/ von Peter Pausch /
„Dans tout État policé,
la richesse est chose sacrée; dans les démocraties
elle est la seule chose sacrée.“
Anatole France
„Das Anthropozän könnte auch Plutozän heißen.“
„Wir befinden uns in der Ära der Milliardär*innen, dem Zeitalter der Superreichen. 2025 gab es erstmalig mehr als 3.000 Milliardär*innen weltweit, deren Vermögen im vergangenen Jahr dreimal schneller als in den Vorjahren wuchsen. Der reichste mensch verdient in 4 Sekunden so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt pro Jahr.“ Oxfam Januar 2026
„Erstmals seit 25 Jahren haben extremer Reichtum und extreme Armut gleichzeitig zugenommen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung fast doppelt so viel kassiert wie die restlichen 99 Prozent zusammen!“
„Weltweit wuchs das Milliardärsvermögen 2024 sogar dreimal schneller als noch 2023, wie unser neuer Ungleichheitsbericht zeigt. Gleichzeitig leben noch immer fast 3,6 Milliarden Menschen in Armut.“
„Die fünf reichsten Männer der Welt haben ihr Vermögen seit 2020 von 405 Milliarden US-Dollar auf etwa 869 Milliarden US-Dollar, mehr als verdoppelt. […] Im Vergleich dazu haben fast fünf Milliarden Menschen, die ärmeren 60 Prozent der Menschheit seit 2020 zusammen etwa 220 Milliarden verloren“
‚Fast die Hälfte der 50 Länder mit der größten Ungleichheit liegen in Afrika; vier der reichsten Männer dieses Kontinents besitzen gemeinsam 57,4 Mrd. USD (rund 49 Mrd. Euro). Das sei mehr als die Hälfte dessen, was die Hälfte der Gesamtbevölkerung (1,5 Milliarden) besitzt.‘
Wievielmal höher ist das Einkommen der reichsten 10 % einer Bevölkerung im Vergleich mit dem der ärmsten 10 % ? Höchste Faktoren: Venezuela 68,2; Südafrika 56,1; Honduras 49,1; Namibia 47,3; Belize 47,1 — USA 18,0; China 16,4; Rußland 10,6 — Schweiz 7,9; Österreich 7,6%; Deutschland 6,9 — niedrigste Faktoren: Island 6,0; Finnland 5,7; Tschechien 5,7; Slowenien 5,4; Ukraine 4,9
„Knapp ein Viertel (ca. 23-24%) der Haushalte in Deutschland verfügt über keinerlei Ersparnisse oder Rücklagen, die in einer Notsituation schnell verfügbar wären. Weitere Studien zeigen, dass etwa jeder fünfte Deutsche weniger als 500 € und fast die Hälfte weniger als 2.000 € Rücklagen besitzt.“
„Die Vorstellung einer klassenlosen Gesellschaft ist in Deutschland eher ideologischer Natur als historisch belegbare Realität.“ (KI 22.Feb.26)
„Für die kapitalistische Produktionsweise ist das Privateigentum konstitutiv, und Eigentums- verhältnisse sind Rechtsverhältnisse, die sich den Lebensverhältnissen aufprägen. Ob man in einer strukturell bestimmten Klassengesellschaft zu den Besitzenden oder den Besitzlosen, zur Bourgeoisie oder zum Proletariat gehört, hat einen massiven Einfluss auf die eigene Lebensrealität.“
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„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein, und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.«“ J.J. Rousseau. Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ (1755).
„Ist die Erde (ihre Meere und ihre Berge, ihre Wälder und ihre Wüsten, ihre Seen und ihre Flüsse, ihre Böden und ihre Lufthülle) von Privateigentümern erschaffen worden? Gehört die Erde ihnen deswegen?“
„Wenn jede Verletzung des Eigentums ohne Unterschied, ohne nähere Bestimmung Diebstahl ist, wäre nicht alles Privateigentum Diebstahl? Schließe ich nicht durch mein Privateigentum jeden Dritten von diesem Eigentum aus?«
„Indem man Dinge in sein Eigentum erhebt, entzieht man gleichzeitig jedem anderen den Zugriff darauf, auch wenn diese es womöglich dringender benötigen oder effizienter benutzen können. Wenn beispielsweise der Konzern Nestlé in der Dritten Welt die Grundrechte auf das dort vorrätige Trinkwasser aufkauft und der umliegend lebenden Bevölkerung den Zugang darauf verwehrt, handelt es sich um einen der [zahllosen] warenfetischistischen und kapitalistischen Exzesse.“
„Nur weniger als 3 % auf der Erde ist Süßwasser, und nur etwa 1 % ist als Trinkwasser verfügbar.“
„Weltweit haben 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Der Mangel an sauberem Wasser und sanitären Anlagen, wovon 3,5 Mrd. Menschen betroffen sind, ist eine Hauptursache für die z.T. rasante Zunahme von Krankheiten wie Cholera, Typhus, Ruhr, Hepatitis A/E, Polio und diverse Durchfallerkrankungen, an denen vor allem Kinder sterben.“
„Ja, der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung ist ein anerkanntes Menschenrecht. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dieses Recht am 28. Juli 2010 offiziell in einer Resolution anerkannt (UN-Resolution 64/292). Es umfasst das Recht auf ausreichendes, sicheres, akzeptables, physisch zugängliches und bezahlbares Wasser für den persönlichen und häuslichen Gebrauch.“ (KI 22.2.26)
„Obwohl als Menschenrecht anerkannt, ist das Recht auf Wasser nicht überall bindend oder einklagbar. Länder wie die USA und Kanada enthielten sich 2010 bei der UN-Abstimmung.“
„Die Geschwindigkeit, mit der Menschenrechte außer Kurs gesetzt werden, ist beachtlich. Das ältere »Recht« des Stärkeren Tiers ersetzt das moderne und trifft die schwächeren Staaten und die schwächsten menschen als erste.”
„Was für eine Menschheit ist die Menschheit, in der ein Menschenrecht straflos mißachtet werden kann?“
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„Unter dem römischen Kaisertum entstand […] jene Gleichheit der Privatleute, auf deren Grundlage das römische Recht sich entwickelte, die vollkommenste Ausbildung des auf Privateigentum beruhenden Rechts, die wir kennen.“
„Im alten Rom, in der späten Republik und im frühen Kaisertum, gab es einen Zustand im Patriziat, in der Aristokratie, in dem Frau und Mann gleichermaßen die Scheidung verlangen konnten. Jeder hatte sein eigenes Eigentum, und damit hatte die Frau faktisch die gleichen Rechte wie der Mann.“
„Die Überflutung Westeuropas durch die Germanen beseitigte für Jahrhunderte alle Gleichheits- vorstellungen durch den allmählichen Aufbau einer sozialen und politischen Rangordnung von so verwickelter Art, wie sie bisher noch nicht bestanden hatte.“
„Im Jahre 1898 fungierten folgende Höflinge bei Hofe: »16 Personen des ersten Ranges (3 Oberkammerherren, 7 Oberhofmeister, 1 Oberhofmarschall, 1 Ober-schenk, 1 Oberstallmeister, 2 Oberjägermeister, 1 Obervorschneider), 147 Personen zweiten Ranges (41 Hofmeister, 22 Stallmeister, 9 Jägermeister, 2 Oberzeremonienmeister, 1 Hofmarschall, 21 Personen im Amt des Hofmeisters, 5 im Amt des Stallmeisters und 16 im Amt des Jägermeisters), 12 Zeremonien-meister, 13 Personen im Amt von Zeremonienmeistern, 176 im Rang des Kammerherrn und 252 im Rang des Kammerjunkers usw.«
„Auch die Vasallen der daimyô waren in mannigfache Ränge eingeteilt. So wird berichtet, daß es in einem han mit 1500 samurai-Familien etwa 100 verschiedene Ränge gegeben haben soll.“
„Rangunterschiede werden nirgends mit größerer Ängstlichkeit beachtet als in dem Lande, in welchem die Ungleichheit nicht groß ist und jeder deshalb befürchtet, mit einem unter ihm Stehenden verwechselt zu werden.“
„Die ägyptische Lust am Formelwesen zeigt sich auch in der komischen Sucht nach Titeln und der eifersüchtigen Überwachung der an sie geknüpften Ehrenbezeigungen. Es gibt nicht nur die bereits erwähnten Hofchargen des Leibmedikus und Kämmerers, Wedelträgers und Sandalenträgers, Marschalls und Mundschenks, sondern auch Schreiber des Kredenztisches, Vorsteher der Schminkgriffel, Geheimräte des Hauses der Wohlgerüche und noch viele andere“
„O, when degree is shaked,
Which is the ladder to all high designs,
Then enterprise is sick!“
Shakespeare. The Historie of Troylus and Cresseida (1603)
„Das feudale Mittelalter entwickelte in seinem Schoß die Klasse, die berufen war, in ihrer weiteren Ausbildung die Trägerin der modernen Gleichheitsforderung zu werden: das Bürgertum. Anfangs selbst feudaler Stand, hatte das Bürgertum die vorwiegend handwerksmäßige Industrie und den Produktentausch innerhalb der feudalen Gesellschaft auf eine verhältnismäßig hohe Stufe entwickelt, als mit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts die großen Entdeckungen zur See ihm eine neue, umfassendere Laufbahn eröffneten. Der außereuropäische Handel […] überflügelte bald an Bedeutung sowohl den Austausch der einzelnen europäischen Länder unter sich, wie den inneren Verkehr eines jeden einzelnen Landes.“
„Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose »bare Zahlung«. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.“ Das kommunistsische Manifest (1848)
„Das Recht auf Privateigentum als Grundlage individueller Freiheit ist ein Erbe der Französischen Revolution, deren bürgerliche Ideale auch in ehemaligen Besatzungsgebieten und Anrainerstaaten Einfluss gewannen. Je absoluter und exklusiver dieses Recht für die Besitzenden gilt, desto mehr schränkt es die überkommenen Rechte und Berechtigungen der Besitzlosen ein.“
Im Laufe des 19. Jhds. „werden den einen (unbestimmte) Rechte genommen, [während] die anderen in ihren (bestimmten) Rechten gestärkt werden. Historisch sind das eine die Gewohnheitsrechte der Armen, die eben nicht in gleichem Maße wie die Privilegien der anderen in positives Gesetzesrecht überführt wurden oder werden. Mit der zunehmenden Einhegung von Privatbesitz bleiben viele dieser gewohnheitsrechtlichen Nutzungen übrig gebliebener Ressourcen oder Abfälle, die auch als »Almosen der Natur« bezeichnet werden, auf der Strecke und vermindern die Möglichkeiten der Armen, sich ohne Rechtsverstöße mit dem Nötigsten zu versorgen.“
„Aus dem gewohnheitsrechlichen Raffholzsammeln wurde im 19. Jhd. eine Verletzung des Privateigentums. Holzdiebstahl bzw. dessen Verfolgung war in der Tat ein »Massenphänomen«“.
„Aber das moderne bürgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegensätzen, auf der Ausbeutung der einen durch die andern beruht.“
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„In 1789 France fell into revolution and the world has never since been the same. The French revolution was by far the most momentous upheaval of the whole revolutionary age. It replaced the »old regime« with »modern society«, and in its extreme phase it became very radical, so much so that all later revolutionary movements have looked back to it as a predecessor to them-selves. In the age of the Democratic Revolution from the 1760s to 1848, the role of France was decisive. Even the Americans, without French military intervention, would hardly have won such a clear settlement from England or been so free to set up new states and new constitutions.“
„Bliss was it in that dawn to be alive, But to be young was very heaven!“ Wordsworth. The Prelude (1850)
„Die Französische Revolution – obwohl sie aufs Jämmerlichste scheiterte – zeigte, was die Formel, alle Menschen seien gleich geschaffen, in der Praxis bedeutete.“ H. Arendt. Die Freiheit, frei zu sein (1963)
„»Die Gütergleichheit ist eine Chimäre« verkündete die Lichtgestalt der Revolution vor dem Nationalkonvent, und den Neureichen, die sich das Elend des Volkes zunutze machten, versprach er: »Ich will eure Schätze nicht antasten.«“
„Die vor allem durch die Jakobiner betriebene »Heiligsprechung des Eigen-tums«, die Grundlage der kapitalistischen Ausbeutung, hat zu jener Katastrophe geführt, unter der wir heute leiden.“
„Die Sansculotten waren die besitzlosen Arbeiter und Kleinbürger während der Französischen Revolution. Sie unterschieden bewusst zwischen ihren eigenen Rechten und der wolkigen, für sie bedeutungslosen Sprache der Allgemeinen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Sie forderten soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, Gleichheit und politische Mitbestimmung. Die Sansculotten waren die größte politische Stütze der Jakobiner.“
„Etwa 98 Prozent der französischen Bevölkerung gehörten vor der Revolution zum Dritten Stand. Er umfasste alle Bürgerlichen, Bauern und Tagelöhner – also jeden, der weder dem Ersten Stand (Klerus) noch dem Zweiten Stand (Adel) angehörte. Trotz dieser überwältigenden Mehrheit war der Dritte Stand weitgehend von politischer Macht ausgeschlossen und trug die Hauptlast der Steuern und Abgaben.“
„Die »Menschenrechte« waren schon lange vor 1789 zu einem Motto oder Schlagwort revolutionärer Ideen geworden. »Mensch« war abstrakt zu verstehen, unabhängig von Nationalität, Rasse oder Geschlecht. Aber was die Ausübung bestimmter gesetzlicher Rechte betraf, so gingen die Revolutionäre nicht über zeitgenössische Meinungen hinaus. Unter den Führern sprach sich nur Condorcet für die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter aus. Die Revolutionäre, die auf politischen Wandel aus waren, betrachteten Politik, Regierung, Recht und Krieg als Angelegenheit der Männer, für die nur Knaben und junge Männer ausgebildet oder vorbereitet werden mussten.“
“Mann, bist du imstande gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt … Wer hat dir die souveräne Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?”
„Im Zeitpunkt des politischen Sieges des Dritten Standes […] erging an die Regierung und die Abgeordneten eine neue, radikale Proklamation von Freiheits- und Gleichheitsrechten – für das weibliche Volk (1791). Da der Souverän alle Frauen von der Volkssouveränität ausschloss, nannte Olympe de Gouges das neue Regime Tyrannei. […] Sie verlangte eine neue, universal-egalitäre Verfassung, denn die gerade in Kraft getretene sei illegitim und nichtig, weil das weibliche Volk nicht vertreten und an deren Ausarbeitung gar nicht beteiligt gewesen sei.“
«Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Rednertribüne zu besteigen» Olympe de Gouges (am 3.11.1793 guillotiniert)
„Von der revolutionären Menschenrechtserklärung waren »in unterschiedlichem Ausmaß [auch] Juden, Schwarze [und das] Proletariat« ausgeschlossen«“
„Was le peuple, das gemeine Volk, in die Revolution einbrachte und was in Amerika völlig fehlte, war die Unwiderstehlichkeit einer Bewegung, die von menschlicher Macht nicht mehr zu kontrollieren war. Diese elementare Erfahrung erzeugte eine ganz neue Bildlichkeit, die wir heute fast automatisch assoziieren, wenn wir an revolutionäre Ereignisse denken.“
“Auch in der modernen Welt, insbesondere in der Zeit der Technisierung und des Wandels, entstehen neue, zeitgemäße Archetypen. Diese ersetzen oder erweitern nicht die klassischen, sondern zeigen die Transformation des menschlichen Erlebens und der Kultur.“
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‘Die Verfassung vom 24. Juni 1793 war die erste republikanische in Frankreich Sie gilt als überaus demokratisch, obwohl das Recht auf privates Eigentum, auch an Produktionsmitteln, weder aufgehoben noch eingeschränkt wurde. Es folgen alle Artikel, die Bezug aufs Eigentum nehmen:
Art. 1. Das Ziel der Gesellschaft ist das allgemeine Glück. Die Regierung ist eingesetzt, um dem Menschen den Genuß seiner natürlichen und unveräußerlichen Rechte zu verbürgen.
“Aristoteles blieb nicht verborgen, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Vorstellungen von Glück haben, ja, dass sich sogar die Vorstellungen ein und desselben Menschen im Zeitverlauf je nach Lebensumständen verändern können. Der römische Philosoph Marcus Terentius Varro soll schon 288 Bestimmungen des Glücks gezählt haben”
Art. 2. Diese Rechte sind Gleichheit, Freiheit, Sicherheit, Eigentum.
„Das Wort fraternité kommt in den 124 Artikeln der Verfassung nicht vor. Sie war auf die Interessen des produzierenden und Handel treibenden Bürgertums zugeschnitten.“
„Ein von den Besitzenden regiertes Land befindet sich im gesellschaftlichen Zustand; dort, wo die Besitzlosen regieren, herrscht Naturzustand.“ Boissy d’Anglas
‘Ökonomische Freiheit stabilisierte die zeitgenössischen Lebensverhältnisse: auf der einen Seite die besitzenden Unternehmer und auf der anderen die wenig oder nichts besitzenden Nicht-Unternehmer. Die Produktionsmittel gehörten der privilegierten Schicht; diese diktierte dem Rest, wie er zu leben hatte.’
“Gegen die Konkurrenz erhebt sich das Prinzip der Lumpengesellschaft, die – V e r t e i l u n g.”
Art. 5. Das Recht auf Eigentum ist das, das jedem Bürger erlaubt, seine Güter, seine Einkünfte, den Ertrag seiner Arbeit und seines Fleißes zu genießen und über sie nach seinem Gutdünken zu verfügen.“
„Damit war die wirtschaftliche Freiheit [der Unternehmer] in ihrem ganzen Ausmaß eingesegnet.“ Albert Soboul
„N.B. Es wäre sowohl ein höchstes Maß an Gleichheit wie auch an Ungleichheit erreicht, wenn sich jeder mensch gemäß seines momentanen Bedürfnisses befriedigen könnte. Manna ist das unerreichte Muster. »Es schmeckte auch dem verwöhntesten Gaumen. Denn es passte sich den Wünschen jedes Einzelnen an und verwandelte sich in das, worauf jeder gerade Appetit hatte«. Die Weisheit Salomos, 16:20
Art. 8 Die Bebauung der Felder, die gesamte Produktion, alle Produktionsmittel und der ganze gesellschaftliche Zustand bauen auf der Erhaltung des Eigentums auf.
„Ihr müsst das Eigentum der Reichen garantieren. Die staatsbürgerliche Gleichheit, das ist alles, was ein vernünftiger Mensch verlangen kann. Die absolute Gleichheit ist ein Hirngespinst.“
„Warum soll die Forderung nach einem möglichst großen gesellschaftlichen Eigentum zu bestimmten Zwecken – z.B. dem, dass das Leben eines menschen nicht mit Hungern beginnt und mit Verhungern endet – warum soll dass eineForderung nach einer absurden absoluten Gleichheit sein? Warum, auf einer etwas höheren Stufe der Erkenntnis, sollten nicht alle Neuankömmlinge die gleichen gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Entwicklung vorfinden?“
„Ja, warum nicht?“
„Warum fließt der vererbbare Reichtum, oberhalb einer zu bestimmenden Grenze, nicht zurück in die Gesellschaft, durch deren Institutionen er gewonnen werden konnte?“
„Auch darin könnten die menschen, die keine Tiere sein wollen, ihren tierischen Charakter erkennen: dass sie wie jede andere Tierart die vorgefundenen pyramidalen Verhältnisse nicht angreifen. Erst wenn die Hochgeborenen und -gekommenen die für sie ohnehin günstigen Verhältnisse mit Gewalt, auch gesetzlicher, in noch günstigere zu verwandeln beginnen, wehren sich die Tiefgeborenen und -gebliebenen, aber nicht u n b e d i n g t, d.h. meistens nicht. Also auch die Anpassung an die sozialen Gegebenheiten, die den einzelnen menschen vorausgehen, gehört zur Natur des Tiers, das sich den unpassenden Namen homo sapiens gegeben hat.“
„Die ersten Menschen waren nicht die letzten Affen.“
“Marx sah, daß Hegels Versuche, die von einer fast schrankenlosen ökonomischen Freiheit bestimmte bürgerliche Gesellschaft an einen substantiellen, ethisch-politischen Staat und eine religiös-ethische Gesinnung zu binden, von der Wirklichkeit überholt [worden] waren. Die industrielle Revolution machte aus der in früheren Zeiten vergleichsweise harmlosen Freiheit, zu kaufen und zu verkaufen, einen allgegenwärtigen Kampf auf Leben und Tod, der die Gesellschaft vor allem in zwei Klassen spaltete: die Besitzer von Kapital und Produktionsmitteln und die, welche nur ihre Arbeitskraft zu verkaufen hatten.“
Art. 16. Das Recht auf Eigentum ist das, das jedem Bürger erlaubt, seine Güter, seine Einkünfte, den Ertrag seiner Arbeit und seines Fleißes zu genießen und über sie nach seinem Gutdünken zu verfügen.
„Die noch nicht republikanische Verfassung von 1791 bestimmte, daß nur der Teil der Bevölkerung, der über Besitz und Einkommen verfügte (etwa 60%), wahlberechtigt sei. Die Begründung, daß nur der ein Interesse an der neuen Ordnung haben könne, der über privates Eigentum verfüge, offenbart den wahren Charakter dieser Verfassung. Aber auch das allgemeine Wahlrecht der Verfassung von 1793 war noch nicht allgemein: Nur Männer, nicht aber Frauen, durften ab 21 Jahren wählen.“
Art. 19. Ohne seine Einwilligung darf niemand des geringsten Teiles seines Eigentumes beraubt werden, wenn es nicht die gesetzlich festgestellte öffentliche Notwendigkeit erfordert, und unter der Bedingung einer gerechten und vorher festgesetzten Entschädigung.
„Wenn man eine Republik gründen will, muss man zunächst das Volk aus seiner elenden Lage befreien.“ Saint-Just
„Wie sollte das gelingen können ohne eine gesetzliche Neuordnung des nationalen [heute globalen] Eigentums und eine Verfassung, die die absehbaren Wirkungen einer kapitalistischen Wirtschaftsweise zumindest eindämmt: einerseits horrender, in immer kürzeren Zeiteinheiten sich verdoppelnder Reichtum, der die Politik vor sich hertreibt, andererseits Armut, Krankheit, Not, Elend und Tod für die Mehrheit, eine erstaunlich große Menge ihr Leben lang leidender menschen.“
„Unter dem Banner der jeden Tag beschworenen und jede Minute verratenen Menschenrechte laufen die globalen Wertschöpfungsketten, nahezu unsichtbar und fast geräuschlos.“
„Dieser Ausschluss der Mehrheit von den Früchten ihrer Arbeit, die Verdammung dieser Mehrheit zu Armut und Not lässt sich ohne Gewalt nicht aufrechterhalten. »Eine solche Gesellschaft konnte nur bestehn entweder im fortwährenden offnen Kampf dieser Klassen gegeneinander oder aber unter der Herrschaft einer dritten Macht, die, scheinbar (!) über den widerstreitenden Klassen stehen, ihren offnen Konflikt niederdrückte und den Klassenkampf höchstens auf ökonomischem Gebiet, in sogenannter gesetzlicher Form, sich ausfechten ließ«. Damit war die Notwendigkeit einer Einrichtung gegeben, »die nicht nur die aufkommende Spaltung der Gesellschaft in Klassen verewigte, sondern auch das Recht der besitzenden Klasse auf Ausbeutung der nichtbesitzenden und die Herrschaft jener über diese. Und diese Einrichtung kam. Der S t a a t wurde erfunden«“ Friedrich Engels
Art. 122. Die Verfassung verbürgt allen Franzosen Gleichheit, Freiheit, Sicherheit, Eigentum, Staatsschulden, freie Ausübung des Gottesdienstes, allgemeinen Unterricht, öffentliche Unterstützung, unbeschränkte Preßfreiheit, das Petitionsrecht, das Recht, sich in Volksversammlungen zu vereinen, den Genuß aller Menschenrechte.
„Aber was ist »öffentliche Unterstützung« im Notfall im Vergleich mit »Recht auf Arbeit« zu jeder Zeit?“
“Das Recht auf Arbeit ist im bürgerlichen Sinn ein Widersinn, ein elender, frommer Wunsch…”
“Daß die Kapitalisten, die so sehr gegen das Recht auf Arbeit schrien, nun überall von den Regierungen öffentliche Unterstützung verlangen …, also das Recht auf Profit auf Staatskosten geltend machen, [das] ist …”
„Der deutsche Staat unterstützt Unternehmen mit einem sehr hohen, stetig wachsenden Volumen an Subventionen und Finanzhilfen. Die direkten Finanzhilfen und Steuervergünstigungen des Bundes steigen bis 2026 auf jährlich rund 77,8 Milliarden Euro an.“ (KI 2.3.26)
„Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten.“
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„Die Lava der Revolution fließt majestätisch und schont nichts.“ Georg Forster
„Die Verfassung von 1793 trat u.a. deswegen nicht in Kraft, weil der Wohlfahrtsausschuss von Juni 1793 bis Sommer 1794 eine Terrorherrschaft ausübte.“
„Was jedoch auf das Prairialgesetz vom 22. Prairial II (10. Juni 1794) folgte, war blanker Justizterror. Nun genügte schon der bloße Verdacht für einen Schuldspruch. »Wenn es Beweise gibt, materieller oder moralischer Natur, unabhängig vom Zeugenbeweis, werden keine Zeugen gehört«, heißt es in Artikel 13. Vom September 1793 bis zum 10. Juni 1794 hatte es in Paris 1220 Schuldsprüche gegeben. In den 49 Tagen bis zum Sturz Robespierres am 9. Thermidor II (27. Juli 1794) gab es 1376. Das bedeutete, dass die Guillotine jeden Tag etwa 28 Mal einen Kopf von seinem Rumpf trennte.“
„Die Anwendung des Terrors hat das Verbrechen banalisiert, so wie starker Alkohol den Gaumen abstumpft.“ Saint-Just (am 28.7.1794 guillotiniert)
„16.594 Todesurteile wurden mit der Guillotine vollstreckt. Hinzu kommen, Schätzungen zufolge, 25.000 bis 40.000 Opfer, die ohne Prozess getötet wurden oder in Gefangenschaft starben. Nur wenige Prozent der Hinrichtungen wurden wegen ökonomischer Vergehen wie »accaparement« (Aufkauf von Waren zu Wucherzwecken) vorgenommen. 8,5% der Hingerichteten entstammten dem Adel, 6,5 % dem Klerus, rund 85 % dem ehemaligen Dritten Stand.“
„Mit dem Sturz Robespierres hatte die Reaktion einen entscheidenden Teilsieg errungen. Seinen manifesten Ausdruck fand dieser Umschwung in der Verfassung von 1795 [der dritten und letzten der Revolution], welche die demokratischen Partizipationsrechte einschränkte, die erkämpften Errungenschaften rückgängig machte und eine neue Hierarchisierung und Privilegisierung der Gesellschaft einführte.“
„Die Verfassung von 1795 begünstigte die Besitzbürger durch das Zensuswahlrecht, stärkte die Interessen der gemäßigten Republikaner, die weder eine Monarchie noch eine Jakobinerherrschaft wollten, und erschwerte die Rückkehr der Bourbonen durch die Bedingung, dass zwei Drittel des neuen »Rats der 500« Mitglieder des revolutionären Konvent gewesen sein und die fünf Mitglieder des regierenden Direktoriums auch für die Hinrichtung Ludwigs XVI. gestimmt haben mußten. Kaum durch Plebiszit in Kraft getreten, setzte Babeuf der Verfassung sein »Manifest der Plebejer« entgegen:
„Wir werden die Grenzen des Eigentumsrechts [neu] festsetzen. Wir werden beweisen, dass Grund und Boden nicht einzelnen, sondern allen gehört. Wir werden beweisen, dass alles, was sich jemand mehr davon aneignet als er zu seiner Ernährung braucht, Diebstahl an der Gesellschaft ist. Wir werden beweisen, dass das angebliche Veräußerungsrecht ein infames, volksmörderisches Verbrechen darstellt. Wir werden beweisen, dass das Erbrecht der Familie ein nicht minder großer Greuel ist; dass es alle Mitglieder der Gesellschaft voneinander isoliert und aus jedem Haushalt eine kleine Republik macht, die gezwungen ist, gegen die große Republik zu konspirieren und die Ungleichheit zu verewigen.“
„Möge der Kampf beginnen um das berühmte Kapitel der Gleichheit des Eigentums! Möge das Volk alle alten barbarischen Institutionen stürzen! Ja, ich wiederhole: alle Mißstände sind auf dem Gipfel, sie können sich nicht verschlimmern, sie können nur durch einen totalen Umsturz beseitigt werden. Fassen wir das Ziel der Gesellschaft ins Auge und ändern wir nach tausend Jahren die Gesetze!“ »Gracchus« Babeuf (am 27.5. 1797 guillotiniert).
‘Die Französische Revolution hat unsere Vorstellungen von Freiheit und Gleichheit und Demokratie gründlich geprägt. Ihr Blutbad beschenkte alle folgenden Revolutionen mit dem Konzept, daß es ohne Terror nun einmal nicht gehe.’
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„Wie immer man den Begriff »Stalinismus« definieren mag, dem hohen Maß staatlich ausgeübter Repression muß dabei zentrale Bedeutung zukommen. Massenverhaftungen und -erschießungen, Haft in Gefängnissen und im GULag, Deportation und Verbannung sowie eine Hungerkatastrophe, die durch die Politik der Führung verschuldet war, trafen viele Millionen Menschen.“
„Stalins Quotenregel bezieht sich auf den Befehl Nr. 00447 des NKWD, der im Rahmen des Großen Terrors in der Sowjetunion erlassen wurde. Er sah vor, dass in bestimmten Regionen bestimmte Quoten an Verhaftungen und Exekutionen zu erreichen waren, was zu Massenverhaftungen und -erschießungen führte. Diese Quoten waren regional unterschiedlich und wurden oft deutlich übertroffen.“
„Der Terror des Regimes hatte erhebliche demographische, soziale und kulturelle Auswirkungen. Unter ihnen litten nicht nur diejenigen, die das Vierteljahrhundert stalinistischer Herrschaft seit Stalins »Revolution von oben« (1928-1932) bis zu seinem Tod 1953 überlebten, sondern auch die folgenden Generationen [bis auf den heutigen Tag].“
„Der Plan der Roten Khmer war es, ein radikal-kommunistisches System zu etablieren. Sie wollten eine ursprüngliche, agrarisch geprägte Gesellschaft schaffen. Dafür teilten sie die Bevölkerung in ein »altes« und »neues« Volk ein: Die städtische Bevölkerung, das »neue Volk«, war der Klassenfeind, der sich an den Erträgen der ländlichen Bevölkerung bereichere. Daher sollten alle Städte evakuiert und die Menschen zur Landarbeit gezwungen werden. Die Roten Khmer schafften religiöse Praktiken, Geld und Privatbesitz ab; Sprachen und Bräuche von Minderheitengruppen verboten sie. Kulturelle und religiöse Einrichtungen, Schulen und Betriebe wurden zerstört. Von fast acht Millionen Einwohnern Kambodschas sind in den vier Jahren des Roten Khmer Regimes mindestens 1,7 Millionen Menschen umgebracht worden. Von den etwa 14.000, die zwischen 1975 und 1979 in das »Sicherheitsgefängnis 21« gebracht wurden, sollen nur sieben überlebt haben”.
‘Durch die verheerenden Folgen des »Großen Sprungs nach vorne« hatte Mao seine Position als uneingeschränkter Führer der Republik eingebüßt. Im Zentralkomitee saßen inzwischen mehr Mao-Gegner als -Befürworter. Aber Mao hatte noch immer den Oberbefehl über das Militär und wußte die Jugend auf seiner Seite. Er rief sie, um seine Macht zu festigen, zu massiven politischen Säuberungen auf: bürgerliche Elemente hätten Regierung und Gesellschaft unterwandert, um den Kapitalismus wiederherzustellen. Von Polizei und Militär nicht behindert, versuchten die Roten Garden die »Vier Alten« auszurotten: alte Ideen, alte Kultur, alte Sitten, alte Gewohnheiten. Sie brachen in Häuser ein und zerstörten alles, was ihnen »alte Kultur« schien: Bücher, Gemälde, Grammophonplatten. Sie diffamierten Vorgesetzte in allen Institutionen, trieben sie vor sich her, verprügelten und folterten sie. Auch hohe Funktionäre wurden nicht geschont, sondern aus ihren Ämtern entfernt, in Umerziehungslager gesteckt oder hingerichtet. Als Mao sein Ziel erreicht hatte, erhielt das Militär den Befehl, gegen die Roten Garden vorzugehen. Die Schätzungen über die Zahl der Todesopfer schwanken stark, bewegen sich zwischen ein und zwei Millionen.’
„Unter den Massakern der Kulturrevolution ragt das von Guangxi heraus. Nach offiziellen Angaben wird die Zahl der Todesopfer auf 100.000 bis 150.000 geschätzt. In Dutzenden von Landkreisen in Guangxi kam es auch zu Kannibalismus. Nach öffentlichen Aufzeichnungen wurden mindestens 137 Menschen – möglicherweise mehrere Hundert – von anderen gegessen. Tausende von Menschen nahmen an diesem Kannibalismus teil.“
„… natürlich ist es besser, seine Feinde in seinem Magen zu begraben, als die Frucht seines Sieges den Raben und Krähen preiszugeben“ Voltaire
„Belegt ist eine Vielzahl von Formen des Verzehrs: das Essen von Menschen als Snack nach dem Abendessen, das Abschneiden von Fleisch auf großen Partys, das Aufteilen des Fleisches, damit jede Person ein großes Stück mit nach Hause nehmen konnte, das Grillen oder Braten der Leber und so weiter.“
„»Es reicht nicht aus, den Klassenfeind zu eliminieren. Man muss die Herzen des Feindes essen.« Beim Verzehr von Klassenfeinden gab es – wie bei den Schimpansen – eine Hierarchie: Vorgesetzte schlemmten an Herz und Leber, gemischt mit Schweinefleisch, während gewöhnliche Dorfbewohner nur an den Armen und Schenkeln der Opfer picken durften.“
„In der Vergangenheit verwendeten kannibalische Stämme auf den Fidschi-Inseln den Ausdruck »long pig« als Umschreibung für Menschenfleisch, was auf eine geschmackliche Ähnlichkeit hinweist.“
„Warum ist des Deutschen und des Chinesen liebstes und leckerstes Fleisch das der Schweine?“
»Vielen von uns mag es auch schwer werden, auf den Glauben zu verzichten, daß im Menschen selbst ein Trieb zur Vervollkommnung wohnt, der ihn auf seine gegenwärtige Höhe geistiger Leistung und ethischer Sublimierung gebracht hat. Allein, ich glaube nicht an einen solchen inneren Trieb und sehe keinen Weg, diese wohlwollende Illusion zu schonen. Die bisherige Entwicklung des Menschen scheint mir keiner anderen Erklärung zu bedürfen als die der Tiere, und was man an einer Minderzahl der menschlichen Individuen als rastlosen Drang zu weiterer Vervollkommnung beobachtet, läßt sich ungezwungen als Folge der Triebverdrängung verstehen, auf welche das Wertvollste an der menschlichen Kultur aufgebaut ist.“ Freud
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„Wenn wir heute in einer Welt leben, zu deren […] sakrosankten Grundsätzen es gehört, nach der Legitimität eines Eigentums gar nicht erst zu fragen, dann ist das einerseits das Erbe einer gescheiterten Revolution & andererseits eine Folge unserer geistigen Feigheit. Denn 250 Jahre nach der Revolution sollte uns klar geworden sein, daß […] der konsolidierte Eigentumsbegriff längst mit dem fundamentalsten unserer Rechte in Kollision geraten ist, dem blanken Lebensrecht.“
„Obwohl die Erde und alle niederen Geschöpfe allen Menschen gemeinsam gehören, besitzt doch jeder Mensch ein Eigentum an seiner eigenen Person, auf das niemand außer ihm selbst ein Recht hat. Die Arbeit seines Körpers und das Werk seiner Hände sind, so könnte man sagen, sein rechtmäßiges Eigentum. Was immer er also aus dem von der Natur vorgesehenen Zustand entfernt, vermischt er mit seiner Arbeit und fügt etwas Eigenes hinzu, wodurch er es zu seinem Eigentum macht. Da es durch ihn aus dem gemeinsamen Zustand, in den die Natur es gelegt hat, entfernt wurde, erhält es durch diese Arbeit etwas, das das gemeinsame Recht anderer Menschen ausschließt. Weil diese Arbeit das unbestreitbare Eigentum des Arbeiters ist, kann niemand außer ihm ein Recht auf das haben, womit sie einmal verbunden ist, zumindest soweit genug und ebenso Gutes für andere gemeinsam übrig bleibt.“ John Locke. Zwei Abhandlungen über die Regierung (1689) § 27
„Mit dem Begriff eines nur sich selbst verpflichteten Eigentums kommt eine Weltgesellschaft nicht sehr weit, wenn es um die Bewahrung ihrer Existenzgrundlagen & des planetaren Ressourcenvorrats geht.“
„In welchem Sinne kann privates Eigentum bestehen an einem Regenwald, an CO2-Schleudern allererster Kajüte, an einer Schweine-, Rinder-, Hühnerfarm?”
“Kann man ein Eigentum, das einen Herzschlag hat, in einen Käfig sperren, mästen und schlachten, um mit seinem Leichengewebe ungehindert Welthandel zu treiben?“
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„Der Regenwald produziert große Teile des Niederschlags selbst. Bildlich gesprochen verdunstet ein Wassertropfen auf dem Weg vom Atlantik über das Amazonasbecken zu den Anden 5 bis 6 mal. Durch die fortschreitende Rodung der Wälder und die bereits begonnene Klimaerwärmung kann dieser Kreislauf entscheidend geschwächt werden. Der immergründe Regenwald würde sich in einen an die Trockenheit angepassten saisonalen Wald oder eine Savanne verwandeln. Manche Studie gehen davon aus, dass Amazonien kippt, sobald 20 bis 25 Prozent des Waldes zerstört worden sind. Anderen Forschungen zufolge ist dieser Kipp-Punkt bereits erreicht. Ein Zeichen dafür sind auftretende Dürreperioden.“
„Im brasilianischen Amazonas sind seit 1985 rund 52 Millionen Hektar Natur verloren gegangen – eine Fläche größer als Spanien […] Hauptgrund für die Entwaldung ist die Viehzucht. Die Weideflächen stiegen von 12,3 Millionen Hektar im Jahr 1985 auf 56,1 Millionen Hektar im Jahr 2024 – ein Wachstum von 355 Prozent. Auch für Sojaanbau, das meist als Tierfutter dient, werden riesige Flächen abgeholzt.“
„Schützt der FSC (Forest Stewardship Council) noch den Urwald? Kritik wird laut; sie betrifft die Definition von Nachhaltigkeit, z.B. Zertifizierung von Plantagenwäldern, mangelnde Transparenz und Kontrollierbarkeit, Verflechtungen zwischen Zertifizierern und Firmen, »Schreibtisch- Kontrollen«, die Zulassung von »Mix«-Produkten mit nicht-zertifiziertem Anteil, sowie Fälle, in denen illegal geschlagenes Holz trotzdem ein Siegel erhielt,“ (KI 29.12.25)
‘Die drittgrößte Insel der Welt, Borneo in Südostasien, hat bereits die Hälfte des Regenwaldes verloren. Zerstört werden nicht nur Bäume, sondern Lebensräume. Pflanzen, Pilze und Tiere sterben aus, ohne daß ihre Rollen im Ökosystem untersucht worden wären.“
“Verloren geht eine genetische Vielfalt, die ein guter, natürlicher Schutz vor Krankheiten wäre. Und durch das immer weitere Vordringen der Menschen in einst entlegene Ökosysteme, kommen wir in Kontakt mit Krankheitserregern, denen unser Immunsystem nicht gewachsen ist, wie COVID 19 uns deutlich vor Augen geführt hat.“
„Tropische Torfmoorwälder, gigantische CO2-Speicher, bedecken rund zehn Prozent Indonesiens; das sind ca. 22 Millionen Hektar (etwa die Größe Großbritanniens). Je nach Tiefe speichern diese Wälder zwischen 3.000 und 6.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar, also fast 50-mal so viel wie ein gleichgroßes Regenwaldgebiet ohne Torfmoorboden (120 bis 400 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar). Bei der Rodung und Trockenlegung von nur einem Hektar Torfmoorwald wird 1.000-mal so viel CO2 ausgestoßen, wie bei einem Flug von Paris nach New York.“
„Womöglich ist Amazonien schon zu einer Quelle von Treibhausgasen geworden, insbesondere auch von Methan und Stickoxiden.“
„Die Elfenbeinküste erfreute sich einer beachtlichen Vielfalt an Tropenhölzern, auch Mahagoni. Das Exportgeschäft hat dazu geführt, daß nur noch ein Drittel des Landes bewaldet ist. Anderen Quellen zufolge, sind es nur noch 20%.“
„Der illegale Holzhandel ist nach Drogen und gefälschten Waren der drittgrößte kriminelle Sektor weltweit. Schätzungsweise laufen 30 bis 50 Prozent des gesamten Holzhandels illegal ab. Das liegt vor allem daran, dass große Tropenwaldgebiete nur schwer zu kontrollieren sind.“
„Wenn der FSC nicht aufhört, industrielle Waldwirtschaft in Urwäldern zu zertifizieren, müsste er als ersten Schritt zumindest die Herkunft kenntlich machen: Urwald oder urwaldfrei. Dann könnte der Markt entscheiden. Zur glaubwürdigen Zertifizierung gehört eine hundertprozentige Transparenz.“
„In der Arktis erhöht sich die Temperatur dreimal so schnell wie die globale Durchschnitts- temperatur.“
„Die Wissenschaft geht davon aus, dass durch den Klimawandel aktuell 40 % der Weltbevölkerung einem hohen Risiko ausgesetzt ist.“
„Es ist kein Spiel, sondern Realität: Auf jeden US-Dollar, der in den Erhalt von Natur fließt, werden 30 US-Dollar in ihre Zerstörung investiert. Diese Bilanz zieht das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) in einem am Donnerstag vorgestellten Bericht in Nairobi.“
„Mit Klimakatastrophen, globaler Finanzkrise, europäischer Schuldenkrise, Pandemie und nun Krieg und Energiekrise haben wir in den vergangenen 15 Jahren bereits einen bitteren VOR- geschmack darauf erhalten, was uns bevorsteht. Und die Geschwindigkeit von Veränderungen wird stark zunehmen – seien es der exponentielle technologische Wandel, gerade in Bezug auf künstliche Intelligenz, oder die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels, wenn Kipppunkte erreicht sind.“
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„Am Wegrande stand eine Eiche. Sie mochte zehnmal so alt sein wie die Birken, und sie war auch zehnmal so dick und doppelt so hoch wie eine jede von ihnen. Es war ein mächtiger Baum, zwei Männer hätten ihn kaum umspannen können; die meisten Äste fehlten ihm, offenbar waren sie schon vor langer Zeit abgebrochen. Die Rinde war voller Risse und mit uraltem Schorf bewachsen. Mit ihren gewaltigen, ungefügen, unsymmetrisch ausgepreizten, krummen Armen und Fingern stand sie zwischen den lächelnden Birken wie ein altes, grimmiges, verachtungsvolles Ungeheuer.“
‚Baumgreise sind deutlich produktiver als Jungspunde […] Ein 120 Jahre alter Baum ist, wenn man es auf menschliche Maßstäbe überträgt, gerade einmal der Schule entwachsen. […] Die Wissenschaftler untersuchten 700.000 Bäume auf allen Kontinenten Das überraschende Ergebnis:Je älter Bäume werden, desto schneller wachsen sie. So erzeugten Bäume mit einem Meter Stammdurchmesser dreimal so viel Biomasse wie Exemplare, die nur halb so dick waren..’ Peter Wohlleben
„Ich liebe die großen Bäume, das sind Ahnen.“ Otto von Bismarck
„Im späten 18. Jahrhundert begannen Beamte in Preußen und Sachsen damit, ihre vielschichtigen und vielfältigen Wälder in geradlinige Reihen mit nur einer Baumart umzugestalten. Für die dort lebenden Menschen waren die Wälder bis dahin eine Quelle für Nahrung, Weideland, Schutz, Medizin, Bettzeug und vieles mehr. Für den frühmodernen Staat waren sie hingegen lediglich eine Quelle für Holz.“
„Für seine Produkte verarbeitet der Großkonzern jedes Jahr 20 Millionen Kubikmeter Holz – einen Baum alle 2 Sekunden.“
„Wo IKEA war, wächst kein Wald mehr.“
„Bäume sterben meistens nicht an Altersschwäche, sondern vor allem wegen Insekten und Krankheiten. Grossflächige Wälder sterben eigentlich nur sehr selten ab. Einzelne Bäume sterben vor allem dann, wenn sie sich gegenseitig das Licht, die Nährstoffe oder das Wasser wegnehmen. Dies nennen die Fachleute »Konkurrenz«”.
„Die Holznutzung in Europa ist fast doppelt so hoch wie der durchschnittliche Weltverbrauch.“
„Im Jahr 2021 wurde mit insgesamt 83 Millionen Kubikmetern so viel Holz in deutschen Wäldern geschlagen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.“
„Bereits 110.000 Hektar Wald sind in Deutschland zerstört worden. Um diesen Verlust auszugleichen, müssten 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden.“
„»True, we ‘re going to plant three trillions of trees«. »C’est vrai, nous allons planter 3 billions d’arbres«. Zwei Präsidenten, ein und dieselbe Täuschung und Ent-täuschung! Denn es sollen nicht vielartige Wälder angepflanzt werden, die Dürren überstehen und Bränden standhalten können, sondern einartige Plantagen zum Vorteil der Holzindustrie, Bäume, die nach 10 oder 20 Jahren gefällt werden. Besonders beliebt sind besonders schnell wachsende Arten, Douglasien und Eukalypten. Ihretwegen werden alte Savannen und alte Wälder gerodet.“
„The focus has shifted from just planting to ensuring tree survival, monitoring progress via satellite, and protecting existing forests.“
„Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab.“
„Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) ist ein schnellwüchsiger Tiefwurzler aus Nordamerika, der aufgrund seiner Fähigkeit, heimische Waldökosysteme zu verdrängen, als invasiver Neophyt gilt. Sie steht auf der »Schwarzen Liste« des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), da sie konkurrenzstärker als heimische Baumarten ist. Aufgrund ökologischer Risiken sollte sie nicht in der Nähe schutzwürdiger Biotope gepflanzt werden. (KI 23.1.26)
„Es gibt kaum mehr einen Wald, den menschen nicht nach ihren Bedürfnissen geformt haben. Die Freizeitindustrie und die Jägerlobby, eine am Profit orientierte Holz- und Forstwirtschaft und die boomende Bioenergiebranche – sie alle schaden ihm nicht weniger als der saure Regen in den 80ern.“
„Savannen und Graslandschaften sind wie »auf dem Kopf stehende Wälder«, weil ein Großteil ihres Kohlenstoffgehalts (bis zu 70%) im Boden gespeichert ist. Bereits 90 % der ursprünglichen Graslandschaften in den gemäßigten Klimaregionen sind in landwirtschaftliche Flächen oder menschliche Siedlungen umgewandelt. Sie bedecken heute nur noch 40% der Erdoberfläche. Ihre weitere Zerstörung würde erhebliche Mengen an Klimagasen freisetzen, was den Klimawandel beschleunigen würde.“ (KI 19.1.26)
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„Korallenriffe gelten für die »Regenwälder der Meere«. Obwohl sie nur 0,2 % der Meeresoberfläche bedecken, beherbergen sie 30 % der marinen Artenvielfalt! Sie bieten Fischen und anderen Meerestieren Schutz vor Raubtieren, dienen als Brut- und Aufzuchtplätze und schützen Küsten wirksamer als jedes menschengemachte Bauwerk vor Wellengang und Tsunamis.“
„Dennoch! Solange menschen sich den Erfordernissen eines desaströsen Produktionssystems unterwerfen – wozu die meisten der von ihnen gewählten Politiker ihnen ratlos raten – , werden sie die meisten Lebensbereiche nach und nach vernichten. Mehr als die Hälfte der tropischen Korallenriffe ist bereits abgestorben. Bei einer Erwärmung um 2°C [demnächst!] erwarten Forscher, dass über 99 Prozent der Korallenriffe verschwinden werden.“
„In einem Korallenriff findet Kohlenstofffixierung über Jahrmillionen hinweg statt. So etwas haben wir im Wald nicht. Der Wald ist eine Kohlenstoffsenke – aber nur solange er wächst. Steht ein reifer Wald da, wird unter Zyklusschwankungen ein Gleichgewicht entstehen zwischen dem Neuaufbau von Holz aus dem CO2 der Luft und dessen erneutem Freiwerden durch Fäulnis.“
„Ja, der deutsche Wald hat sich durch klimabedingte Schäden von einer Senke zur Kohlenstoff- quelle entwickelt und gibt seit 2017/2018 mehr CO2 ab, als er speichert. Trockenheit, Stürme und Borkenkäferbefall führen dazu, dass der Wald stirbt, verrottet oder abbrennt, wodurch die Biomasse abnimmt und mehr freigesetzt wird, als durch Wachstum aufgenommen werden kann.“ (KI 16.2.26)
„Was tut die deusche Regierung? Sie rechnet den Wald als feste CO2-Senke in ihre Klimamodelle ein.“
„Der einsame Baum im Steinfeld muß das Gefühl haben, daß alles umsonst ist. Er hat noch nie einen Baum gesehen.“ Bertolt Brecht
„Bäume
Früher sollen sie
Wälder gebildet haben und Vögelungeheuer
Auch Libellen genannt kleine
Huhnähnliche Wesen die zu
Singen vermochten schauten herab.“
Sarah Kirsch (1984)
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„Gar nichts hat je nicht bedingt existiert oder bloß bedingend, gleichzeitig herrscht in einer Beziehung das eine, in anderer Beziehung das andere vor und bestimmt das Leben; es handelt sich überall um ein bloßes a potiori, um das jedesmalige Vorherrschende.“ Jacob Burckhardt
‘Wirkliches Wissen kommt selten auf etwas zurück, das klein und am Anfang war; Wissen heißt begreifen, wie alles mit allem zusammenhängt und daß nichts seinen Grund in sich selbst hat’
„Alle Dinge sind ohne Durch-sich-selbst-Sein.“ Nagarjuna (2. Jhd.)
‚Beispielsweise ist ein Baum abhängig von den verschiedensten bedingenden Faktoren: Wurzeln, Stamm, Ästen, Zweigen, Blättern, Nährstoffen im Boden, Wind, Regen, Sonneneinstrahlung usw. Der Baum ist aus diesem Betrachtungswinkel für sich genommen gar nicht »da«, sondern erst durch das Ineinandergreifen der diversen Faktoren, die ihn »ins Dasein erheben«. Wäre der Baum ein durchweg isoliertes und eigenständiges Phänomen, das unabhängig von Bedingungen existierte, könnte er nicht wachsen und gedeihen, da er für sein Vorhandensein nichts anderes bräuchte als sich selbst.‘
„Das absolut isolierte Individuum ist stets eine Illusion gewesen.“
„Das vollentwickelte Individuum ist [wäre] die Vollendung einer voll entwickelten Gesellschaft. Die Emanzipation des Individuums ist keine von der Gesellschaft, sondern die Erlösung der Gesellschaft von der Atomisierung, eine Atomisierung, die in Perioden der Kollektivierung und Massenkultur ihren Höhepunkt erreichen kann.“
“Mit der Vereinheitlichung des Planeten hat ein Prozeß der Nivellierung begonnen, den man mit Grauen erblickt. Was heute für alle allgemein wird, ist stets das Oberflächliche, Nichtige und Gleichgültige. Man bemüht sich um diese Nivellierung, als brächte sie die Einigung der Menschheit zuwege. In tropischen Pflanzungen und im nordischen Fischerdorf sieht man die Filme der Weltstädte.“ Jaspers. Die geistige Situation der Zeit (1931)
„Wir halten es nicht für wünschenswert, daß das Reich der Gerechtigkeit und Eintracht auf Erden gegründet werde (weil es unter allen Umständen das Reich der tiefsten Vermittelmäßigung und Chineserei sein würde), wir freuen uns an allen […], die sich nicht abfinden, einfangen, versöhnen und verschneiden lassen […], wir denken über die Notwendigkeit n e u e r Ordnungen nach …“
„Voller Ekel empfand Pasolini den Verlust all der besonderen kulturellen, geographischen, ethnischen und klassenspezifischen Physiognomien […] Die Amerikanisierung des Planeten war noch nicht so weit fortgeschritten wie heute, und dennoch war ihm bereits aufgefallen, daß all diese Unterschiede sich in einer einzigen kulturellen Wassersuppe auflösten, die von den Medien hochgekocht wurde.“
„Die Personen existieren nur füreinander als Repräsentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden im Fortgang der Entwicklung finden, daß die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.“ Marx. Das Kapital (1867) 2. Kap.
„Die Sprache des Marktes dringt heute in alle Poren ein und presst alle zwischenmenschlichen Beziehungen in das Schema der selbstbezogenen Orientierung an je eigene Präferenzen. Das soziale Band, das aus gegenseitiger Anerkennung geknüpft wird, geht aber in den Begriffen des Vertrages, der rationalen Wahl und der Nutzenmaximierung nicht auf.“ Jürgen Habermas
„Was wir wirklich überall beobachten können, ist das Eindringen der Reklame in alle unsere Lebensbereiche. Das ist auch durchaus verständlich, denn schließlich leben wir in einer Konsumgesellschaft. Nur hat sich diese Entwicklung sehr nachteilig ausgewirkt. Wir wissen seit den Pentagon-Papieren, daß Amerika in Vietnam einen Krieg um sein Image [also einen Reklamekrieg] geführt hat […] Man wollte unbedingt, daß die Welt daran glaubt, daß Amerika das stärkste Land der Welt ist. Alles geschah nach der Vorstellung, daß ein Faktum nur dann ein Faktum ist, wenn alle es glauben — was selbstverständlich auf einem Irrtum beruht. Denn: Wenn alle etwas glauben, ist auch ein Nicht-Faktum ein Faktum.“ H. Arendt
„LBJ, LBJ, how many kids have you killed today?“ Anti-Vietnam marching slogan
„Die Warenwelt ist die verlogenste aller Welten. Wörter und Zahlen verhalten sich wie menschen: alle machen mit. Keines springt aus der Reihe. Keines bittet, ruft oder schreit um Hilfe.“
„Dieses ständige Lügen zielt nicht darauf ab, das Volk eine Lüge glauben zu machen, sondern darauf, dass niemand mehr irgendetwas glaubt. Ein Volk, das nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann, kann auch nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden. Und ein solches Volk, das sich seiner Macht, zu denken und zu urteilen, beraubt sieht, ist auch, ohne zu wissen und zu wollen, dem Gesetz der Lüge vollständig unterworfen. Mit einem solchen Volk kann man dann machen, was man will.“
‘Wie viele Millionen sitzen jetzt vor dem Fernsehschirm und schauen sich die Werbesendungen an. Alle wollen sie mit dazugehören, wollen auch dieses Ding haben, das irgend jemand erfunden hat. So werden Millionen zu betrogenen Betrügern. Und davor, daß wir alle in vieler Hinsicht in der Gefahr leben, zu betrogenen Bürgern zu werden, graust es mir sehr viel mehr, als vor [einzelnen] Lügnern.“
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“Für die Klasse der Denker können folgende Maximen […] zu unwandelbaren Geboten gemacht werden: 1) Selbst denken. 2) Sich (in der Mitteilung mit Menschen) in die Stelle jedes anderen zu denken. 3) Jederzeit mit sich selbst einstimmig zu denken. Das erste Prinzip ist negativ (nullius addictus iurare in verba magistri), das der zwangsfreien, das zweite positiv, der liberalen, sich den Begriffen anderer bequemenden, das dritte der konsequenten (folge-rechten) Denkungsart.“
Kant. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798)
„In einer Reihe gezwungen fortzudenken ist mir eine Qual.“
„Die Ordnung des gegenwärtigen Lebens schwäche die Menschen im allgemeinen so, daß der ständige Appell an das selbständige, unbeirrte, konsequente Denken eigentlich nur darüber betrügen solle, daß es das heute nicht mehr gebe.“
„Ich glaube, ich habe nie eine Gedankenbewegung e r f u n d e n, sondern sie wurde [mir] immer von jemand anderem gegeben.“
„Wir kommen nie zu Gedanken. Sie kommen zu uns.“
„Kein Gedanke ist so alt oder absurd, daß er nicht unser Wissen verbessern könnte.“ Paul Feyerabend
„Heraklit erklärt ausdrücklich, der Mensch sei <von Haus aus> vernunftlos.“
„Ein Gedanke kommt, wenn »er« will, und nicht, wenn »ich« will, so daß es eine Fälschung des Tatbestandes ist zu sagen: das Subjekt »ich« ist die Bedingung des Prädikats »denke«. Es denkt, aber daß dies »es« gerade jenes alte berühmte »Ich« sei, ist, mild geredet, nur eine Annahme, eine Behauptung. – Zuletzt ist schon mit diesem »es denkt« zu viel getan: schon dies »es« enthält eine Auslegung des Vorgangs und gehört nicht zum Vorgange selbst.–“ Nietzsche. Jenseits von Gut und Böse (1886)
”Die Moderne hat das Subjekt hervorgebracht als ein sich doppelt auf sich selbst beziehendes Wesen, nämlich als Grund aller möglichen Erkenntnis und als Angst vor der Haltlosigkeit dieses sich selbst setzenden Grundes. Mit diesem Wesen, das immer zugleich grandios und hilflos ist, muß der einzelne leben.“
„Vor zehntausend Jahren sagte man: der Himmelsgott regnet, donnert usw. Eines Tages haben sich der Himmel, Gott hinter dem Pronomen »es« versteckt. Vielleicht (sofern die Sprachen sich einige Verwandlungskraft bewahrt haben) sagt man morgen: »Es denkt«, »es will« anstatt ICH – diese Verben würden unpersönlich, die Wörter Geist, Wille, Seele usw. würden sich zu Dyaus und Coelum gesellen. Und Ausdrücke wie Ich denke, ich handle entpuppten sich als Antiquitäten.“
„Die Kritik der Vernunft läßt nicht zu, daß man Jüdische Mythologie für Philosophie ausgebe, noch auch, daß man, ohne Umstände, von der »Seele« als einer gegebenen Realität, einer wohlbekannten und gut ackreditirten Person rede, ohne Rechenschaft zu geben, wie man zu diesem Begriff gekommen sei und welche Berechtigung man habe, ihn wissenschaftlich zu gebrauchen.“
„The whole dear notion of one’s own Self – marvelous old free-willed, free-enterprising, autonomous, independent, isolated island of Self – is a myth.“
„Das Thema dieser Zeit ist Selbsterhaltung, während es gar kein Selbst [mehr] zu erhalten gibt.“
„Menschen leiden, weil sie glauben, irgendwo müsse es einen unveränderlichen Wesenskern geben, und wenn sie ihn fänden und sich mit ihm verbinden würden, wären sie vollkommen zufrieden.“
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„Die erste Idee ist natürlich die Vorstellung von mir selbst als einem absolut freien Wesen.“ [Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus]
„Die Freiheit des Volkes liegt in seinem privaten Leben; niemand soll es stören. Möge der Staat nur die Gewalt sein, welche diesen Zustand der Einfalt gegen die Gewalt selbst schützt.“
„Le peuple est un éternel enfant […]“ Saint-Just
„Die Freiheit! Freilich, die Freiheit, wie sie heute möglich ist, ist ein kümmerliches Gewächs. Aber immerhin Freiheit, immerhin ein Besitz. –“
„Ein Mann kann nur er selbst sein, solange er allein ist; und wenn er die Einsamkeit nicht liebt, wird er die Freiheit nicht lieben; denn nur wenn er allein ist, ist er wirklich frei.“
„Warum wandern die Tschuktschen aus ihrem schrecklichen Lande nicht aus, überall würden sie besser leben, im Vergleich zu ihrem gegenwärtigen Leben und zu ihren gegenwärtigen Wünschen. Aber sie können nicht; alles was möglich ist, geschieht ja; möglich ist nur das, was geschieht.“ Kafka. Tagebuch (5. Jan. 1914)
‘Der Mensch, so Spinoza, sei insofern frei, als er den wahren Grund seiner Entscheidung nicht kenne.’
„Meine Motive bilden ein so komplexes Netzwerk, dass es für mich undurchschaubar ist. Wenn kein innerer oder äußerer Zwang erlebt wird und ich nicht zu viel und nicht zu wenig Auswahl habe, fühle ich mich frei – obwohl ich determiniert bin.“ Gerhard Roth
“Ich werde ein Greis. Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, wenn man nicht meint, irgendjemand in der Welt irgend etwas zu schulden, und dazu braucht einer noch nicht am Stock zu gehen oder im Rollstuhl zu sitzen; es gibt auch wanderfähige Greise. Vorderhand erschreckt mich noch meine zunehmende Nachlässigkeit gegenüber Freunden, meine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Ereignissen, meine zunehmende Freiheit …” Max Frisch
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„Wie frei ist unsere Wissenschaft? Seit Jahrzehnten nimmt die freie Forschung an unseren Universitäten und Fachhochschulen dramatisch ab. Nur mehr mit gut jedem zweiten Forschungs-Euro kann heute an deutschen Hochschulen frei und unabhängig geforscht werden, für die andere Hälfte gibt es genaue Vorgaben, worüber zu forschen ist und worüber nicht. Die Vorgaben kommen vor allem aus der Staatsbürokratie, die sehr eng mit Industrielobbyisten kooperiert, oder direkt aus der Industrie. Kurz: Ein immer größerer Teil unserer Hochschul- forschung wird direkt oder indirekt durch Industrievorgaben gelenkt.“
„In Industriekonzernen geht es um Gewinnmaximierung, nicht um Wahrheitsfindung. Wenn Gewinn und Wahrheit in Konflikt kommen, dann zieht die Wahrheit normalerweise den Kürzeren. […] Die Folgen gekaufter Wissenschaft sind fatal. Nicht nur der Dieselskandal, sondern gekaufte Tabak- und Pharma-forschung, durch Konzerne manipulierte Lebensmittel- und Chemieforschung usw. usw. zeigen immer das gleiche Schema: Forschung wird zu Gunsten der Gewinne und zu Lasten unserer Gesundheit manipuliert.“
„Wollen wir, dass dieses Prinzip – Gewinn vor Wahrheit – immer stärker in unsere Hochschulen einzieht, wie es seit Jahrzehnten der Fall ist?“
„Die Ergebnisse der industriefinanzierten Forschung fließen über laufende Studienpublikationen systematisch in die öffentliche Meinung ein.“
„Bis zu 2 Prozent aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen könnten mittlerweile Fake Papers sein. Sie können es bis in Meta-Analysen oder KI-Datenbanken schaffen und dort Ergebnisse verfälschen.“
„Die Zigarettenindustrie hat die Blaupause auch für alle anderen Industriezweige entworfen, erprobt und für gut befunden: Wie kann man die Wissenschaft so verwenden, dass die Gewinne optimiert werden? Wie kann man wissenschaftliche Ergebnisse so beeinflussen oder, wenn es sein muss, auch fälschen, dass sich in der öffentlichen Meinung und der politischen Arena die Lobbymeinung durchsetzt?“
“Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Rauchen doch nicht schädlich ist – gezeichnet Dr. Marlboro.” Otto Waalkes
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„Generell ist der Befund der Forscher, dass den Deutschen ihre Sicherheit lieber als ihre Freiheit ist. Das Institut an der SRH-Hochschule Heidelberg misst dies in einem umfassend angelegten »Freiheitsindex«. Auf dessen Skala von minus 50 bis plus 50 rangieren die Deutschen in diesem Jahr auf einem Mittelwert von minus sieben. Das heißt: Nach wie vor befindet sich Freiheit damit im Hintertreffen gegenüber konkurrierenden Werten wie Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Tendenz weiter sinkend.“
„Da bricht sich das extreme Sicherheitsdenken, zu dem die Deutschen neigen, schnell Bahn. Viele sehnen sich dann nach dem starken, zupackenden Staat.“
„Globalia ist eine ideale Demokratie. Jeder ist in seinem Handeln frei. Die natürliche Neigung der Menschen besteht allerdings darin, die Freiheit zu missbrauchen, um die der anderen zu beeinträchtigen. Die größte Bedrohung der Freiheit ist die Freiheit selbst. Wie verteidigt man die Freiheit gegen sich selbst? Indem man allen Sicherheit garantiert. Sicherheit ist Freiheit. Sicherheit ist Schutz. Schutz ist Überwachung. Überwachung ist Freiheit.“ Jean-Christophe Rufin
„Bei dem Versuch, der totalitären Bedrohung ihrer eigenen Werte und ihrer Existenz schlechthin zu begegnen, sieht sich der konstitutionelle demokratische Staat vor das gößte Dilemma seit seiner Entstehung gestellt. Entschließt er sich, Feuer mit Feuer zu bekämpfen und den totalitären Angreifern den Gebrauch der demokratischen Freiheiten zur letztlichen Zerstörung aller Freiheit zu verwehren, handelt er gerade den Grundsätzen der Freiheit und Gleichheit zuwider, auf denen er selbst beruht. Hält er aber an den demokratischen Grundwahrheiten auch zugunsten ihrer geschworenen Feinde fest, setzt er seine eigene Existenz aufs Spiel.“ Karl Loewenstein. Verfassungslehre (1959)
„Ich sende täglich meine heißen Gebete zu den Manen des Hippokrates, daß sie mich bewahren mögen vor drei Krankheiten: vor dem Wahne, frei zu sein, vor dem rasenden Bestreben, frei zu werden und vor der Verzweiflung, nicht frei werden zu können.“ Ludwig Börne
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„Summiert man sämtliche Tierversuche, die im Namen der Forschung im Laufe der Jahrtausende gemacht wurden, kommt man auf astronomische Zahlen. Dennoch treten immer wieder neue Krankheiten auf und nehmen altbekannte wie Krebs oder Aids an Häufigkeit massiv zu. Die Existenz-berechtigung von Tierversuchen muss mehr denn je in Frage gestellt werden. Es ist gar in Betracht zu ziehen, dass die Fixierung auf Tierversuche die Menschheit bisher in falscher Sicherheit gewiegt und ihr den Blick auf eine bessere Forschung versperrt hat.“
„Weltweit starben mindestens 100 Menschen durch den Blutfettsenker Lipobay. Firmeninterne Papiere zeigen, dass dem Konzern das erhöhte Risiko bereits vor der Markteinführung bekannt war. Das Management gab die Devise aus: »Wir wissen nicht, wo die rechtliche Grenze ist, bis wir auf sie gestoßen sind«“.
„Auch das Rheumamittel Vioxx und das Herzpräparat Trasylol sind Beispiele dafür, dass Tierversuche gravierende, oft sogar tödliche Nebenwirkungen, die schließlich zur Marktrücknahme von Medikamenten führen, nicht verhindern können“.
„Das Begehren [in der Schweiz] fordert ein Verbot von Tierversuchen in der Verfassung. Tierversuche seien ineffizient: Die Körper von Tieren unterschieden sich zu stark von jenen von Menschen, als dass sich daraus relevante Erkenntnisse gewinnen liessen. Von 100 Wirkstoffen versagten 95 im Menschenversuch, trotz scheinbar erfolgversprechender Ergebnisse im Tierversuch.“
„Thalidomid wurde 1957 als Contergan vom Pharmaunternehmen Grünenthal auf den Markt gebracht. Es galt als harmloses Schlaf- und Beruhigungsmittel und wurde u.a. zur Behandlung von morgendlicher Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt. Dies führte in nur vier Jahren zu teils schweren Missbildungen bei rund 10.000 Neugeborenen. […] Mäuse, denen Thalidomid in einer Konzentration von 4000 mg/kg verabreicht wurde, zeigten keine Thalidomid-spezifischen teratogenen Effekte. Beim Mensch reichten 0,5 mg/kg.“
„Vor der Wiedervereinigung gab es in der DDR ca. 2500 Medikamente. Von den Autoren der »Bitteren Pillen« wurden sie mehrheitlich mit »zweckmäßig« beurteilt; dagegen versahen sie 60% der 80.000 Medikamente in der BRD mit den Prädikaten »abzuraten« und »wenig zweckmäßig«. Auch heute gibt es in der Lobbyrepublik Deutschland keine industrie-unabhängige, kritische Prüfung von Medikamenten, aber einen gewaltigen Werbeaufwand für die Mehrheit der [fragwürdigen] Produkte.”
„Der globale Pharmamarkt erlebte 2024 ein beispielloses Wachstum: Die umsatzstärksten Medikamente erzielten zusammen einen Umsatz von über 116 Milliarden US-Dollar. Angeführt wurde dieser Aufschwung von Mercks Immunonkologie-Therapie Keytruda , die mit einem Umsatz von fast 29,5 Milliarden US-Dollar ihre Position als weltweit umsatzstärkstes Medikament behauptete. Immunonkologie ist ein moderner Ansatz der Krebsbehandlung, der das körpereigene Immunsystem aktiviert und stärkt, damit es Krebszellen selbst erkennen und zerstören kann, anstatt den Tumor direkt anzugreifen, wie es bei Chemo- oder Strahlentherapie der Fall ist.“
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„Die physischen Geißeln und Drangsale der menschlichen Natur haben die Gesellschaft notwendig gemacht. Die Gesellschaft hat die Leiden der Natur noch gesteigert. Die Nachteile der Gesellschaft haben die Regierung notwendig gemacht, und die Regierung steigert noch die Leiden der Gesellschaft. Das ist die Geschichte der menschlichen Natur.“
Chamfort. Maximen und Gedanken (1794)
„Der Mensch hat noch immer steinzeitliche Gefühle, mittelalterliche Institutionen und eine gottgleiche Technik. Und damit müssen wir umgehen. Wie oft wissen wir etwas nicht – auch in der Politik –, weil wir die menschliche Natur nicht genug verstehen. Wir haben sie bisher noch nicht sorgfältig nach allen Regeln der Wissenschaft studiert Was wir brauchen ist eine neue Aufklärung. Im 18. Jahrhundert war die Wissenschaft noch nicht so weit. Aber jetzt können wir es schaffen.“ Edward O. Wilson
„Für mich ist die Menschheit biologisch in Gefahr. Ich meine jetzt nicht nur die Auswirkungen auf die Natur, sondern die ganze Entwicklung der Menschheit selbst, diesen ungeheuren Gegensatz zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir tun. Wir wissen alles, und wir treiben unser Wissen ins Ungeheure, aber wir sind im Grunde die geblieben, die wir immer waren. Und dass sich das nicht geändert hat, dass der Mensch mit den alten Feindbildern, den alten Trieben weiterlebt – dadurch ist die Menschheit in einen gefährlichen Engpass hineingekommen. Inwiefern ist – um ein Schlagwort zu gebrauchen – unser Hirn nicht falsch programmiert? Das ist eine wirklich ernste Frage. Denn wir leben nicht so, wie wir es von unserem Verstande her könnten.“ Dürrenmatt
„Das Rationale am Menschen sind seine wenigen Einsichten, das Irrationale, daß er höchst selten danach handelt.“
„Trotz aller unserer Kenntnisse verhalten wir uns immer noch wie die Höhlenmenschen von einst”
„Eine Einsicht, die die Bedingungen des Lebens nicht mit denen des kapitalistischen Systems konfrontiert, dh den Widerspruch verdeutlicht, ist nahezu wertlos. Das System selbst ist ziellos; es »will« immer nur das Eine: daß der Profit sich durch immer neuen Einsatz an der Börse oder durch immer neue Investitionen in der Produktion vergrößert. Es kann sich kurzfristig be-ruhigen, nicht aber dauerhaft be-friedigen. Sein »natürliches« Ende wird es erst erreichen, wenn es alle natürlichen Mittel, zu denen auch der mensch gehört, verschlungen hat.“
„In der globalen Wirtschaft gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die durch ihre immense Marktkapitalisierung herausragen und die Spitze der finanziellen Ranglisten anführen.Die Marktkapitalisierung ist ein wesentlicher Indikator, der den Gesamtwert eines börsennotierten Unternehmens widerspiegelt. Sie wird ermittelt, indem der aktuelle Aktienpreis mit der Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien multipliziert wird.“
„Über die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus lassen sich klare empirische Aussagen treffen. Die Macht und Konzentration von Konzernen wächst unaufhörlich. Vergleichen wir Bruttoinlandsprodukt und Umsatz, so sind unter den größten 200 Ökonomien der Welt aktuell 129 Großkonzerne. Staaten sind die Minderheit. Konzerne sind zudem untereinander so eng verflochten, dass lediglich 147 von ihnen fast die Hälfte des Werts aller 43.000 transnationalen Konzerne kontrollieren.“
„Die Bilanzaktiva der Erdölgesellschaft Exxon Mobile sind größer als das Bruttoinlandprodukt Österreichs, und die Aktiva von General Motors übertreffen das Inlandsprodukt Dänemarks.“
„Der US-Bundesstaat California könnte demnächst die Lobbyrepublik Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überholen.“
“Viele Großkonzerne sind eng mit dem Finanzsektor verwoben oder kaum mehr von ihm zu unterscheiden. Die drei großen Vermögensverwalter BlackRock, Vanguard und State Street sind die Hauptaktionäre von 88 Prozent der 500 größten Unternehmen weltweit.“
„BlackRock, führend im globalen Finanz-Netzwerk, ist der größte und damit auch mächtigste Vermögensverwalter. In Deutschland ist er an allen 40 Dax-Konzernen beteiligt und an insgesamt 18.000 Unternehmen weltweit. Einer seiner ehemaligen Chefs ist Bundeskanzler in Deuschland geworden. Gegenwärtig verwaltet Blackrock nach eigenen Angaben private Vermögenswerte im Umfang von zehn Billionen Dollar. Doch das ist öffentlich kaum bekannt und wird wenig diskutiert.“
„»Der Kapitalismus ist nicht nur mörderisch, sondern total absurd! Er tötet ohne Notwendigkeit«, sagt Jean Ziegler im Interview. »Und die 500 größten Konzerne haben mehr ideologische, militärische, technologische und politische Macht als es je ein Kaiser, König oder Papst hatte – ohne parlamentarische und soziale Kontrolle«.“
„Große Konzerne und die dahinterstehenden Eigentümer bestimmen jeden Tag über die Produktion von Gütern und Dienstleistungen im Wert von dutzenden Milliarden. Es ist also eindeutig, wo die Macht über unsere Wirtschaft liegt.“
„Dass dem gewaltigen Anwachsen der Finanzvermögen kein entsprechendes Wachstum von Gütern und Dienstleistungen gegenübersteht, ist von größter Bedeutung. In einer Volkswirtschaft entsprechen die finanziellen Vermögen der einen immer den finanziellen Verbindlichkeiten der anderen. Die Finanzialisierung ist so etwas wie eine dramatische Bilanzverlängerung, also eine Aufblähung von Vermögens- und Schuldenwerten, die sich aber nicht immer als werthaltig erweisen.“
„Volkswirtschaften entwickeln sich häufig dahin, dass Menschen durch Investitionserträge und Bestandsvermögen wie Immobilien mehr erwirtschaften, als sie durch eigene Arbeit oder auch durch Investitionen in die »produzierende« Wirtschaft verdienen können. Diese »Finanzialisierung« der Volkswirtschaft(en) schreitet immer weiter voran.“
„Die Börse, das Allerheiligste der Weltwirtschaft“ F.F. Kovacs
„Spekulierst du nicht, akkumulierst du auch nicht.“
„In der Weltwirtschaft wird mittlerweile mehr gewettet als produziert. Das Volumen des Finanzmarkts ist viermal so groß wie das der Realwirtschaft.“
„Das wird, glauben Sie mir, die Ursache auch des nächsten, aber wohl noch nicht letzten Zusammenbruchs sein. Und wieder werden, wenn es nicht der letzte ist, nicht die Verursacher, sondern die Geschädigten für den Schaden aufzukommen haben. Darin sind sich die Staaten, die sich Demokratie nennen und sich vor allem um das Wohlergehen der Wohlhabenden kümmern, einig.“
„Chruschtschow ließ Devisenspekulanten hinrichten.“
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„Der effektivste Weg, Demokratie zu beschränken, ist die Verlagerung von Entscheidungen aus der öffentlichen Sphäre heraus in Institutionen, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden können: Könige und Prinzen, Priesterkasten, Militärjuntas, Parteidiktaturen, oder moderne Unternehmen.“
„Die Regierung sei nicht die Lösung, sondern das Problem, erklärte Reagan in seiner Antrittsrede. Damit meinte er, dass Entscheidungen von Regierungen, die […] teilweise unter öffentlicher Kontrolle stehen, auf private Macht übertragen werden sollten, die der Öffentlichkeit keinerlei Rechenschaft schulde und deren einzige Verantwortung die Selbstbereicherung ist, wie der Ökonom Milton Friedman proklamierte.“
„Im Jahr 2018 wurde zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten das Kapital weniger besteuert als die Arbeit — ein wirklich beeindruckender Sieg in diesem Klassenkampf, der in der aktuell hegemonialen Doktrin [Kampf um die] »Freiheit« genannt wird.“
„Dass es keine Gesellschaft gebe, sondern nur einen Markt, auf den die Menschen per Geburt geworfen werden, lehrte Margaret Thatcher. Aufgabe aller sei es, so gut wie möglich zu überleben, und zwar ohne Organisationen, die es den Entmachteten ermöglichen, sich gegen die zerstörerischen Kräfte des Marktes zu wehren.“
„»Freie Märkte« führen zu einer Monopolisierung mit weniger Wettbewerb und Innovation, da die Starken die Schwachen schlucken.“
„Reaganomics & Thatcherismus setzten auf Deregulierung, Privatisierung und die Reduzierung staatlicher Eingriffe, was die Basis der Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen schwächte oder zerstörte.“
„Im August 1981 streikten rund 13.000 Mitglieder der Gewerkschaft Professional Air Traffic Controllers Organization (PATCO), obwohl Streiks im öffentlichen Dienst verboten waren. Reagan entließ die streikenden Lotsen, die nicht innerhalb von 48 Stunden an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, und verbot ihnen lebenslang den Dienst im öffentlichen Bereich.“
„Die neoliberale Globalisierung hat ganze Regionen im Rahmen der Investorenrechtsabkommen, die fälschlicherweise als solche des »Freihandels« bezeichnet werden, deindustrialisiert. Mit der Annahme der Doktrin, dass »Besteuerung Raub ist«, öffnete Reagan die Tür für Steuerparadiese und Briefkastenfirmen — die zuvor verboten und durch wirksame Rechtsdurchsetzung praktisch ausgeschlossen waren. Es entstand eine riesige Steuerhinterziehungsindustrie, die den Raubüberfall auf die breite Bevölkerung durch die Reichen und die Konzerne beschleunigte.“
„Die Politik ist nachgerade zu einem Spielball der Wirtschaft geworden. Solches behaupten nicht nur »Linke«, sondern auch »Bürgerliche«. Kommt man mit den Vertretern beider grundsätzlicher Anschauungen ins Gespräch, so stellt man sehr rasch eines fest: die Begriffe »Wirtschaft« und »Politik« verschwimmen ins Unbestimmte, bald diese, bald jene Vorstellung einschließend.“
„Die Sorge um eine Deindustrialisierung Deutschlands wächst. Die Bedrohung für den Wirtschaftsstandort besteht aber im Primat der Wirtschaft über Politik und Gesellschaft, das Kern des deutschen Wirtschaftsmodells ist. Dieses Primat ist ungeeignet für eine Welt, die zunehmend von Krisen und Veränderung geprägt wird. Anstatt am alten Modell festzuhalten, muss Deutschland sich wirtschaftlich und politisch neu erfinden. Dies erfordert zuallererst, dass sich die Politik – über Parteigrenzen hinweg – vom Einfluss der Unternehmen emanzipiert und unabhängig macht.“
„Wie soll das gelingen, solange es den Parteien in Deutschland erlaubt ist, was in anderen Ländern, z.B. Frankreich, verboten ist: sich mit Spendengeldern zu mästen.“
„Ist die CDU ein Geschäftsunternehmen oder eine Partei?“
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„Mit Kierkegaard fängt die moderne Existenzphilosophie an. […] Zu dieser erklärten Welt befindet sich der Einzelne in dauerndem Widerspruch, weil seine »Existenz«, nämlich die reine Faktizität seines Existierens in seiner ganzen Zufälligkeit (daß ich gerade ich bin und niemand anderes, und ich gerade bin und nicht nicht bin) weder von Vernunft vorhergesehen noch von ihr in etwas rein Denkbares aufgelöst werden kann. Diese Existenz aber, die ich augenblicklich jeweils bin, und die ich mit Vernunft nicht begreifen kann, ist das Einzige, dessen ich wirklich im Sinne unfragbarer Existenz gewiß sein kann.“
„Es ist widersinnig, daß wir geboren werden, es ist widersinnig, daß wir sterben.“
„Zu der Demuth, welche spricht: credo quia absurdum est und ihre Vernunft zum Opfer anbietet, brachte es wohl schon Mancher: aber Keiner, so viel ich weiß, bis zu jener Demuth, die doch nur einen Schritt davon entfernt ist und welche spricht: credo quia absurdus sum.“ Nietzsche
»Wider alle Vernunft, ja wider alles Zeugnis der Sinne muß man lernen am Glauben festhalten«“ Luther
„[…] die mit dem Teufel ein Bündnis eingehen, können durch Zauberei die Leute blind, lahm, krank machen und töten, wie ich es öfter selbst gesehen habe. Zudem können sie Ungewitter hervorbringen, Früchte auf dem Feld verderben und das Vieh umbringen.” Luther
„Den Sinn für das Absurde praktiziere ich [in meinen Filmen] wie eine Religion.“
„Die Unaufhörlichkeit [des Sinnlosen] wird das Menschheitsgefühl des 21. Jahrhunderts sein.“
„Das Gefühl des Absurden entsteht aus dem Widerspruch zwischen dem Bewusstsein, dass der Sinn, den wir dem Leben beigemessen haben, nur in unseren Köpfen existiert, und der unabweisbaren Erkenntnis, dass das Universum als solches sinnlos ist. Das Bewusstsein der Absurdität kann den Menschen plötzlich ergreifen, wenn die Kulissen des Alltags zusammengebrochen sind und er nun der Fremdheit und Feindseligkeit der Welt unvermittelt und schutzlos gegenübersteht.“
„Wir glauben kollektiv, dass diese [wirtschaftliche] Ordnung zwar für viele Menschen schrecklich ist, aber »Naturgesetzen« gehorcht. Die neoliberale Wahnidee behauptet, dass die Finanzmärkte autonom entscheiden. Diese sanktionieren die Staaten, wenn ihnen ein Gesetz nicht passt. Abwanderungen von Industrien, Flucht des Kapitals sind die Sanktionsmittel. Viele Menschen glauben, dass sie dagegen keine Macht haben. Diese Entfremdung schreitet unglaublich schnell voran.“
„Was glauben Sie? Könnte bei der nächsten Generalversammlung des Internationalen Währungsfonds einmal nicht für die Gläubigerbanken in Frankfurt, London und Zürich gestimmt werden, sondern für die sterbenden Kinder? Wie wäre es, wenn endlich für die Totalentschuldung der ärmsten 50 Länder der Welt gestimmt würde, damit diese in Schulen, Krankenhäuser und Landwirtschaft investieren können. Halten Sie das für möglich? Dann wissen Sie zwar noch nicht alles, aber etwas sehr Wichtiges über den Kapitalismus: Was auch getan wird – es muß sich rentieren. Sonst ist es wertlos.“
„Das ist der totale Sieg der Finanzoligarchie: Sie überzeugt den Menschen von seiner eigenen Ohnmacht. Es ist erstaunlich, dass die meisten Länder, aus denen die Konzern- und Finanzmonster kommen, demokratische Rechtsstaaten sind.“
„Wie wäre es, wenn in allen Ländern, in denen es Fernsehen gibt, ein Kanal eingerichtet würde, auf dem 24 Stunden am Tag über den Zustand der menschheit berichtet wird? Wäre das nicht das erste, was eine menschheit täte, die als ein spät – vielleicht zu spät – gewordenes Subjekt ein Interesse an ihrer Rettung gewonnen hätte?”
„Der Mensch fragt. Und was macht die Welt? Sie schweigt. Sie ist groß im Nichtantworten auf die wesentlichsten, die drängendsten Fragen. Ist das nicht – absurd?“
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„Das Mädchen ist zwei Jahre alt. Die Polizei hat es vor wenigen Wochen gefunden. Sughra war so gut wie tot. Sie lag im Müll. Jetzt lebt sie mit 45 Kindern in diesem Waisenhaus. In Karachi. Viele können nicht laufen. Alle haben Unglaubliches erlebt. Die meisten sind Mädchen. Es sind Kinder, die keiner wollte. Und die dann in den Müll geworfen wurden.“
„Es gibt bei der Nahrung keinen objektiven Mangel mehr, das war vor Generationen anders. Heute wird ein Kind, das an Hunger stirbt, ermordet.“
„Ein Mord! Was ist ein Mensch? Ein Nichts! So ist denn auch ein Mord ein Nichts!“
„Diese absurde Weltordnung ist von Menschen gemacht, also kann sie von Menschen gestürzt werden.“
„Das dürfte der allgegenwärtige und übermächtige Kapitalismus, der keinen Sinn darin sieht, seine Opfer zu zählen, verhindern wollen und auch können. Es könnte allerdings sein, dass er sich selbst zugrunde richtet.“
„Wir leben ja ununterbrochen in Absurdität, in nichts anderem. Bedenken Sie doch, daß alles absurd ist. Der absurde Gedanke ist der einzig wahre Gedanke und die absurde Welt ist die einzig wahre Welt.“
„Zukunft der Menschheit, Völkerrecht, nichts als albernes Geschwätz.“
„Und doch kann […] niemand etwas aus der Geschichte lernen, denn sie enthält ja nur eine Masse von Torheiten und Schlechtigkeiten.“
“Ich bin nicht so alt geworden, um mich um die Weltgeschichte zu bekümmern, die das Absurdeste ist, was es gibt; ob dieser oder jener stirbt, dieses oder jenes Volk untergeht, ist mir einerlei; ich wäre ein Tor, mich darum zu bekümmern.” Goethe, nicht zu Eckermann, sondern Kanzler Müller, am 6.3.1828
„Wer glaubt, der flieht nicht, ruft Jesaja. Es ist natürlich naheliegend zu sagen, dieser Glaube müsse bekannt werden; wer so denkt, wer die Dinge so sieht […], müsse eingreifen, aufhalten, Revolution machen oder sich erschießen lassen. Dieser Ansicht bin ich nicht. Es gibt hinsichtlich dieser Dinge keinen allgemeinen Beweis, es gibt nur existentielle Gründe. Bei mir liegen diese Gründe in meinem persönlichen Unglauben an eine Bedeutung der geschichtlichen Welt.“ G. Benn
„Das, was lebt, ist etwas anderes als das, was denkt, dies ist eine fundamentale Tatsache unserer Existenz und wir müssen uns mit ihr abfinden.“
„Das philosophische Ich ist nicht der Mensch, nicht der menschliche Körper, oder die menschliche Seele, von der die Psychologie handelt, sondern das metaphysische Subjekt, die Grenze – nicht ein Teil der Welt.“
„»Metaphysisches Subjekt, nicht Teil der Welt«. Das kommt dabei heraus, wenn mensch der Sprache das Denken überläßt.“
„Merke Dir: all Dein Streben, Deine Mühen, Deine Ideale, Dein Wohlwollen, Deine Liebe – alles das ist in Wahrheit ins Leere gerichtet, ebenso wie Du selbst.“
„Von Nichts zu Nichts – ein Leben ohne Sinn. Freust du dich oder verzweifelst du?”
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“Schon 2025 sollen Menschen wieder auf dem Mond landen – und länger bleiben als je zuvor. Das eigentliche Ziel: Vom Mond aus zum Mars fliegen – ein Unterfangen, gespickt mit unzähligen Herausforderungen und grossen Risiken. Lebenserhaltungssysteme, Robotik, Ressourcen- management, Strahlungsschutz und andere Technologien, die eine bemannte Reise zum Mars überhaupt erst ermöglichen, werden auf dem Mond getestet.”
“Es ist, als seien wir wie im Märchen einem Zauberspruch verfallen, der uns die Gabe verliehen hat, das »Unmögliche« zu tun unter der Bedingung, daß wir die Fähigkeit, das Mögliche zu tun, verlieren, als gelinge uns das Außerordentliche nur noch um den Preis, daß wir alltägliche Bedürfnisse [unserer und anderer Arten] nicht mehr zu befriedigen wissen.”
„Mit welchem Rechte vertieft ihr euch in die Erforschung der schwierigsten Welt- und Daseinsrätsel, während um euch her noch Menschen leben, mit dem gleichen Anspruch auf Erkenntnis ausgestattet wie ihr – und unfähig, die einfachsten Gedankenreihen zu bilden…?“ Marie von Ebner-Eschenbach.
„Die Analphabetenrate von 256 Millionen bei Spitzenreiter Indien entspricht einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent.“
„Nur 4 Prozent des Gesamtvermögens der 225 größten Vermögen (die insgesamt 1 Billion Dollar wert sind) würden ausreichen, um Bildung, Ernährung und medizinische Grundversorgung für die gesamte Weltbevölkerung zu finanzieren.“
„Der Schmelzprozeß zwischen leistungslosem Reichtum und ihn schützender Politik hält an. Bald werden sie kaum unterscheidbar verbunden sein wie im Innern der Erde Nickel und Eisen.“
„Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht. In Demokratien sind die Staatsmänner Marionetten, die Kapitalisten Drahtzieher: sie diktieren die Richtlinien der Politik, sie beherrschen durch Ankauf der öffentlichen Meinung die Wähler, durch geschäftliche und gesellschaftliche Beziehungen die Minister. Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer geworden ist.“
„Dans tout État policé, la richesse est chose sacrée; dans les démocraties elle est la seule chose sacrée.“
