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In einem Land vor unserer Zeit – campusblog

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Evolution und Erdzeitalter sind im Unterricht nur schwer zu vermitteln. Studierende haben sich in einem Blockseminar mit der Frage auseinandergesetzt, wie Exkursionen in Museen dabei helfen.

Stellt euch die Erdgeschichte wie einen 20 Meter langen Faden vor. Der Anfang beschreibt die Zeit vor 4,6 Milliarden Jahren, während der letzte Millimeter den Anfang von uns Menschen beschreibt. Quasi ein Wimpernschlag in der Geschichte.

Genau diese Mischung aus Staunen, Wissenschaft und Didaktik durften wir im Seminar „Evolution und Biodiversität“ erleben. Im Rahmen unseres Lehramtsstudiums an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hatten wir das Ziel, den Umgang mit außerschulischen Lernorten zu stärken. Dabei ging es nicht nur um fachliche Inhalte, sondern auch darum, Materialien zu entwickeln, mit denen Schüler:innen mithilfe echter Fossilien möglichst nachhaltig lernen können.

Hierfür besuchten wir drei außerschulische Lernorte: die Grube Messel, das Hessische Landesmuseum in Darmstadt sowie das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt.

Vorexkursion, Vorexkursion, Vorexkursion

Am Donnerstag begann unser Blockseminar mit einer theoretischen Einführung. Dabei ging es um die Evolution, die Erdgeschichte und um die (vergleichsweise kurze) Menschheitsgeschichte. Außerdem wurde thematisiert, wie man einen Außerschulischen Lernort auswählt und wie man sich auf diesen vorbereitet. Was wir uns alle gut gemerkt haben: Vorexkursion, Vorexkursion, Vorexkursion!

Damit außerschulische Lernorte und Exkursionen ihr volles Potenzial ausschöpfen, müssen die Besuche gut vorbereitet werden. Die Vielzahl an Ausstellungsstücken kann Lernende sonst schnell überfordern. Eine passende Aufgabenstellung, klar formulierte Lernziele, sinnvolle Einbettung in den Unterricht und didaktische Materialien sind der Schlüssel zum Erfolg!

Mango, Kaffee und Zimt bei Darmstadt?

Schon beim Betreten des Geländes der Grube Messel bei Darmstadt war das Gefühl überwältigend. Die Grube entstand durch einen Maarvulkan, also einen explosiven Vulkanausbruch, der einen tiefen Krater hinterließ. Heute ist dieser Ort eine der bedeutendsten Fossilienfundstellen der Welt und UNESCO Welterbe.

Wir konnten hier auch einzigartige Funde bestaunen: paarende Schildkröten, riesige Ameisen mit etwa 16 cm Flügelspannweite, Urpferde sowie Käfer mit noch erhaltener Farbstruktur. Besonders beeindruckend war die Erkenntnis, dass manche dieser Fossilien weltweit einmalig sind. Überraschend war außerdem, dass in Deutschland vor etwa 47 bis 48 Millionen Jahren ein subtropisches Klima herrschte, mit Pflanzen wie Mango, Kaffee oder Zimt.

Zu sehen sind Fossilien in der Grube Messel.
Funde in der Grube Messel. Foto: privat

Es war faszinierend zu sehen, wie gut Tiere und Pflanzen über Millionen von Jahren erhalten bleiben können. Dies gelingt durch den einzigartigen Ölschiefer, der die Fossilien in der Grube Messel sehr gut erhält. Besonders spannend war die Vorstellung, dass man in Fossilien ganze Nahrungsketten erkennen kann – etwa ein Fossil, in dem man sieht, dass eine Schlange eine Echse gefressen hat, und diese zuvor einen Käfer. So wird Erdgeschichte plötzlich lebendig und greifbar.

Zu sehen ist Koprolith.
Versteinerter Kot in der Grube Messel: Koprolith. Foto: Privat.

Ab ins Museum

Im Anschluss an die Grube Messel besuchten wir das Landesmuseum Darmstadt, in dem unter anderem viele Fossilien aus der Grube Messel ausgestellt sind. Im Mittelpunkt stand für uns vor allem die naturkundliche Sammlung. Durch Gruppenreferate vertieften wir verschiedene Themenbereiche und entwickelten praxisnahe Unterrichtsbeispiele, die wir anschließend erprobten und reflektierten. So beschäftigten wir uns mit der Vielfalt der Säugetiere, der Entwicklung des Menschen und der Evolution der Rüsseltiere.

Am dritten Blockseminartag gingen wir ins Senckenberg Naturmuseum nach Frankfurt. Besonders dieses Museum zeigte eindrucksvoll, wie gut sich Schüler:innen für naturwissenschaftliche Themen begeistern lassen. Aufgrund der Größe des Hauses ist es jedoch sinnvoll, mit klaren Aufgabenstellungen zu arbeiten und gleichzeitig Raum für selbstständiges Entdeckungslernen zu lassen. Positiv fiel uns außerdem auf, dass viele Exponate berührt werden dürfen und einige Informationstafeln barrierefrei gestaltet sind, beispielsweise in Einfacher Sprache oder Brailleschrift.

Aha-Momente

Uns wurde deutlich, wie wertvoll außerschulische Lernorte für den Biologieunterricht sind. Originalobjekte lösen Emotionen und Neugier aus, die durch Bilder oder Modelle kaum erreichbar sind. Gleichzeitig ermöglichen sie kompetenzorientiertes Lernen: Beobachten, Vergleichen, Hypothesen bilden und wissenschaftlich argumentieren. Gerade Themen wie Evolution, die oft abstrakt erscheinen, werden so greifbar.

Unser persönlicher Aha-Moment war die Erkenntnis, wie stark authentische Objekte Motivation beeinflussen. Ein Fossil in der Hand zu halten, verändert die Perspektive komplett – plötzlich wird Zeitgeschichte real. Außerdem haben wir gelernt, dass gute Vorbereitung entscheidend ist! Ohne passende Aufgabenstellungen bleibt ein Museumsbesuch schnell oberflächlich. Didaktische Materialien sind daher der Schlüssel zum Lernerfolg.

Autor:in: Ute Heine und Kurs

Quelle

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