/ von Peter Pausch /
„Wenn die Gesellschaft so fortfährt,
wird in zweitausend Jahren nichts mehr sein,
kein Grashalm, kein Baum;
sie wird die Natur aufgefressen haben.“
Gustave Flaubert (1821-1880)
„Macht ein Ende. Es ist Zeit.“
Sophokles
„Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.”
„Ich habe den Begriff der Aggression nicht so gern. Ich ziehe es vor, von Konflikten zwischen Gruppen zu sprechen. Und die nehmen durch das Zusammenrücken der Menschen eher zu. Wachsende Integration bedeutet Wachstum der Spannungen. Erstaunlich ist die Geduld, mit der man diese Spannungen austrägt. In Europa droht niemand mehr mit Krieg. Das sollten wir als einen Vorteil ansehen. Wir haben unsere Lektion gelernt. Wir dürfen aber nicht unsere Analysen mit unseren Wünschen vermischen. Wenn Gorbatschow mit seinen Reformen scheitert und ein beträchtlicher Teil des russischen Volkes ist gegen diese Veränderungen, dann haben wir mindestens wieder den kalten Krieg.“ Norbert Elias (1988)
„Man sollte sich doch endlich darüber Rechenschaft ablegen, daß die absolutistisch- humanistische Haltung, die bei uns seit der Renaissance vorherrscht und die ihren Ursprung wahrscheinlich in den großen Religionen der abendländischen Welt hat, äußerst katastrophale Konsequenzen hatte. Einige Jahrhunderte Humanismus haben zu den großen Kriegen, zu Ausrottungen, Konzentrationslagern und zur Zerstörung aller Arten von Lebewesen geführt; wir haben die Natur verarmen lassen. Es ist gerade die übertriebene humanistische Haltung des Menschen, die ihn selbst bedroht: wenn er nämlich glaubt, nach Belieben über alles verfügen zu können.“
„Nach allem, was man mir gesagt und mich gelehrt hat, ist der Mensch mit Vernunft begabt. Ein ganzes langes Leben hindurch habe ich eifrig nach einer Bestätigung dieser These Ausschau gehalten – leider ohne den geringsten Erfolg. Im Gegenteil, ich mußte beobachten, wie die Menschheit mehr und mehr dem Wahnsinn verfiel. Ich habe gesehen, wie sich große Nationen – einst Bannerträger der Kultur – von Leuten in die Irre führen ließen, hinter deren bombastischem Geschrei sich der reinste Unsinn verbarg”
„Das Geschrei bestand aus Worten.“
„Nur ein Teil in uns ist geistig gesund, nur ein Teil in uns liebt die Freude und länger währendes Glück, möchte neunzig Jahre alt werden und friedlich im eigenen Haus sterben, das auch denen Schutz bietet, die nach uns kommen. Die andere Hälfte in uns ist dem Wahnsinn nahe, sie zieht das Unangenehme dem Angenehmen vor, liebt den Schmerz und möchte in einer Katastrophe untergehen, die das Leben auf seine Anfänge zurückwirft und von unserem Haus nichts als das verkohlte Fundament hinterlässt. Unser lichtes Wesen bekämpft die Dunkelheit in uns, und kein Teil siegt für gewöhnlich ganz, denn wir sind zerrissen.”
„Was man als Rassismus oder Intoleranz bezeichnet, hat in den menschlichen Gesellschaften immer existiert. Schon die einfache Tatsache, daß viele Völker. die wir als primitiv bezeichnen, sich Namen geben wie: »die Guten«, »die Ausgezeichneten«, »die Menschen« und daß damit anderen Gruppen geradezu die menschliche Qualität abgesprochen wird, ist eine Form der Intoleranz und des Rassismus. Katastrophal wirkte sich das aber erst aus, als unsere abendländische Zivilisation, in einer ungeheuren Expansion viel größer und zahlreicher wurde als die anderen. Damit sich das ändert. müßte die Menschheit wieder an Zahl abnehmen.“ Lévi-Strauss (1971)
„1971 gab es 3,77 Milliarden menschen auf der Erde. Seitdem hat sich die Zahl nicht halbiert, sondern mehr als verdoppelt. Aktuell steigt sie jährlich um etwa 82 Millionen, was einem täglichen Zuwachs von rund 224.600 entspricht. Zur Zeit dauert es ungefähr 4,5 Tage, bis die Weltbevölkerung um eine Million Menschen zugenommen hat“.
„Im Norden wie im Süden, auf hohem und auf niedrigem Niveau: die Landwirtschaft vernichtet schon heute den Lebensraum zahlloser Tier- und Pflanzenarten. Hinzu komme, »daß jedes Kilogramm Fertigware eine weitaus größere Menge an Ressourcen und Energie erfordert , die der Umwelt entnommen werden müssen. Beispielsweise werden zwischen 8 und 14 Tonnen nicht erneuerbarer Rohstoffe verbraucht, um einen einzigen Personalcomputer herzustellen«, und »um ihren derzeitigen Lebensstil aufrechtzuerhalten, verbrauche jeder einzelne Bürger der Industrieländer jährlich durchschnittlich 100 Tonnen nicht erneuerbarer Ressourcen, zu denen noch 500 Tonnen Frischwasser hinzukommen, also zwischen dreißig- und fünfzigmal so viel wie in armen Ländern verfügbar ist.«“
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“To this [primordial] war of every man, against every man, this also is consequent; that nothing can be unjust. The notions of right and wrong, justice and injustice have there no place. Where there is no common power, there is no law; where no law, no injustice. Force, and fraud, are in war the two cardinal virtues.” Hobbes (1651)
„So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewußten Wunsch- regungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte von Mördern. Es ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die Kraft besitzen, die ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten; in dem Kreuzfeuer der gegenseitigen Verwünschungen wäre die Menschheit längst zugrunde gegangen, die besten und weisesten der Männer darunter wie die schönsten und holdesten der Frauen.“
‘Ganz normale Leute, serbische Bankangestellte oder Lehrer, fuhren im Sommer 1992 in die bosnische Hauptstadt Sarajevo, um ihr Gewehr auf ebenfalls ganz normale Leute anzulegen. Aus Spaß. Ohne schlechtes Gewissen. Gegen Bezahlung wurde das Schießen auf Zivilisten ab 1993 auch Nicht-Serben ermöglicht; Amerikaner, Russen und andere Europäer kamen. Es wurden Preise ausgelobt für Schüsse auf schwer zu treffende Ziele: Kinder in den Armen ihrer Mütter. Erst 1995, durch den Friedensvertrag von Dayton, endete das Vergnügen.“
„»Du sollst nicht töten«. Ein so starkes Verbot kann sich nur gegen einen ebenso starken Impuls richten. Was keines Menschen Seele begehrt, braucht man nicht zu verbieten, es schließt sich von selbst aus.“
‘Gerade die Betonung des Verbotes macht uns sicher, daß wir von einer unendlich langen Generationsreihe von Mördern abstammen, denen die Mordlust […] im Blute lag. Die ethischen Strebungen der Menschheit, an deren Stärke und Bedeutsamkeit man nicht zu nörgeln braucht, sind ein Erwerb der Menschen- geschichte; in leider sehr wechselndem Ausmaße sind sie zum ererbten Besitze der heute lebenden Menschheit geworden.“
„Angesichts neuer Kriege, der Erosion von Demokratien, der Gefahr einer Klimakatastrophe und unermesslicher Ungleichheit scheinen wir uns aktuell in der Tat eher zu einem gesellschaftlichen Naturzustand zurückzubewegen als einen vermeintlich unaufhörlichen moralischen Fortschritt fortzuschreiben.“
„Wir beseitigen in unseren unbewußten Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege stehen, die uns beleidigt und geschädigt haben. Das »Hol’ ihn der Teufel«, das sich so häufig in scherzendem Unmute über unsere Lippen drängt und das eigentlich sagen will: »Hol’ ihn der Tod«, in unserem Unbewußten ist es [ein] ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch.“
„Drei Millionen Juden starben in den Vernichtungslagern, aber zwei Millionen Menschen wurden bei systematischen Massenerschießungen getötet. Ein Umstand, der heute kaum bekannt ist. Die Täter standen ihren Opfern von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Sie schossen auf Männer, Frauen, Kinder – Tag für Tag, gehorsam und beflissen, als sei es normale Arbeit. Zehntausende Deutsche gehörten den mobilen Kommandos der Einsatzgruppen und Polizeibataillone an.“
„So war es: Jeder Deutsche, der eine Uniform trug und eine Waffe hatte, konnte in Warschau mit einem Juden tun, was er wollte. Er konnte ihn zwingen, zu singen oder zu tanzen oder in die Hosen zu machen oder vor ihm auf die Knie zu fallen und um sein Leben zu flehen. Er konnte ihn plötzlich erschießen oder auf langsamere, qualvollere Weise umbringen. Er konnt einer Jüdin befehlen, sich auszuziehen, mit ihrer Unterwäsche das Straßenpflaster zu säubern und dann vor aller Augen zu urinieren. Den Deutschen, die sich diese Späße leisteten, verdarb niemand das Vergnügen, niemand hinderte sie, die Juden zu mißhandeln und zu morden, niemand zog sie zur Verantwortung. Es zeigte sich, wozu Menschen fähig sind, wenn ihnen unbegrenzte Macht über andere Menschen eingeräumt wird.“ Marcel Reich-Ranicki
“Auf einer Konferenz im Jahr 1944 überlegten amerikanische Psychologen, wie es zum Holocaust und den Nazi-Verbrechen kommen konnte. Für die beteiligten Anthropologen und Sozialwissenschaftler, darunter Margaret Mead, Kurt Lewin und Erich Fromm, stand fest, daß der Charakter jedes einzelnen Deutschen durch eine »schwere geistige Krankheit« deformiert sei. Sie konstatierten eine Art Paranoia, ein kollektives neurotisches Abweichen von normalen Verhaltens- mustern. Daraus entwickelte sich die These: Alle Deutschen waren schuldig.“
„Das Milgram-Experiment sollte ursprünglich dazu dienen, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus sozialpsychologisch zu erklären. Das Hauptergebnis war aber, dass Menschen, ohne persönliche Feindschaft zu empfinden, zu tödlichen Handlungen veranlasst werden können, weil sie gegenüber Autoritäts- personen überraschend gehorsam sind, selbst wenn dies auf Kosten des persönlichen Wohlbefindens oder des eigenen Gewissens geht. Zwei Drittel der Teilnehmer waren bereit, potenziell tödliche Schocks zu verabreichen, was den Einfluss der Autorität verrät.“
„Wirksamer noch als der weiße Kittel des Versuchsleiters waren dessen Sätze, durch die er das Experiment zu einem gebietenden Subjekt erhob: Die Versuchsanordnung sehe vor, daß …; der Versuch könne korrekt nur durchgeführt werden, wenn … usw.“
„In Demokratien werden Menschen durch öffentliche Wahlen in ihr Amt eingesetzt. Doch sobald sie einmal installiert sind, besitzen sie nicht weniger Autorität als jene, die durch andere Mittel ihre Position erlangt haben. Und wie wir wiederholt gesehen haben, können auch die Forderungen einer demokratisch installierten Autorität mit dem Gewissen in Konflikt geraten. Der Import und die Versklavung von Millionen schwarzer Menschen, die Vernichtung der indianischen Bevölkerung Amerikas, die Internierung japanischer US-Bürger, der Einsatz von Napalm gegen Zivilisten in Vietnam – alle diese Aktionen waren grausam und entsprangen der Autorität einer demokratischen Nation […] In jedem einzelnen Fall erhoben sich Stimmen des moralischen Protests, doch die typische Reaktion des Durchschnittsmenschens war, den Befehlen zu gehorchen.“ Stanley Milgram
“»Niemand hat das Recht zu gehorchen« – dieser Ausspruch findet sich nicht nur auf T-Shirts oder Plakaten der »Querdenker«-Demonstrationen, sondern auch auf Souvenirs des Deutschen Historischen Museums.” Wie kam es dazu?
„Eichmann habe sich, indem er seinen Gehorsam verteidigte, auf Kant berufen. Aber »Kants ganze Moral läuft doch darauf hinaus, dass jeder Mensch bei jeder Handlung sich selbst überlegen muss, ob die Maxime seines Handelns zum allgemeinen Gesetz werden kann. […] Es ist ja gerade sozusagen das extrem Umgekehrte des Gehorsams! Jeder ist Gesetzgeber. Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen bei Kant.« H. Arendt
„Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittels dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen [= dürfen], um […] von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt, zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. So fern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet: kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen.“ Kant. Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (30. Sep.1784)
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„Auch gesetzlich verankerte Todesstrafen sind Ausdruck einer tiefsitzenden Mordlust, die sich mit Hilfe von Wörtern einen Umhang näht, der nicht auf sie schließen läßt. Katholiken können sogar versuchen, die Vollmacht zur Todestrafe von dem Herrn Ihres Glaubens zu erzwingen. Ein Jesuit weiß: »Die Todesstrafe widerspricht nicht dem Gebot des Sittengesetzes: Du sollst nicht töten« und begründet: „Denn sinngemäß ist nur ungerechtfertigte Tötung verboten« und verlangt: „Der Schöpfer u Herr des Lebens kann u muß […] der staatlichen Autorität die Vollmacht zur Todesstrafe übertragen, weil ohne sie die notwendigen Zwecke des Staates nur ungenügend erreicht werden können.«
„Vielleicht kann der »Schöpfer und Herr des Lebens« Jesuiten, die mit ihm rechten wollen, nicht leiden; vielleicht liegen Staaten und deren Zwecke außerhalb seines Interesses; vielleicht wäre er überrascht zu erfahren, daß es unter zahllosen irdischen Arten auch eine namens Mensch gibt, die auf eine höchst intelligente Weise dümmer als andere Arten ist.“
„In den Sechzigerjahren sprachen sich prominente Christen, darunter Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Bundesjustizminister Richard Jaeger (CSU), für die Todesstrafe aus; in Köln entstand 1963 sogar ein »Verein zur Wiedereinführung der Todesstrafe e.V.«. Ehrenmitglied: der berüchtigte NS-Scharfrichter J. R., der einst im Akkord Widerstandskämpfer hinrichtete – und nach Kriegsende Nazis für die Alliierten hängte.“
„Pro Kopf bezahlt, wurde der Henker in der NS-Zeit vermögend. 1943 verdiente er 45.000 Reichsmark – etwa 15 Mal so viel wie ein Arbeiter. Er fuhr mit seiner zusammenklappbaren Enthauptungsmaschine durch das ganze Reich.“
„Das größte Geheimnis, das so viele Menschen gewußt haben, und […] so viele beiderlei Geschlechts einst wissen werden […] das aber noch nie jemand ausgeplaudert [hat], noch je ausplaudern wird.- Die Empfindung wenn einem der Kopf abgehauen wird.“
“Wie es wohl den Hühnern geht, 70 Milliarden, die jedes Jahr an den Füßen aufgehängt und mit einem Kreismesser geköpft werden? Hätte die Antwort auf diese Frage irgendeine Wirkung auf menschen, die das Töten von Tieren für eine nachhaltige Art der Ernährung halten?”
„Selbstverständlich berechtigt die physiologisch-psychologische Parallelität oder »Isomorphie« der Vorgänge, die ich objektiv und subjektiv an mir selbst beobachte, zu dem Schluß, daß der Mitmensch, dessen physiologische Funktionen den meinen analog sind, bei dem gleichen physiologischen Geschehen auch Analoges erlebt wie ich. Auf Tiere angewandt, wird der Analogieschluß schon weniger tragfähig. Je unähnlicher die Struktur von Sinnesorganen und Nervensystemen derjenigen meiner eigenen ist, desto unähnlicher werden ihre Funktionen sein, und wie das Erleben sein mag, das mit ihnen einhergeht, ist mir grundsätzlich verschlossen und bleibt es, selbst wenn die Du-Evidenz mich zwingt, meinem Hund ein irgendwie geartetes Erleben zuzuschreiben. Je weiter wir im Reiche des Organischen nach unten steigen, desto weniger trägt der Analogieschluß, und bei den niedrigsten Organisationsstufen verstummt auch die Du-Evidenz. Miesmuscheln töte selbst ich ohne jedes Mitgefühl.“
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„… das ist ein eigen, geheimnisvolles Ding, dieses Umbringendürfen – nein Umbringen müssen – ohne ein Mörder zu sein und mit unerschrockener Preisgebung des eigenen Lebens …“
„Dieser Augenblick der Konfrontation mit dem Getöteten erfüllt den Überlebenden mit einer ganz eigentümlichen Art von Kraft, die keiner anderen Art von Kraft zu vergleichen ist. Es gibt keinen Augenblick, der mehr nach seiner Wiederholung verlangt.“
„Eine fundamentale »transzendentale Kategorie« – also eine Erkenntnisfunktion, die vor aller empirischen Erfahrung besteht – sei das »Totschlagenkönnen«. Dieses sei eine ebenso elementare Voraussetzung historischer Anthropologie wie die Opposition von Freund und Feind.“
„Das Töten eines Menschen geht fast so schnell wie die Herstellung eines Menschen und ist ebenso mit Lust verbunden. Nur die Aufzucht von neuen Menschen, mit denen die Tötungsbegierde gestillt werden kann, die dauert noch zu lange.“
„Wenn wir unseren Blick auf die Summe des unsäglichen Leides und der beständigen Zerstörung von Gut und Blut werfen, von denen die Menschen seit unvordenklichen Zeiten stets heimgesucht werden, so könnten wir versucht sein, den Philosophen des Pessimismus beizupflichten, welche den Wert des Lebens verneinen und die Meinung verfechten, daß von einem dauernden Fortschritt, von einer Höherentwicklung der Menschheit nicht die Rede sein kann, daß im Gegenteil eine jede Kultur, wenn sie einmal einen gewissen Höhepunkt erreicht hat, ihren Stachel gegen sich selber kehrt und sich ohne Sinn und Ziel wieder vernichtet.” Max Planck (1941)
„Man kann sich eines gewissen Unwillens nicht erwehren, wenn man ihr Thun und Lassen auf der großen Weltbühne aufgestellt sieht und bei hin und wieder anscheinender Weisheit im Einzelnen doch endlich alles im Großen aus Thorheit, kindischer Eitelkeit, oft auch aus kindischer Bosheit und Zerstörungssucht zusammengewebt findet: wobei man am Ende nicht weiß, was man sich von unserer auf ihre Vorzüge so eingebildeten Gattung für einen Begriff machen soll.“
„Ja, das ganze Leben machte auf ihn diesen Eindruck, als bestünde neben einem Zustand der Klugheit im einzelnen sowie in den amtlichen Vorkehrungen, zu denen er auch Glauben und Wissenschaft rechnete, ein völliger Zustand der Unzurechnungsfähigkeit im ganzen. Da tauchten immer wieder Ideen auf, die man noch nicht kannte, erhitzten die Leidenschaften und verschwanden nach Jahr und Tag wieder; da liefen die Leute bald dem, bald jenem nach und fielen von einem Aberglauben in den andren […], aber herausgekommen war noch nie etwas dabei! Wenn man das millionenfach verkleinern könnte und sozusagen auf die Ausmaße eines Einzelkopfes bringen, so gäbe es darum genau das Bild der Unberechenbarkeit, Vergeßlichkeit, Unwissenheit und eines närrischen Herumhopsens, das er sich immer von einem Verrückten gemacht hatte.“
„Die »Menschheit« avanciert nicht, sie existiert nicht einmal. Der Gesamt-Aspekt ist der einer ungeheuren Experimentier-Werkstätte, wo einiges gelingt, zerstreut durch alle Zeiten, und Unsägliches mißrät, wo alle Ordnung, Logik, Verbindung und Verbindlichkeit fehlt.“
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„Wenn wir das Leben der bewaffneten Truppen […] etwas näher betrachten, werden wir […] feststellen, dass das Soldatensein tatsächlich (nach der Todesstrafe) die schmerzlichste Spur der Barbarei ist, die unter Menschen fortlebt…“
“Als der ägyptische Pharao Meneptah 1300 vor Christus die Libyer besiegte, führte er als Siegeszeichen 1300 abgeschnittene Penisse der Besiegten mit sich”
“Kann es einen abscheulicheren Anblick für ein höheres Wesen geben, als zwei gegenüberstehende Menschenheere, die unbehelligt einander morden? Alle edlen Menschen sollten diese Gesinnung mit warmem Menschengefühl ausbreiten, Väter und Mütter ihre Erfahrungen darüber den Kindern einflößen, damit das fürchterliche Wort Krieg, das man so leicht ausspricht, den Menschen nicht nur verhaßt werde, sondern daß man es mit gleichem Schauder als den St.Veitstanz, Pest, Hungersnot, Erdbeben, den schwarzen Tod zu nennen oder zu schreiben kaum wage.“
„Den Vietcong schnitten GI’s, als finale Demütigung, die Genitalien ab und bastelten daraus Armbänder und Amulette. Im Spätstadium ihrer zivilisatorischen Bändigung, im 18. Jahrhundert, verfuhren die Engländer auf ähnlich grausige Weise mit den Hochlandschotten.”
„Der Krieg ist ein unmenschliches, ärger als tierisches Beginnen, indem er nicht nur die Nation, die er angreift, unschuldiger weise [mit] Mord und Verwüstung [be]drohet, sondern auch die Nation, die ihn führet, ebenso unverdient als schrecklich hin opfert.“
„Der Satz »Ein Krieg setzt alle Triebe frei« ist eine treffende Beschreibung der psychologischen und gesellschaftlichen Dynamik im Krieg, die die dunklen Seiten der menschlichen Natur, wie Aggression, Destruktivität, Angst und Überlebensinstinkte, freilegt und verstärkt, indem er alle zivilisatorischen Hemmungen des Alltags außer Kraft setzt und die schlimmsten destruktiven Impulse der menschlichen Psyche freigibt.“
„Die großen Herrn haben für ihre Person zu wenig vom Kriege zu fürchten.“
„In einem Lande N.N. müssen bei einem Kriege der Regent so wohl als seine Räte solange der Krieg währt über einer Pulvertonne schlafen und zwar in besondern Zimmern des Schlosses, wo jedermann frei hinsehn kann um zu beurteilen, ob das Nachtlicht auch jedesmal brennt. Die Tonne ist nicht allein mit dem Siegel der Volks-Deputierten versiegelt sondern auch mit Riemen an den Fußboden befestigt die wieder gehörig versiegelt sind. Alle Abend und alle Morgen werden die Siegel untersucht. Man sagt daß seit der Zeit die Kriege in jenen Gegenden ganz aufgehört hätten.“
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“Die zivilisierten Völker sind der Barbarei so nahe wie das bestgeschliffene Eisen dem Rost. Völker wie Metalle glänzen nur an der Oberfläche.”
„You can’t say civilization don’t advance, however, for in every war they kill you in a new way.“
„Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“
‘Zum Vorboten der digitalen Kriegsführung wurde der Zweite Golfkrieg (1990-1991) durch eine neue Form der Vernetzung. Zum Einsatz kamen intelligente Waffen mit präziser Zielerfassung. Aufklärungsbilder in Echtzeit erlaubten den Befehlszentralen in sicherer Ferne (»weit vom Schuß«) eine dynamische Anpassung an die jeweilige Lage in taktischer und strategischer Hinsicht.’
„Jede neue Technologie erfordert einen neuen Krieg.“
Sensorik: „Radar meldet bewegtes Objekt.“
Algorithmus: „Wenn bewegtes Objekt gesichtet, prüfe: Ist es lebendig?“
Sensorik: „Infrarotsensor meldet Wärmeabstrahlung.“
Algorithmus: „Wärmeabstrahlung: 1. Check.“
Sensorik: „3D-Kamera: 98 Prozent menschenähnliche Form.“
Algorithmus: „Mensch: 1.Check. Prüfe: Trägt er eine Waffe?“
Sensorik: „Waffe im Anschlag.“
Algorithmus: „Waffe: 1.Check. Feuer: 1.“
‘Ein monotones Surren. Ein leises Fiepen. Ein kleiner Knall: »That little bang is enough to penetrate the skull and destroy its contents«’
„Nach der Analyse der Archäologen wurden den Opfern von Regensburg-Harting germanische Äxte derart über die Stirnregion geführt, dass ihre Schädel regelrecht zerplatzten.“
‘In Friedenszeit eingeschmuggelt, können logische Bomben aus großer Ferne gesteuert werden. Höchstwahrscheinlich sind Netzwerke, die wichtige Infrastruktureinrichtungen in den USA und in vielen anderen Ländern kontrollieren, mit Schadcodes versehen, die jederzeit aktiviert werden können.’
„Die algorithmischen Systeme des Hyperwar sind dem Menschen weit überlegen. Sie operieren 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ohne jegliche Ermüdung. Sie kollaborieren intelligent und bekämpfen Ziele unter umfassender Berücksichtigung taktischer, logistischer und sanitätsdienstlicher [!] Aspekte. Sie sind äußerst effektiv und treffsicher:mit zuvor nicht gekannter Geschwindigkeit.“
„Hyperwar bezeichnet die extreme Beschleunigung des Hybriden Krieges durch eine ständig wachsende Rechenleistung bei Systemen, Sensoren und Plattformen hinsichtlich Genauigkeit, Beweglichkeit, Anpassung und Reichweite. Er umfasst die Algorithmus- bzw. KI-gesteuerte, »selbstlernende« Kriegsführung mittels automatischer Waffen und Waffensysteme wie Drohnen oder Kriegsrobotern sowie gleichzeitiger Internet-Sabotage (»Cyberwar«).”
„Weitere Mittel des Hyperwar sind: Human Enhancement, genetische Manipu- lation, Datenanalyse, Simulation, Verhaltenswissenschaft, quanten-basierte Sensoren zur Überwachung des gesamten Ozeans, synthetische Technologien und Nanotechnologien mit 3D-Druck, Hyperschallwaffen und synthetischer Realität durch Big Data. Diese Funktionen können auch in einer robotergestützten Militärplattform zusammengefasst werden, die sich ohne menschlichen Eingriff bewegt und angreift.”
„Die Anwendung von KI bei der Führung eines Krieges stellt eine Revolution dar, die sich mit der Erfindung des Schießpulvers oder der Atombombe vergleichen läßt.“
‘Hyperwar ist wie ein gigantisches bewaffnetes Nervensystem, welches extrem nervös ist und enorm unter dem Druck steht, als erstes zuzuschlagen.’
„This is what J. F. Kennedy said in a speech on Dec 11, 1959: „I am sorry to say that there is too much point to the wisecrack that life is extinct on other planets because their scientists were more advanced than ours.“ And this is what he might say today if he were still alive: „I am sorry to say that there is too much point to the presumption that life is not endangered on other planets because their scientists are less advanced than ours.“
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„Triebverzicht ist die Wiege der Kultur.“
„Es folgten mehrere Stunden blutiger Kämpfe, in denen die Konquistadoren dank ihrer technologischen Überlegenheit die Oberhand behielten. Bis zum Abend hatten Pizarro und seine Männer 7.000 Indianer getötet, ohne einen einzigen ihrer eigenen Männer zu verlieren. Später sagte Pizarro zu Atahualpa durch einen Dolmetscher: »Wenn du die Irrtümer erkannt hast, in denen du lebst, wirst du verstehen, wie viel Gutes wir dir durch unsere Ankunft in deinem Land getan haben … Unser Herr hat zugelassen, dass dein Stolz gebrochen wird und dass kein Indianer mehr einen Christen beleidigen kann«“.
„Wenn die Kultur nicht allein der Sexualität, sondern auch der Aggressions- neigung des Menschen so große Opfer auferlegt, so verstehen wir es besser, daß es dem Menschen schwer wird, sich in ihr beglückt zu finden.“
“Und bald verbreiteten sich sowohl Haiducken, als Wallonen auf den Dörfern, wo sie auf das Grausamste hauseten. Diejenigen, welche niedergehauen wurden, waren noch glücklich. Denn den Gefangenen dreheten sie so lang Stricke um ihre Köpfe, bis ihnen das Gehirn herausspritzte; oder sie folterten ihre Leiber mit glühenden Kohlen, um ihnen ihre verborgenen Güter zu entdecken.“
„Das Individuum hat sich Gewalt anzutun. Es soll begreifen, daß das Leben der Gesamtheit die notwendige Bedingung seines eigenen sei. Aus vernünftiger Einsicht soll es die widerstrebenden Gefühle und Instinkte meistern. Die Hemmung, die ursprünglich von außen kommt, soll vom eigenen Bewußtsein gesetzt werden.“
„Das Kriegsglück schwankte. 80 kaiserliche Dschunken, unterstützt von europäischen Kriegsschiffen, beschossen die Stadt Ningbo, die den Taiping- Rebellen immer wieder abgenommen wurde. Auf beiden Seiten wurde mit größter Grausamkeit gekämpft. Gefangene Taiping wurden wiederholt truppweise vor die Mündungen der Kanonen gebunden und unter Leitung der englischen Offiziere zerschossen“.
„Es gibt keine Gesellschaft, wo Muster der zivilisatorischen Trieb- oder Lustbewältigung nicht zu finden sind. Denn ohne solche könnte eine Gesellschaft nicht überleben.“
„Die Behandlung der Häftlinge war so grauenhaft, dass in der Nacht vom 29. August 1942 unter den Gefängniswärtern Wetten abgeschlossen wurden, wer die meisten Häftlinge liquidieren könne. Einer der Wärter, Petar Brzica, soll 1.360 Häftlingen mit einem Fleischermesser die Kehle durchgeschnitten haben. Eine goldene Uhr, ein Silberservice, ein gebratenes Spanferkel und Wein gehörten zu seinen Belohnungen.“
„Wir kennen nur Gesellschaften, in denen es gelungen ist, Trieb und Affektimpulse zu regulieren, alle anderen sind untergegangen.“
„Das Ausheben der Gruben nimmt den größten Teil in Anspruch, während das Erschießen selbst sehr schnell geht (100 Mann 40 Minuten). Die Erschießung der Juden ist einfacher als das der Zigeuner. Man muß zugeben, daß die Juden sehr gefaßt in den Tod gehen, – sie stehen sehr ruhig, – während die Zigeuner heulen, schreien und sich dauernd bewegen, wenn sie schon auf dem Erschießungsplatz stehen. Einige sprangen sogar vor der Salve in die Grube und versuchten sich tot zu stellen.“
„Wir sind die späten Barbaren.“
„An möglichen Tätern ist noch immer kein Mangel. Alle von menschen begangenen Taten ließen sich noch einmal begehen. Beschwörungen des Gegenteils würden eher eine Wiederholung als eine Unterlassung anregen.“
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„Das Judenmorden war ein Anfang. Die große Chance ist, daß das Ereignis sich in größtem Stil wiederholt, aber dann mit Hunderten von Millionen, ausgerottet durch Atombomben. Ich habe noch andere Perspektiven, bei denen man sagen würde: Es ist [s]eine philosophische Phantasie. Ich glaube, es ist nicht so, sondern spüre als Grundstimmung der Verfassung unseres Zeitalters und der abendländischen Welt: Es wird geschwiegen, verschleiert, und man sieht nicht, wohin wir gehen.“ Karl Jaspers
‘Im Jahr 2005 entsprach das overkilll 2.500 Zweiten Weltkriegen. Hätte also damals ein dritter Weltkrieg 4 Std. gedauert, so hätte er jede Minute die Sprengkraft des Zweiten gehabt.’ https://www.atomwaffena-z.info/heute/die-atomare-welt/overkill
„Um das Ausmaß der nuklearen Bedrohung zu veranschaulichen, stellte die Theologin die Frage, woher man denn die 100 Milliarden Menschen bekommen wolle, die durch die Sprengkraft vernichtet werden könnten. Es reichten die Menschen doch nicht mehr aus. Statistisch gesprochen klaffe die Schere zwischen aktivem und passivem Vernichtungspotential immer weiter auseinander.”
„Aber das Entschärfen der Bombe wird ein radikaleres Vorgehen erfordern als UN-Resolutionen, Abrüstungskonferenzen und Appelle an die vielgerühmte Vernunft. Derartige Appelle sind schon seit der Zeit der jüdischen Propheten stets auf taube Ohren getroffen, ganz einfach weil der Homo sapiens kein vernünftiges Wesen ist. Denn wäre er vernünftig, würde er seine Geschichte nicht so total verpfuscht haben. Und nichts deutet darauf hin, daß er im Begriff wäre, ein vernünftiges Wesen zu werden.“
„Selbst der Gedanke an seine eigene Zerstörung war ihm nicht nur angenehm, sondern verursachte ihm sogar eine Art von wollüstiger Empfindung, wenn er oft des Abends, ehe er einschlief, sich die Auflösung und das Auseinanderfallen seines Körpers lebhaft dachte.“
„Sonderbar, daß Wollust der eigentliche Grund der Grausamkeit ist.“
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„Meine Humanität ist eine beständige Selbstüberwindung.“
„Wie viele Tiere habe ich als Kind gequält und getötet?“
„Interessant ist die Erfahrung, daß die kindliche Präexistenz starker »böser« Regungen oft geradezu die Bedingung wird für eine besonders deutliche Wendung des Erwachsenen zum »Guten«. Die stärksten kindlichen Egoisten können die hilfreichsten und aufopferungsfähigsten Bürger werden, die meisten Mitleidsschwärmer, Menschenfreunde, Tierschützer haben sich aus kleinen Sadisten und Tierquälern entwickelt.“
‘worauf es ankommt, das ist das kämpfen; daran ändern die zeiten nichts. mensch muß immer ringen mit dem natürlichen menschen. je schwerer, desto besser. das mit dem fleisch, das fleisch will, das bleibt. das ist das tier. es zu besiegen, darauf kommt es an. das wäre ein schritt zu einem anderen tier, einem, das sich an tagtäglichen massenmorden nicht mehr ohne weiteres beteiligt. dieses neue tier – wird es das je geben? – , das dürfte sich »Mensch« nennen.’
„In den meisten, wenn nicht fast allen Kriegen kämpfen Fleischfresser gegen Fleischfresser. Was ist da zu gewinnen?“
„War der Führer der deutschen Nation, dessen Namen ich nicht nennen will, nicht ein Vegetarier?“
„Geben wir es doch zu, daß wir nichts gelernt haben aus der Geschichte, und daß wir nichts lernen können aus ihr. Denn was ist die Geschichte, die politische Geschichte? Sie ist ein großer Haufen Kot fehlgeschlagener Hoffnungen.“
„Man kann alles von der Weltgeschichte sagen, alles, was der perversesten Phantasie in den Sinn kommen mag, nur eines nicht: daß sie vernünftig sei.“
„Die Geschichtsschreibung sei mit Lügen befleckt wie eine Gassenhure mit Geschwüren.“
“Daher sind die Tatsachen der Geschichte in ihren einzelnen verknüpfenden Umständen wenig mehr als die Resultate der Überlieferung und Forschung, die man übereingekommen ist, für wahr anzunehmen.”
“Die Weltgeschichte sei eigentlich nur ein Gewebe von Unsinn für den höhern Denker, und wenig aus ihr zu lernen”
„… heutzutage, da die Macht auf wenige beschränkt ist, sieht man die Ereignisse, kennt aber die Gründe nicht, und die Welt gleicht jenen Maschinen, die sich mit Hilfe verborgener Federn bewegen […] Daraus kann man ersehen, wie wenig nützlich die Geschichte [d.h. die geschehene und die beschriebene] nunmehr ist.“
„Der Geschichtswissenschaft fehle der »Grundcharakter der Wissenschaft«, worunter die »Subordination des Gewußten«, nicht aber dessen »bloße Koordination« zu verstehen sei. Bei dieser bleibe die Geschichte stehen. Da sie »nirgends das Einzelne mittelst des Allgemeinen« erkennt, müsse sie »das Einzelne unmittelbar fassen und so gleichsam auf dem Boden der Erfahrung fortkriechen«.“
„Die wahre Philosophie der Geschichte besteht nämlich in der Einsicht, daß man, bei allen diesen endlosen Veränderungen und ihrem Wirrwarr, doch stets nur das selbe, gleiche und unwandelbare Wesen vor sich hat […] Dies Identische und unter allem Wechsel Beharrende besteht in den Grundeigenschaften des menschlichen Herzens und Kopfes, – vielen schlechten, wenigen guten. Die Devise der Geschichte überhaupt müßte lauten: Eadem, sed aliter.“
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„In asymmetrischen Kriegen verlieren militärisch hochgerüstete, mächtige Staaten sehr häufig gegen militärisch schwache Gegner. Eklatante Beispiele sind der Algerienkrieg (1954–1962), der Vietnamkrieg (1965–1975), der Krieg der Sowjetunion in Afghanistan (1979–1989) sowie der Krieg des Westens in Afghanistan (2001–2021).“
„Wer die finanziellen Mittel hatte, konnte sich dem Militärdienst in Vietnam (durch Studium etc.) entziehen. Von jenen, die ihren Wehrdienst ableisteten und in Vietnam kämpften und starben, waren unverhältnismäßig viele arm, kaum gebildet und schwarz. Es war eine Armee von Teenagern – mehr als 60% starben im Alter von 18 bis 21 Jahren, das Durchschnittsalter der US-Truppe war 19.“
‘Aus den Beziehungen zwischen vietnamesischen Frauen und amerikanischen Soldaten stammen etwa 100.000 Amerasianer. Viele sind noch immer auf der Suche nach ihren Eltern.’
‘In einem asymmetrischen Krieg kämpft eine militärisch schwache Partei einen Kampf um ihr (politisches) Überleben. Wenn sie aufhört zu kämpfen, wird ihre Existenz ausgelöscht. Die militärisch starke Partei hingegen kann den Krieg jederzeit abbrechen, ohne um ihre Existenz fürchten zu müssen.“
„Der Vietnamkrieg war bis dahin Amerikas längster Krieg und der erste, der verloren wurde. 58.269 amerikanische Soldaten waren gestorben, 304.704 verletzt, mehr als 33.000 blieben gelähmt. In seiner Folge begingen mehr Veteranen Selbstmord, als Soldaten in Vietnam gefallen waren. Im Zivilleben fanden sich viele nicht mehr zurecht. 500.000 bis 800.000 von ihnen litten und leiden unter einem posttraumatischen Stresssyndrom. Anfang der neunziger Jahre waren von den etwa 750.000 Obdachlosen in den USA ein Viertel bis ein Drittel Vietnamveteranen.“
„Nach einer Newsweek-Umfrage sind 71 Prozent der Amerikaner für Militär- schläge, auch wenn sie zu großen zivilen Opfern führen. Die Boulevardzeitung Daily News betitelt ihr Editorial »Total barbarism demands total war«. Darin heißt es: »Wenn der Rest der Welt nicht bei einem Frontalangriff auf den Feind im Schatten mitmachen will, muss Amerika den Alleingang wagen.«“
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‘Seit 1990 wird von einem neuen, »deregulierten« Kriegstyp gesprochen; das ist ein Krieg ohne humanitäre Rücksichten: keine Vereinbarungen zum Schutz von Zivilisten, Verwundeten oder Gefangenen. Die Kriegführenden befinden sich außerhalb staatlicher Kontrolle. Es sind Soldaten zerfallender Armeen, para- militärische Verbände, Söldner und marodierende Banden mit nur einer Bindung: der an ihren Anführer, den Warlord, der den Krieg für sich privatisiert: der Unternehmer, illegaler Händler, Kommandeur und Lokaldiktator in einem ist“
„Privatisierte Gewaltakteure als bewaffnete Verbündete für Regierungen entwickeln über die Zeit kommerzielle Interessen, indem sie durch ihr Agieren einen Gewaltmarkt schaffen, der Sicherheit zum gewinnbringenden und exklusiven Gut macht.“
„Die Entstaatlichungs- und Privatisierungstendenzen sind hervorstechende Forderungen eines neoliberalen Marktverständnisses. Die Prämisse, wonach der »Markt« alles besser, schneller und effizienter macht und lediglich einen »Minimalstaat« benötigt, ist in den westlichen Gesellschaften als selbstverständlich hingenommen worden.“
„Die »Warlords« treten ähnlich wie im Dreißigjährigen Krieg vor allem dort auf, wo staatsfreie Räume sowie »wertvolle« und gleichzeitig »leicht ausbeutbare Ressourcen« vorkommen. Die Investition in Gewalt muss sich für Kriegsherren lohnen und Gewinn einbringen.“
„Afrikas Wiedergeburt in den neunziger Jahren war eine Fata Morgana. Die Hoffnung auf Demokratie und Prosperität: vorbei. Die Erneuerer und ihre Visionen: überschätzt. Im Zentrum des Kontinent tobte ein gewaltiger Krieg. Hochmodern und archaisch zugleich, geführt mit Kampfhubschraubern und Macheten. Jeder vierte Staat Afrikas schien zu zerfallen oder hatte bereits aufgehört zu existieren. Im Sudan, in Somalia, Burundi, Angola, Sierra Leone, Liberia, in der demokratischen Republik Kongo ebenso wie in der Republik Kongo (Brazzaville) herrschten Willkür und Anarchie. Der Reichtum der Krisenregionen ist noch heute ihr Fluch. Die Bodenschätze und Hölzer des Kongobeckens, das schwarze Gold in Angola, die Diamanten Westafrikas und das Öl im Südsudan ermöglichen es den Kriegsherren, ihre Kriege unabsehbar lange fortzuführen und zu finanzieren“
„Wo der Staat als Beute genommen und als Pfründe genutzt wird, wo Legitimität gar nicht entstehen kann, ist der Unterschied zwischen staatlicher und privatisierter Gewalt gering. Kriminelle Staatsgewalt provoziert privatisierte Gegengewalt, die meist rasch ebenso kriminell wird. Das kann so weit gehen, dass wie in Liberia Kriminelle sich des Staates bemächtigen. Dann fehlt es nicht an guten Gründen für eine Gegengewalt, auch wenn diese selbst wiederum kriminell wird.“
„Es gibt zahlreiche empirische Befunde privatisierter Gewalt aus Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien, in denen vermeintlich legitime Interessen (z. B. Kampf gegen Unterdrückung einer Minderheit, Kampf für mehr Unabhängigkeit und Autonomie einer Ethnie oder eines Clans etc.) für kriminelle Absichten als Rechtfertigung vorgeschoben wurden bzw. werden. In Wirklichkeit bereichern sich ihre Anführer und pflegen engste Kontakte zur Organisierten Kriminalität.“
„Abschließend kann festgehalten werden, dass privatisierte Gewaltakteure in Krisenregionen häufig das größte Hindernis für eine nachhaltige Friedenslösung sind.“
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„Als ich 1936 das Buch »Über den Prozeß der Zivilisation« schrieb, kam es mir darauf an, rein faktisch herauszufinden, ob es so etwas wie Zivilisationsprozesse überhaupt gibt. Ich habe die Muster der Selbstregulierung in den Mittelpunkt des Zivilisationsprozesses gerückt. Und zwar nicht einfach ein Mehr oder Weniger, sondern die Balance von Zuviel und Zuwenig. Denken Sie an die Mönchsaskese des Mittelalters oder an den Indianerjungen, der am Marterpfahl keinen Laut von sich geben darf. Beides sind Formen sehr extremer Selbstkontrolle. Sie zeigen, daß es mir bei der Erläuterung zivilisatorischer Selbstregulierungsmuster auf die Balance, auf die Abwendung von dem Zuviel ankommt.“
„Der Urmensch hatte es in der Tat darin besser, daß er keine Triebeinschränkungen kannte. Zum Ausgleich war seine Sicherheit, solches Glück lange zu genießen, eine sehr geringe. Der Kulturmensch hat für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht.“
„Erst die Hemmung der Triebe ermögliche menschliche Zusammenarbeit. Die Hemmung, die ursprünglich von außen kommt, soll vom eigenen Bewußtsein gesetzt werden.“
„Das Problem besteht darin, dass das Lustquantum, wenn ich so unverblümt rationalistisch sprechen darf, das die Individuen opfern müssen, ihnen anschließend nicht in anderer Form zurückgegeben wird, wie es nach dem zugrunde liegenden rationalen Prinzip [des Tauschs] der Fall sein müsste. Vielmehr existiert dieser ganze Prozess der Ermahnung [in vielen Hinsichten] nur, um die Gesellschaft als Ganzes zu erhalten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, profitiert der einzelne Mensch nicht von seinem Verzicht – und selbst dort, wo es den Anschein hat, kann man sich fragen, ob er wirklich profitiert hat. […] Die gleichwertige Belohnung, die sie [die Gesellschaft] immer verspricht, kommt nie an, und so weicht das Interesse des Einzelnen und aller einzelnen Menschen in einem sehr tiefen und radikalen Sinn von dem der Menschheit als Ganzes ab.“
„Für die drunten galt die Harmonie von Allgemeinem und Besonderem nur als Forderung. […] Daß es für sie eigentlich nie vernünftig war, den Triebverzicht zu leisten, bedeutet, daß sie von der Zivilisation nie wirklich erreicht worden sind. Sie sind immer noch soziale Wesen durch Gewalt. Das liefert die Basis für Diktaturen. Die Bürger dagegen erkannten in politischen und spirituellen, in inneren und äußeren Obrigkeiten mit Recht ihre eigene Agentur. Sie verwirklichten für sich die Idee der rationalen Zivilisation; ihre Soziabilität ging aus der Erkenntnis des individuellen Interesses hervor.“
„Lustsucher kommen in der Gesellschaft nicht auf ihre Kosten.“
„Alle Beschränkung beglückt.“
„Unter einem leidenschaftslosen Menschen verstehe ich einen, der Vorlieben und Abneigungen nicht gestattet, sein inneres Gleichgewicht zu stören, sondern sich der Natur anpaßt und nicht versucht, (den Stoff) des Lebens zu verbessern.“
„Resignation ist Leidenschaft a.D.“
„Denn wer unendlich resigniert hat, ist sich selber genug.“
„Wer nicht der Taten Frucht erstrebt, / Der ist von allem Handeln frei. /
Wer ohne Hoffnung und Besitz / Gezähmten Sinns sein Werk vollstreckt. /
Wem, was von selbst sich beut, genügt, / Wer keinen Gegensatz mehr spürt /
Wem gleich sind Fehlschlag und Erfolg, / Der wird vom Handeln nicht berührt.“
Bhagavad Gita IV, 20; 22
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„Der intellektuelle Weg vom eigenen Nutzen zum Interesse an der Erhaltung der Gesellschaft in ihrer gegebenen Form war [und ist] für den Angehörigen der Masse stets unabsehbar weit. Auf rationalen Triebverzicht allein war nie Verlaß. Ein Sklave, ja eine griechische Frau an der Stelle des Sokrates, der die Treue zu den Gesetzen durch seinen Tod über alles erhob, wären nicht Weise sondern Narren gewesen. In der Ära des Gewissens, das Sokrates verkündet hat, blieb die Rationalität relativ aufs Eigentum.“
„Die Rationalität von Opfer und Triebverzicht differenzierte sich genau nach dem gesellschaft- lichen Status. Mit abnehmendem Besitz und geringerem Ausblick auf Glück nahm sie ab und der Zwang, das Opfer darzubringen, zu. Den Armen gegenüber war es [wie heute] stets vernünftig, der Vernunft durch irdische und himmlische Strafjustiz nachzuhelfen. Bei den anständigen Leuten wird die Vernunft triumphieren, gesteht Voltaire, »la canaille n’est pas faite pour elle«; »wir haben doch niemals beabsichtigt, Schuster und Dienstmädchen aufzuklären, das fällt den Aposteln zu.«“
„Auch Kant gestattet Soldaten, die gehorchen müssen, das »Räsonnieren«, eine Möglichkeit der Aufklärung, nur in schriftlicher Form, »mithin in der Qualität eines Gelehrten«“.
„Elend und qualifizierte Todesstrafen allein reichten nicht aus, die Arbeiter zum Fortschritt ins Industriezeitalter anzutreiben. Mittels der erneuerten Religion wurde der Schrecken durch die Sorge um Weib und Kind ergänzt, in welcher die moralische Selbständigkeit des verinnerlichten Subjektes eigentlich besteht. Am Ende behalten die Menschen als rationale Form der Selbsterhaltung die freiwillige Fügsamkeit übrig, die so indifferent gegen den politischen wie gegen den religiösen Inhalt ist.“
„Für den Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen, der Verzicht auf brutale Machtbetätigung in der Regel sehr unvorteilhaft, und der Staat zeigt sich nur selten dazu fähig, den Einzelnen für das Opfer zu entschädigen, das er von ihm gefordert hat. Man darf sich auch nicht darüber verwundern, daß die Lockerung aller sittlichen Beziehungen zwischen den Großindividuen der Menschheit [Völker, Staaten, Nationen …] eine Rückwirkung auf die Sittlichkeit der Einzelnen geäußert hat, denn unser Gewissen ist nicht der unbeugsame Richter, für den die Ethiker es ausgeben, es ist in seinem Ursprung »soziale Angst« und nichts anderes.“
„Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar.“
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„Demokratie hat [in Deutschland] sich nicht derart eingebürgert, daß sie die Menschen wirklich als ihre eigene Sache erfahren, sich selbst als Subjekte der politischen Prozesse wissen. Die Demokrarie wird als ein System unter anderen empfunden, so wie man auf einer Musterkarte die Wahl hätte zwischen Kommunismus, Demokratie, Faschismus, Monarchie; nicht aber als identisch mit dem Volk selber“
„Der Deutsche fügt sich, unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten, der Regierung, unter der er ist, und ist am meisten von Neuerungssucht und Widersetzlichkeit gegen die eingeführte Ordnung entfernt. Sein Charakter ist mit Verstand verbundenes Phlegma.“ Kant. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798)
„Die Entnazifizierung Deutschlands ist ein Mythos. Sie hat nie stattgefunden.“
Es sei „nicht möglich, eine Million Menschen hinzurichten, ohne die Methoden der Nazis nachzuahmen. Es sind aber rund eine Million, die ausgemerzt werden müßten.“ Thomas Mann. Tagebuch (5. Mai 1945)
„Viele einfache Parteimitglieder (ca. 8 Millionen) und Funktionäre verblieben in den Strukturen.“
„Man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat.”
„Das 131er Gesetz hat 1951 fast allen ehemaligen Nazis das Recht auf Wieder- einstellung in den Öffentlichen Dienst, in Hochschulen, Schulen, Polizei, Geheimdiensten garantiert.“
„Das deutsche Rentensystem läßt bekanntlich keinen im Stich. Ob jemand als Politiker, Beamter oder Soldat gegen die Grundsätze der Menschlichkeit oder Rechtstaatlichkeit verstoßen hat, spielt nach unseren Rentengesetzen keine oder nur eine kleine Rolle.“
„Wenn Adolf Hitler heute noch lebte, könnte er zusätzlich zu seiner normalen Rente eine sogenannte »Opferrente« bekommen. Ja, Sie haben richtig gehört, er gälte nach heutiger Gesetzgebung als Opfer, weil er bei einem Attentatsversuch verletzt wurde, und dafür bekäme er Geld, unter Umständen mehrere tausend Mark monatlich“
“… und er, der Angeklagte, antwortete auf die Frage, warum er verbrecherische Befehle nicht verweigert habe: Dies sei »eine dem deutschen Volkscharakter artfremde Reaktion«.“
“Die Mörder des Dritten Reichs: Gedeckt und protegiert wurden sie – unter anderem – von der deutschen Justiz, welche die Strafen, die von den alliierten Gerichten zuvor verhängt worden waren, herabsetzte, die Anklagen verschleppte und die Mörder freisprach. Lebensläufe wurden schamlos geschönt und gefälscht und die braunen Flecken in der Firmengeschichte getilgt. Die braunen Seilschaften garantierten Karrieren in Wirtschaft, Justiz, [Medizin] und Politik.”
“Politik – ein faules Ei; wenn man es öffnet, stinkt es.” Russisches Sprichwort
„Erst 1985 erfuhren die Deutschen, durch eine Rede ihres Bundespräsidenten, daß sie am 8. Mai 1945 vom Nationalsozialismus »befreit« worden waren. Seitdem sollen alle daran glauben. Wer nicht mitglaubt, könnte für einen Demokratie- verderber gelten.“
„Adolf, komm bald wieder!“ Graffito am Berghof
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„Den psychischen Einstellungen, die uns der Kulturprozeß aufnötigt, widerspricht der Krieg in der grellsten Weise. Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.“
„Nach meinen Lebenserfahrungen ist es gerade die sogenannte »Intelligenz« welche den verhängnisvollen Massensuggestionen am leichtesten erliegt, weil sie nicht unmittelbar aus dem Erleben zu schöpfen pflegt, sondern auf dem Wege über das bedruckte Papier am bequemsten und vollständigsten zu erfassen ist.“
„Ich sagte, sie, die Intellektuellen, sollten ihre Widersprüche überwinden, indem sie versuchen, andere Mittel des Engagements als die Unterzeichnung von Petitionen und das Schreiben von Artikeln für andere Intellektuelle zu finden. Betriebsarbeit war nur eines dieser Mittel. Und denjenigen Intellektuellen, die in die Betriebe gingen, ist es nicht schlecht bekommen.“
„Die sozial freischwebende Intelligenz ist ungebunden, kritisch und sensibel. Sie ist in der Lage, pluralistische Anschauungen zu vertreten und positiv auf soziale Gegebenheiten einzuwirken.“
“Politik muß in jedem Land von den Intellektuellen gestützt werden, denn sie achten mit größerer Wahrscheinlichkeit darauf, daß der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen steht. Wenn nämlich etwas anderes in den Mittelpunkt rückt, wird Politik unmoralisch.“
„Intellektuelle haben mehr als eine Zunge: Leicht reden sie sich heraus und leichter noch in etwas hinein.“
„Intellektuelle können sich zu jeder Sache etwas einfallen lassen. […] Das Schlimme war, daß sie dann wirklich daran glaubten! […] Zu Hitler fiel ihnen was ein; und zum Teil ungeheuer interessante Dinge! Ganz phantastische und interessante und komplizierte! Und hoch über dem gewöhnlichen Niveau schwebende Dinge! Das habe ich als grotesk empfunden. Sie gingen ihren eigenen Einfällen in die Falle, würde ich heute sagen.“
„Sobald eine existenziell relevante Frage auf die politische Agenda gelangt, prallen die Bürger, gläubige wie ungläubige, mit ihren weltanschaulich imprägnierten Überzeugungen aufeinander und erfahren, während sie sich an schrillen Dissonanzen des öffentlichen Meinungsstreites abarbeiten, das anstößige Faktum des weltanschaulichen Pluralismus.“
„Pluralismus in Deutschland. – Alle sind gehalten, sich zu mäßigen. Wer für einen Demokraten gelten will, sollte nicht »Kapitalismus« sagen, sondern von »freier« oder »sozialer Marktwirtschaft« reden. Auf keinen Fall sollte er den Kapitalismus mit Wörtern wie »mörderisch« oder »menschenfeindlich« qualifizieren, obwohl die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse nicht sein Ziel, sondern nur ein Mitttel zur Erreichung seines Zwecks ist: einer möglichst hohen Gewinnspanne. Wie viele Jahrhunderte wird es noch dauern, bis alle, insbesondere die seit Generationen vom Gewinn Ausgeschlossenen, das verstanden haben?“
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‘Der Typ des westlichen Intellektuellen, den ich hier im Auge habe, züchtet im Interesse seiner persönlichen Sicherheit und seiner moralischen Reinheit ein politisches Analphabetentum, das darin besteht, in keinem Augenblick das System zu verstehen, das ihn zu seinem Handlanger und Komplizen gemacht hat. Zu seiner Ignoranz zählt auch, daß er von den Realitäten der Dritten oder Vierten Welt nicht die geringste Ahnung hat, obwohl 76% aller menschen in einem der 152 Entwicklungsländern leben.“ David Cooper. Wer ist Dissident? (1978)
„Vor 500 Jahren ernährte dieses Land [die Region Cuzco] das Inka-Reich. Um gute Erträge zu gewährleisten, teilten die Herrscher das Land gerecht auf und führten regelmäßig Volkszählungen durch, um die Zusammensetzung der Haushalte, den Besitz von Haustieren und die Größe der Grundstücke zu erfassen. Heute ist die peruanische Landwirtschaft von Ungleichheiten zwischen kleinen und großen Landbesitzern geprägt. Zwei Drittel des Ackerlandes setzen sich zu 0,1 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe mit einer Fläche von mehr als 1.000 Hektar zusammen. Um zu überleben, haben sich tausende Andenbauern dem illegalen Anbau von Koka zugewandt.“
„Fast zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Brasiliens befinden sich im Besitz von weniger als 3 Prozent der Bevölkerung; die Hälfte dieser Flächen wird überhaupt nicht bewirtschaftet. Gleichzeitig ernähren sich mehr als 25 Millionen landlose Bauern durch Wanderarbeit in der Landwirtschaft. Seit 1985 hat die direkte Besetzung von Land den Staat gezwungen, mehr als 250.000 Familien Land zu übertragen. Allerdings kann nur eine kulturelle Reform die Situation verbessern – doch keine Regierung hat es bisher gewagt, sich dafür einzusetzen, aus Angst, den Interessen der reichen Landbesitzer und der in Brasilien tätigen multinationalen Konzerne zuwiderzulaufen.“
‘Über 600.000 Kinder und Jugendliche in Ecuador müssen mitarbeiten, um ihre Familien zu unterstützen: Fast 40 Prozent der Menschen in dem lateinamerikanischen Land leben in Armut. Sie haben umgerechnet weniger als zwei US-Dollar am Tag zum Leben. Besonders sichtbar sind Armut und Ausbeutung auf den Müllkippen der Städte: Ganze Familien leben hier vom Durchsuchen des stinkenden Abfalls nach Verwertbarem. Die Kinder gehen oft nicht zur Schule, viele sind krank. Aber auch Kinder, die sich auf der Straße durchschlagen oder auf Baustellen und Bananenplantagen arbeiten, sind extrem gefährdet.’
„Obwohl die wirtschaftliche Liberalisierung zwischen 1985 und 1999 zu einer Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf führte, verschärfte sie die Ungleichheit in der Vermögensverteilung in Mexiko. In ländlichen Gebieten, wo die Landwirtschaft nicht mit Importen konkurrieren kann, liegen die Durchschnittseinkommen bei nur einem Viertel des nationalen Durchschnitts.“
“Seit 1825 ist Guatemala unabhängig vom spanischen Reich, hat aber bis heute kein Grundbuch. Wenn ein Latifundienbesitzer seine Besitzungen vergrößern möchte, schickt er seine Pistoleros in das benachbarte Mayadorf; die erschießen ein paar Bauern, ein paar Frauen oder Jugendliche. Die restlichen Familien fliehen von Panik ergriffen ins Gebirge. Ohne Grundbuch fehlen die technischen Voraussetzungen für eine Agrarreform oder eine wie auch immer geartete Umverteilung des Grundbesitzes.”
„Die Aufzeichnung von Rechten an Grundstücken hat eine lange Tradition. So sind aus dem Hellenismus öffentliche Protokolle über die Begründung dinglicher Rechte an Immobilien überliefert. – Das 1086 geschaffene Domesday Book beansprucht, wie sein Name sagt, Gültigkeit bis zum Jüngsten Tag. William ließ in ihm allen Grundbesitz seines Königreichs zusammenstellen.– Vorläufer des deutschen Grundbuchs waren die Kölner Schreinsbücher. Das erste führte die Altstadtgemeinde St. Laurenz um 1130 ein.“
„Ja, Indien hat Grundbücher bzw. Register für Landbesitz, aber sie funktionieren anders als das deutsche Grundbuch; es gibt kein einheitliches, zentrales Grundbuch mit »öffentlichem Glauben«, der einem erlaubt, die Eintragungen für korrekt zu halten. Einträge gelten eher als Beweis für die Transaktion als für die Rechtmäßigkeit des Eigentums – daher ist eine gründliche Prüfung (Due Diligence) durch Anwälte üblich.“
„Dalits sind menschen, deren Namen wohl in keinem indischen Grundbuch vorkommen. Ein System rücksichtsloser Segregation schreibt 300 Millionen menschen vor, welche niederen Arbeiten sie zu verrichten haben. […] In der linken Hand hält N.N. einen Metalleimer, in dem halbflüssiger Kot schwappt. Seit 15 Jahren eilt er von Haus zu Haus, von Latrine zu Latrine, acht Stunden täglich. Schweiß läuft ihm in die Augen, die Kleidung klebt an seinem Körper. Vor einer Mauer kniet er nieder, öffnet eine kleine Luke, fährt mit der Schaufel hinein, löffelt die zähe, braune Masse in seinen Eimer und schippt Asche und Staub hinterher, damit sich der Kot bindet. Es ist sein Dharma, seine Pflicht, sagt er. 2 000 indische Rupien verdient er im Monat, umgerechnet 28 Euro.“
„Work and despair not.“
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„Was ist das, was in uns hurt, lügt, mordet, stiehlt?“ Georg Büchner
„… und die Gewalt, nicht etwa die Gerechtigkeit, bestimmt heute wie ehedem den Lauf der Welt; denn nicht die Natur der Menschen wandelt sich, es wechseln nur die äußeren Umstände.“ Carl von Clausewitz
„Nous laisserons ce monde-ci aussi sot et aussi méchant que nous l’avons trouvé en y arrivant“ Voltaire
„Wer wird infrage stellen wollen, dass die großen Hoffnungen der Jahre direkt nach den demokratischen Revolutionen im Osten Europas ebenso schnell wieder zerstoben sind, wie sie aufgekommen waren: Der weiter zunehmende Graben zwischen Arm und Reich, die neoliberale Entfesselung der Finanzmärkte, die neuentbrannten Kriege in diversen Regionen der Welt, die globale Ausbreitung diktatorischer Regime und das drohende Herannahen einer ökologischen Katastrophe, all das sind Zeichen, die statt in die Richtung eines weiteren moralischen Fortschritts in Richtung der Wiederkehr eines gesellschaftlichen Naturzustands, eines Krieges aller gegen alle weisen.“ Axel Honneth
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„Wenn wir im Leben vom Tode umgeben sind, so auch in der Gesundheit des Verstands vom Wahnsinn.“
„Words, words, words.“ Shakespeare. Hamlet II, 2
„Nichts fördert den Wahnsinn so sehr wie Lesen, Schreiben und Sprechen.“
„Denn die Worte tun dem Verstande Gewalt an, stören Alles und verleiten die Menschen zu leeren und zahllosen Streitigkeiten und Erdichtungen”
„Verderblich ist der Umgang mit vielen: Jeder drängt uns irgendeinen Fehler durch Worte auf oder vertraut ihn uns an oder hängt ihn uns an, die wir nicht Bescheid wissen. Je größer jedenfalls das Volk ist, dem wir uns beimischen, desto größer ist die Gefahr.“ Seneca an Lucilius, 7. Brief
„Nichts aber ist so verderblich für die guten Sitten, als in irgendeinem Schauspiel müßig dazusitzen. Dadurch nämlich schleichen sich durch die Begierde ziemlich leicht Fehler ein. Was glaubst du sage ich Dir? Ich kehre begieriger, ehrgeiziger, verschwendungssüchtiger, ja sogar grausamer und unmenschlicher zurück, weil ich unter Menschen gewesen bin.“ Seneca an Lucilius, 7. Brief
“Der Satz »Aus jedem Besuch des Kinos komme ich bei aller Wachsamkeit dümmer und schlechter wieder heraus« kritisiert die Massenkultur, besonders das Kino, als Teil der Kulturindustrie, die kritisches Denken untergräbt, die Menschen zu passiven Konsumenten macht und eine befreiende Wirkung verhindert, indem sie vermeintlich Unterhaltung bietet, aber in Wirklichkeit die Ideologie der herrschenden Verhältnisse verfestigt und die Individuen »schlechter« – also intellektuell ärmer und sozial angepasster – zurücklässt.”
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„Manchmal quälte er sich stundenlang, zu versuchen, ob es möglich sei, ohne Worte zu denken.“
„Worte und geschriebene oder gesprochene Sprache scheinen im Mechanismus meines Denkens nicht die geringste Rolle zu spielen. […] Die Elemente des Denkens sind in meinem Fall visueller und manchmal muskulärer Art, mehr oder weniger »klare« Zeichen oder Bilder, die »nach Belieben« reproduziert oder kombiniert werden können.“ A. Einstein
“Das nicht-sprachliche System lässt sich als ein noch funktionierendes Überbleibsel eines Systems interpretieren, das wir mit den Hominiden und vielen Tieren gemeinsam haben. Diese Hypothese, bestärkt durch viele eindrucksvolle Beispiele intelligenten Verhaltens bei Tieren, wird in einigen Aspekten bereits von der neurologischen Forschung bestätigt.” Dieter Lohmar
“Das Denken – der Nobelpreisträger Z. zeigte auf seinen Kopf – findet da oben statt, und zwar unentwegt, auch nachts, aber ohne Sprache.”
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„Ein jeder Mensch sieht die fertige und geregelte, gebildete, vollkommene Welt doch nur als ein Element an, woraus er sich eine besondere, ihm angemessene Welt zu erschaffen bemüht ist […] Wer sich von dieser Grundwahrheit recht durchdrungen fühlte, würde mit niemanden streiten, sondern nur die Vorstellungsart eines andern wie seine eigene als ein Phänomen betrachten. Denn wir erfahren fast täglich, daß der eine mit Bequemlichkeit denken mag, was dem andern zu denken unmöglich ist, und zwar nicht etwa in Dingen, die auf Wohl und Wehe nur irgend einen Einfluß hätten, sondern in Dingen, die für uns völlig gleichgültig sind.“
„Logomachie. Krieg, in dem Wörter die Waffen sind, und die Wunden Löcher in der Schwimmblase der Selbsteinschätzung – eine Form des Wettstreits, in dem der Sieger um den Lohn des Erfolgs gebracht wird, da der Besiegte sich seiner Niederlage nicht bewußt ist.“
„Was ich recht weiß, weiß ich nur mir selbst, ein ausgesprochenes Wort fördert selten, es erregt meistens Widerspruch, Stocken und Stillstehen.“
„Jedes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn.“
„It is only the intellectually lost who ever argue.“
„Die Sprache gab uns die Möglichkeit, etwas zu sagen, was wir weder wissen noch verstehen und, ehrlich gesagt, weder wollen noch meinen.“
„La plupart ignorent ce qui n’a pas de nom, et la plupart croient à l’existence de tout ce qui a un nom.“ Paul Valéry
„Eigenwelten ohne Zahl. Jeder baut sich eine und richtet sich in ihr ein. Wenn alle Baumeister die gleiche Sprache sprechen, neigen sie, verführt durch die Identität der Wörter, zu der Annahme, daß alle menschen in der gleichen Welt leben, und zwar nicht alle in ihrer je eigenen, sondern alle in der Welt dessen, der die Annahme einer einzigen, allen gemeinsamen Welt bejaht. Wer glaubt, gegen die Verwechslung der Eigenwelt mit der Welt an sich gefeit zu sein?“
„Wie wenige menschen haben je versucht, ihre eigene Welt als eine endlos bedingte zu verstehen? Die meisten glauben, ihre individuelle sei die einzige und wirkliche.“
„Mit der Sprache kam der Wahnsinn in die Welt. Sprachliche Abstraktionen wurden zu Geburtsstätten alles sinnlich Wahrnehmbaren erhoben. Erst das Wort, dann das Ding. Erst das Zeichen, das eine Gattung oder eine Art bezeichnet, dann das mit ihm bezeichnete Ding, dessen klar umrissene Individualität vom Zeichen verwischt wird. Der Gattung wurde unbegrenzte Dauer zugesprochen, das Individuum galt dagegen für zufällig und nicht notwendig. Dieser Irrsinn bestimmte Hunderte von Jahren das Denken in der europäischen Religion und Philosophie.“
„Wir sind nicht die höheren Wesen, sondern die sprachlich verdrehten Wesen. Alles Anschaubare, Individuelle, auch wir selbst, innerlich und äußerlich, wird durch die Sprache, die mit generativen Wörtern operiert, in Unwesentliches verwandelt. Nicht einmal Sandkörner sind das Resultat ihrer Behandlung des Individuellen, nein, du und ich, alle, die wir kennen, und alles, was es überhaupt gibt, alles nur Schluff.“
„Ein Individuum, egal welcher Art – das ist bestenfalls ein herausragendes Beispiel, ein Exempel, ein typischer Fall, aber in der Regel une quantité négligeable: une valeur si petite et insignifiante qu’on peut l’ignorer, car son omission n’a pas d’impact notable sur le résultat global.“
„Der Irrsinn ist bei einzelnen etwas Seltenes, – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“
„Der ursprüngliche Zauber – daß Lautfolgen die Vorstellung von Dingen bewirken – kehrt in jedem menschen, der sprechen lernt, wieder. Auch später: Alles Gesprochene und alles Geschriebene – es mag noch so widersinnig, verkehrt, verlogen und unbeholfen sein – ergreift sofort die Macht, weil es Vorstellungen bewirkt. Korrektur und Kopfschütteln folgen: ein wenig später, sehr viel später – oder nie.“
„Niemand kann sagen, daß ein unecht Wort / Du sprachst; dein eigenst Wesen wurde Wort.“
„Nicht wenige Männer haben kein anderes Innenleben als das ihrer Worte, und ihre Gefühle beschränken sich auf eine rein verbale Existenz.“
„Es scheint, daß ich nur dann bin, wenn ich es mir auch sage.“
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“Das Traurige ist – in Sachen Moral und Gewissen fängt jede Generation von vorn an. In der Forschung und der Wissenschaft entwickelt sich der Mensch rasant. Aber Charakter und Moral – da sind wir nicht weiter, als wir unter den alten Römern waren.“
„tu regere imperio populos, Romane, memento / parcere subiectis et debellare superbos.“ Vergil. Aeneis, VI 851; 853
“Ägypter und Assyrer haben ihre Regentenchronik, worin das eigene Volk nur beiläufig und als Sache, das ganze Ausland aber nur als Beute und Objekt von Rache und Gier figuriert”
„Ist das heute anders? Sind die Entwicklungsländer, ehemalige Kolonien, verschuldete und hochverschuldete, die unter den Auflagen von IWF und Weltbank strampeln und stagnieren, nicht immer noch Objekt einer Gier, vor allem nach Rohstoffen?“
„Rache und immer wieder Rache? Jeder Krieg muß einen Besiegten aufweisen und wenn dieser nur in einem nächsten Krieg Genugtuung finden kann, einem nächsten, der natürlich wieder einen Genugtuung heischenden Besiegten schaffen wird – wann nimmt das ein Ende?“
„Wie kann Gerechtigkeit erlangt, wann altes Übel gesühnt werden, wenn als Sühnemittel immer wieder neues Unrecht angewendet wird? Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegputzen zu wollen – nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden!“ Bertha von Suttner
„Um es deutlich zu sagen: Ein Heldentod im Abwehrkampf gegen eine brutale Übermacht ist moralisch zulässig. Das ist aber keine gute moralische Option – vor allem dann nicht, wenn auf diese Weise das Töten und Sterben immer weitergeht.“
‘»Die 100 tödlichsten Gewaltakte« der Geschichte führt Matthew White von den Perserkriegen bis zum Genozid an den Tutsi in Rwanda auf und zieht seine Schlüsse: Kriege werden weniger wegen Gütern als wegen Ideologien geführt.’
“Kriege können [heute] geführt werden um Rohstoffressourcen, aus religiösen Fanatismus, aus Sorge um die eigene Sicherheit und aus Machtgier. Aus meiner Sicht ist die Frage der Sicherheit die entscheidende. Das sehen wir an den Kriegen in der Ukraine und in Gaza. Die Grenze ist der kritische Faktor. Sie ist der Ort der Unsicherheit. In der Vergangenheit wie auch heute hat man sich immer den Worst Case vorgestellt, die schlimmstmögliche Situation. Es geht stets darum, die eigene Sicherheit zu gewährleisten.”
‘Weshalb töten auch die mit dem menschen eng verwandten Schimpansen undBonobos Artgenossen? Indem sie die Ergebnisse ihrer Forschungen während der letzten 50 Jahre – Daten von 18 Schimpansen- und 4 Bonobo-Gesellschaften – miteinander verglichen, ermittelten die Forscher verschiedener Universitäten, dass Tötungen bei Schimpansen (in 15 Gesellschaften) häufiger vorkommen als bei Bonobos (nur eine einzige Tötung ). »Wir fanden heraus, dass Männchen häufiger als Weibchen Artgenossen töten und auch häufiger getötet werden. Die meisten Opfer waren mit den Angreifern nicht verwandt und Angehörige einer zahlenmäßig unterlegenen Gruppe« (Roman Wittig). Indem sie Artgenossen töten, beseitigen die Tiere möglicherweise Rivalen beim Zugewinn von Territorium, von Nahrung und von Paarungspartnern.’
„Es scheint, daß die Forscher nur eine Brille benutzten, eine rationalistische: Der Gedanke, daß Töten Lust bereitet und der Verzehr eines Artgenossen eine vielleicht noch größere, scheint ihnen nicht gekommen zu sein.“
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„Die blutigste Religion sei die christliche. Nur gegen eine Glaubensgruppe hätten Christen öfter Krieg geführt als gegen Muslime und Juden: gegen andere Christen.“
„Unsere Schuld ist es nicht, wenn wir in der Blutarbeit des Krieges auch die des Henkers verrichten müssen. Dem Soldaten ist das kalte Eisen in die Hand gegeben. Er soll es führen ohne Scheu; er soll dem Feind das Bajonett zwischen die Rippen rennen; er soll sein Gewehr auf ihre Schädel schmettern; das ist seine heilige Pflicht, das ist sein Gottesdienst.“
‘Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht herab. Chinesisches Wort. Auf Handeln angewendet: es führt zu Geschichte. Handeln ist Kapitalismus, Rüstungsindustrie. Malplaquet – Borodino – Port Arthur –: 150.000 Tote, 200.000 Tote, 250.000 Tote – niemand kann die Geschichte mehr anders sehen denn als die Begründung von Massenmorden: Raub und Verklärung – : der Mechanismus der Macht […] 20 Jahre nachher, man erinnert sich an die Moden der Kriegswitwen, aber an den Sinn der Schlachten längst nicht mehr.’
„In Kriegen ist die Armee der sicherste Ort.“
„Der Zweite Weltkrieg markierte einen Wendepunkt, an dem die Zahl der zivilen Opfer die der militärischen Opfer überstieg. Im Vietnam-Krieg kamen auf jeden gefallenen US-Soldaten etwa 22 bis 34 vietnamesische Zivilisten.“
“Der Krieg ist der natürliche Zustand, die […] Befreiung von dem bleiernen Mantel der Zivilisation.” Napoleon
‘In der Zeit von ca. 3.600 v.u.Z. bis 1960 seien 14.531 Kriege geführt und 3.640.000.000 Menschen getötet worden Die Zahl der Jahre, in denen kein Krieg geführt [aber weiterhin getötet und gemordet] wurde, betrage 292.’
„Wir Menschen sind derart entsetzliche Irrläufer der Evolution, uns verbindet alle ein geheimes Einverständnis: Wir gehören weg! Nur so ist das immerwährende Hauen, Stechen, Töten, Kriegen zu erklären.”
„Macht ein Ende, es ist Zeit.“
