise für sich umgesetzt hat und damit auch als Vorbild dient!

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