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Der VRN fordert von der Landespolitik eine gerechtere Priorisierung von Infrastrukturprojekten im SPNV. Foto: VRN GmbH
Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat das neue SPNV-Ranking für das erste Halbjahr 2025 veröffentlicht – mit ernüchternden Ergebnissen für die S-Bahn Rhein-Neckar. Die beiden Teilnetze Los 1 und Los 2, die den Großteil des S-Bahn-Verkehrs in der Metropolregion abdecken, sind im landesweiten Vergleich deutlich abgerutscht. Besonders kritisch ist die Entwicklung in Los 2 (S5 bis S10), das mit Platz 32 nun das Schlusslicht unter allen bewerteten Netzen bildet.
„Das Ergebnis der S-Bahn Rhein-Neckar im aktuellen SPNV-Qualitätsranking des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg überrascht uns nicht. Die Herausforderungen im S-Bahn-System Rhein-Neckar sind seit vielen Jahren bekannt – sie liegen in einer unzureichenden Infrastruktur begründet, die über Jahrzehnte von der DB und der Landespolitik vernachlässigt wurde“, macht Dr. Michael Winnes, Geschäftsführer der Verkehrsverbund Rhein Neckar (VRN) GmbH, deutlich. „Ohne eine leistungsfähige Infrastruktur stoßen wir im Betrieb zwangsläufig an Grenzen. Der Schienenknoten Rhein-Neckar ist heillos überlastet, hier überlagern sich Güter-, Fern- und Nahverkehr in einem hausgemachten Flaschenhals. Verspätungen für die Fahrgäste und die auf den Güterverkehr angewiesenen Unternehmen sind die Folge – und darunter leidet die Gesamtqualität, wie das Ranking verdeutlicht.“
Überlastete Infrastruktur als Hauptursache
Immer mehr Züge teilen sich zu wenige Gleise. Das beeinträchtigt die Pünktlichkeit massiv und betrifft längst nicht nur die S-Bahn, sondern auch den Regional- und Fernverkehr und ganz massiv den Güterverkehr in ganz Süddeutschland, der über den zweitgrößten Rangierbahnhof der Republik und den zweitgrößten Binnenhafen mitten in Mannheim abgewickelt wird. Besonders kritisch ist die Situation auf der Strecke Heidelberg – Mannheim und der Riedbahn, auf der trotz der Generalsanierung aufgrund einer fahrplantechnischen Überbelegung von 148 Prozent die Pünktlichkeit nur knapp 80 Prozent erreicht.
„Wir brauchen dringend den Ausbau der Infrastruktur im Raum Rhein-Neckar – sonst lassen sich Qualität und Zuverlässigkeit im Regionalverkehr nicht verbessern. Der Ausbau zwischen Mannheim und Heidelberg auf vier Gleise ist ebenso überfällig wie eine Tunnelverbindung mit Fernverkehrsbahnsteigen für die Neubaustrecken Frankfurt – Mannheim und Mannheim – Karlsruhe“, fordert der VRN-Geschäftsführer deshalb mit Nachdruck. „Es kann nicht sein, dass ein Projekt wie der Pfaffensteigtunnel in Stuttgart problemlos in das Großprojekt Stuttgart 21 integriert wird, während man in Mannheim weiter auf kommunale Lösungen verweist. Die Metropolregion Rhein-Neckar braucht endlich die gleiche verkehrspolitische Wertschätzung wie andere Ballungsräume.“
Gesamtlage kritisch trotz punktueller Verbesserungen
Neben Los 2 (S5-S10), das sich gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024 (Platz 27) nochmals deutlich verschlechtert hat, ist auch Los 1 (S1 bis S3) stark betroffen. Das Netz, das im ersten Halbjahr 2022 noch auf Rang 12 lag, findet sich nun auf Platz 28 wieder.
Auch das Netz Neckartal, das von der SWEG betrieben wird, und zu dem unter anderem der RE10 (Heilbronn – Mannheim) gehört, liegt mit Platz 30 auf einem der hinteren Ränge (2. Halbjahr 2024: Platz 25). Dieses Netz bedient allerdings auch Linien außerhalb des Verbundgebiets.
Erfreulicher ist die Entwicklung in anderen Regionalnetzen im baden-württembergischen Teil des VRN-Verbundgebiets. Das Netz Hohenlohe-Franken-Untermain (u.a. Tauber- und Madonnenlandbahn) erreicht mit Platz 11 die beste Bewertung aller Netze im Raum und konnte sich deutlich verbessern (2. Halbjahr 2024: Platz 15). Auch das Karlsruher Netz Los 2, das unter anderem den RE 73 Karlsruhe – Heidelberg bedient, landet auf Platz 18 (2. Halbjahr 2024: Platz 22). Das Netz Franken-Enz, unter anderem mit dem RE 8 Stuttgart Heilbronn – Osterburken – Lauda – Würzburg landet auf Platz 25 (2. Halbjahr 2024 noch Platz 31).
„Diese Ergebnisse zeigen: Es gibt auch positive Entwicklungen. Aber es wird deutlich, wie stark die Infrastruktur den Betrieb beeinflusst – im Guten wie im Schlechten. Damit alle Netze im Land auf Augenhöhe betrieben werden können, braucht es ein deutliches politisches Signal mit klarer Prioritätensetzung und mutigen Investionen – auch hier bei uns in der Metropolregion Rhein-Neckar“, so Dr. Michael Winnes abschließend.
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Pressefoto: VRN fordert gerechtere Priorisierung von Infrastrukturprojekten
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