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Konjunktur springt auch zu Jahresanfang nicht an

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/ via ihk rhein-neckar /

IHK-Umfrage

Konjunktur springt auch zu Jahresanfang nicht an

Mannheim, 7. Februar 2025. Die Wirtschaft in der Rhein-Neckar Region bewertet ihre Lage zu Jahresanfang etwas besser. Auch die Erwartungen hellen sich zwar leicht auf, bleiben aber für das Gesamtjahr eher trüb. “Belastend wirkt die schwache Nachfrage vor allem im Inland. Die Unternehmen haben daher ihre Investitionsabsichten und Beschäftigungspläne eingedampft. Das hemmt wiederum die Wachstumsaussichten. Es fehlt an Impulsen, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Die Konjunktur springt nicht an”, resümiert Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresanfang 2025, an der sich 394 Unternehmen der Region aus allen Wirtschaftszweigen beteiligt haben.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung in der Rhein-Neckar-Region, beträgt aktuell 102 Punkte. Der Wert ist damit seit Oktober von 98 um vier Punkte gestiegen und befindet sich somit knapp oberhalb der wichtigen 100-Punkte-Marke, die tendenziell Wachstum anzeigt.
“Mit der Bundestagswahl verbinden die Unternehmen keine konjunkturellen Hoffnungen, sondern sie erwarten von der zukünftigen Bundesregierung Reformen, die die strukturellen Probleme des Standorts lösen: Kostenentlastungen, Bürokratieabbau und Planungssicherheit”, so der Hauptgeschäftsführer. “Denn hohe Kosten bei Steuern, Energie, Arbeit und Bürokratie lasten weiter wie Blei auf den Unternehmen.”
Im Durchschnitt aller Branchen melden aktuell 12 Prozent der Unternehmen per saldo eine gute Geschäftslage, was im Vergleich zum Herbst einen Zuwachs um sechs Prozentpunkte bedeutet. Die Beurteilung in den einzelnen Wirtschaftszweigen fällt aber unterschiedlich aus. Während die Dienstleister und der Einzelhandel ihre Geschäftslage im Saldo positiv bewerten, überwiegen in der Industrie weiterhin die negativen Stimmen. “Die Industrie hat weiterhin schwer zu kämpfen”, so Nitschke.
Die Geschäftsaussichten aller Branchen bleiben hingegen eingetrübt. Der Saldowert liegt aktuell mit -7 Punkten im negativen Bereich, im Oktober lag der Wert bei -10 Punkten. “Die ungewisse Lage auf den Weltmärkten, mögliche Handelskonflikte sowie die zahlreichen ungelösten strukturellen Probleme auf dem Heimatmarkt lassen bislang wenig Zuversicht aufkommen”, so Nitschke.

Die schwache Inlandsnachfrage (57 %, -5 PP) stellt für die Unternehmen weiterhin das größte Risiko dar. Danach folgen die hohen Arbeitskosten (54 %, +4 PP), welche die Unternehmen zunehmend einbremsen. Den dritten Platz der größten Hemmnisse teilen sich der Fachkräftemangel (48 %, -4 PP) sowie die hohen Energiekosten (48 %, +2 PP), wobei die Energiekosten häufiger und der Fachkräftemangel etwas seltener als Risiko benannt werden als im Herbst. Die Kritik an den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (39 %, -1 PP) bleibt hingegen fast gleich groß wie im Oktober. Knapp vier von zehn Unternehmen bewerten sie weiterhin als belastend. “Dass die Wirtschaftspolitik nun zum wiederholten Mal in den Top 5 der Geschäftsrisiken genannt wird, zeigt den dringenden Handlungsbedarf für die zukünftige Bundesregierung”, so Nitschke.

Die Exporterwartungen der Industriebetriebe in der Region sind zu Jahresbeginn wieder positiv. Der Saldo legt seit Herbst von -4 Punkten im Oktober auf +5 Punkte zu. Die Ausfuhrpläne auf den nordamerikanischen Markt sind bislang am stärksten. Auch die Exportabsichten nach Asien sind per saldo positiv, während sie für die europäischen Märkte im negativen Bereich bleiben. “In den kommenden Wochen und Monaten wird sich aber zeigen, ob der globale Handel von neuen Zöllen und Gegenzöllen ausgebremst wird. Unserer exportstarken Region würde solch eine Entwicklung massiv schaden”, sagt Nitschke. Alle Augen seien daher auf die neue US-Regierung gerichtet: “Die USA sind für unsere international vernetzten Unternehmen der wichtigste Markt. Das gilt für Exporte wie für Direktinvestitionen.”
In der Industrie zeigen die Lagebeurteilungen im Vergleich zum Herbst nur eine geringfügige Veränderung. Aktuell halten sich positive und negative Rückmeldungen in etwa die Waage, der Saldo liegt mit einem Punkt leicht im Minus. Die Industrieumsätze im In- und Ausland sind weiterhin rückläufig. Zusammengenommen meldet per saldo jedes vierte Unternehmen sinkende Umsätze. Diese Entwicklungen wirken sich auch auf die Geschäftserwartungen der Industriebetriebe aus, auch wenn der Blick in die Zukunft nicht mehr ganz so düster ist wie im Herbst. Lag der Wert zuletzt mit -23 Punkten klar im negativen Bereich, so liegt er aktuell bei nur noch -10 Punkten.
Die Einzelhändler schätzen ihre Lage aktuell besser ein als im Herbst, was vor allem am Weihnachtsgeschäft liegt. Der Lage-Saldo beträgt aktuell +5 Punkte, im Oktober waren es noch -6 Punkte. Bei den Erwartungen für die kommenden 12 Monate zeigt sich hingegen kaum eine Aufhellung. Zwar steigt der Saldo um vier Prozentpunkte, er liegt mit -17 Punkten aktuell jedoch weiterhin klar im negativen Bereich. “Das gestiegene Preisniveau, Arbeitsplatzsorgen und unklare politische Perspektiven wirken sich dämpfend auf das Verbrauchervertrauen aus, weshalb der Einzelhandel unter dem Strich eher pessimistisch auf das kommende Jahr blickt”, erklärt der Hauptgeschäftsführer.
Auch die Großhändler und Handelsvermittler der Region schätzen ihre Geschäftslage aktuell etwas besser ein als im Herbst. Der Lagesaldo ist nach einem Zwischentief im Herbst am Jahresbeginn wieder ausgeglichen. Die Aufträge und Umsatzerwartungen sind per saldo weiterhin negativ, die Geschäftserwartungen bleiben dementsprechend eingetrübt.
Im Vergleich mit den anderen Sektoren beurteilen die Dienstleister ihre Lage weiterhin am günstigsten. Aktuell liegt der Lagesaldo mit +19 Punkten im positiven Bereich, was einem Anstieg um sieben Punkte seit Oktober entspricht. Dabei melden insbesondere die Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen und auch aus dem Finanzgewerbe gute Geschäfte. Die Geschäftserwartungen zeigen sich gegenüber dem Herbst unverändert: Positive und negative Erwartungen halten sich auch zu Jahresbeginn die Waage.
Die Investitionsabsichten der Unternehmen gehen im Vergleich zum Herbst um 6 Prozentpunkte zurück. Der Investitionssaldo liegt aktuell mit fünf Punkten im negativen Bereich und ist damit so schwach wie seit vier Jahren nicht mehr. “Die Unternehmen scheuen große Investitionen, trotz der besseren Zinskonditionen. Hier schlagen die geringe Kapazitätsauslastung und die fehlende Nachfrage voll durch. Es droht sich der Trend zu verfestigen, dass wichtige zukunftsträchtige Investitionen, vor allem solche in Kapazitätserweiterungen und Produktinnovationen, verstärkt im Ausland getätigt werden. Vor Ort wird, wenn überhaupt, in erster Linie in Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungen investiert”, so Nitschke.
Die wirtschaftliche Rezession schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Zwar legen die Arbeitslosenzahlen im Januar traditionell zu – doch dieses Jahr fällt der Anstieg besonders drastisch aus. Bundesweit sind die Zahlen mit knapp drei Millionen Arbeitslosen so hoch wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Zudem melden die Unternehmen deutlich häufiger Kurzarbeit an. Mit Blick auf die Region weist Mannheim im Januar 2025 eine Arbeitslosenquote von 8 Prozent auf (+0,3 PP seit Dezember), Heidelberg 4,6 Prozent (+0,2 PP), der Rhein-Neckar-Kreis 4,5 Prozent (+0,2 PP) und im Neckar-Odenwald-Kreis liegt die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent (+0,3 PP). Auch die Beschäftigungspläne sind tendenziell rückläufig. Der Beschäftigungssaldo liegt aktuell bei -12 Punkten. Mit Blick in die einzelnen Sektoren liegt der Wert in der Industrie bei -23, im Handel bei -18 und bei den Dienstleistern bei -4 Punkten.

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