27. März – Noch immer keine Sicherungsmaßnahmen an der Unfallhäufungsstelle Abfahrt Schurmanstraße
/ via radentscheid /
Der Knotenpunkt Schurmanstraße/Theodor-Heuss-Brücke/Sofienstraße ist der Stadt Heidelberg als Unfallhäufungsstelle seit längerer Zeit bekannt. Am 04. Februar 2025 ereignete sich genau an diesem Knotenpunkt ein schwerer Unfall. Eine Radfahrende wurde durch den Fahrer eines LKW beim Abbiegen in die Schurmannstraße lebensgefährlich verletzt.
Hier der Link zum RNZ-Artikel (€): Heidelberg: Radlerin nach Unfall mit Lkw außer Lebensgefahr (plus Video) – Polizeiberichte aus Rhein-Neckar-Odenwald – Rhein-Neckar-Zeitung
Folgende Faktoren gefährden Zufußgehende und Radfahrende an diesem Knotenpunkt:
- Tempo 50 des Kfz-Verkehrs (Zwei-Spurigkeit je Richtung erhöht die gefahrene Geschwindigkeit)
- große Abbiegeradien, die ein schnelles Fahren des Kfz-Verkehrs begünstigen
- Kreuzen der Fuß- und Radwege im flachen Winkel, sodass Zufußgehende und Radfahrende im toten Winkel des Kfz-/Lkw-Verkehrs verschwinden
- geradlinige Verkehrsführung von den Neckarstaden in die Schurmanstraße vermittelt den Eindruck, dass der Kfz-Verkehr Vorrang habe (siehe Abbildung 03)
- unübersichtliche und damit komplexe Situation, da Kfz aus drei Richtungen in die Schurmannstraße einfahren können (Sofienstraße, Neckarstaden, Theodor-Heuss-Brücke)
- unübersichtliche Vorrangregelung für Kfz-Verkehr aus der Sofienstraße bei Zweispurigkeit aus Richtung Norden von der Theodor-Heuss-Brücke
- hohe Geschwindigkeiten von Kfz-Verkehr aus Richtung Schurmannstraße beim Einbiegen in die Bismarckstraße
- unübersichtlicher Kreuzungsbereich durch fehlende Aufstellflächen für den Fuß- und Radverkehr und kreuzende Verkehrsströme vor der Ampel (siehe Abbildung 02)
- Ablenkung der Aufmerksamkeit durch Werbeinstallation im Kreuzungsbereich (siehe Abbildung 02)


An dieser Abbiegesituation, wie auch im weiteren Verlauf an der Bergheimer Straße, ist es unter Kfz-Fahrenden weit verbreitet, noch schnell vor den herannahenden Radfahrenden abzubiegen, in der Erwartung, Radfahrende würden anhalten, obwohl Ihnen vorsätzlich die Vorfahrt genommen wird.
Durch folgende Maßnahmen kann der Knotenpunkt sicherer gestaltet werden:
- Einführung von Tempo 30
- Reduzierung der Autospuren auf eine Fahrspur
- Vergrößerung des Abbiegewinkels für den abbiegenden Kfz-Verkehr (eher senkrecht zum Fuß- und Radweg statt schräg), für eine Reduzierung der Abbiegegeschwindigkeit und bessere Sichtbeziehung für Kfz-Fahrende. Zufußgehende und Radfahrende werden so stärker ins Sichtfeld von Autofahrenden gerückt.
- Erhöhung des Niveaus der Fuß- und Radwege, um den abbiegenden Kfz-Verkehr durch das Überfahren einer Schwelle abzubremsen
- Berücksichtigung ausreichender Aufstellflächen für wartenden Fuß- und Radverkehr
- Entfernen der Werbeflächen aus dem Kreuzungsbereich
Das Ziel der Maßnahmen besteht darin, eine sichere und komfortable Verkehrsinfrastruktur für den Fuß- und Radverkehr einzurichten.
Darüber hinaus halten wir folgende Forderungen für zukunftsweisend:
- kein abbiegender Kfz-Verkehr in die Schurmanstraße und auf die Bismarckstraße
- Reduzierung des Kfz-Verkehrs auf eine Achse entlang des Bismarckplatzes
- innerstädtischer Lieferverkehr ohne Schwerlastfahrzeuge
Die umfassende Planung und tatsächliche Umgestaltung des Knotenpunkts bedarf mit Sicherheit einiger Zeit. Daher fordern wir, dass bereits jetzt erste Maßnahmen zur Entschärfung der Sicherheitsrisiken vorgenommen werden. Das ist umso dringlicher, da sich dieser Knotenpunkt auf einem Schulweg befindet. Tempo 30 lässt sich ohne Planungsaufwand einrichten. Eine Fortführung der Einspurigkeit aus der Brückenstraße in die Bismarckstraße ist ebenfalls eine einfache Lösung. Sollten diesen Maßnahmen auf Seiten der Verwaltung nicht gewünscht sein, so ist auch eine Sperrung der Ausfahrt in die Schurmannstraße denkbar, bis die seit Langem bekannte Unfallhäufungsstelle sicher überplant und realisiert wird. Markierungen auf der Straße und das Aufstellen von Pollern zur Anpassung des Abbiegeradius können ohne umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Zugrunde liegt hier das Modell der „geschützten Kreuzung”, siehe Forderungen des Radentscheid.
Unzählige Beinaheunfälle ereignen sich täglich im Straßenverkehr, die in keiner Statistik auftreten. Wer sich zur Vision Zero bekennt, muss sichere Fuß- und Radwege vorausdenken, anstatt zu warten, bis Unfälle eintreten.