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Am Institut für Immunologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg wird Prof. Rehwinkel im Zusammenspiel mit den Heidelberger Lebenswissenschaften Mechanismen der Aktivierung von Immunantworten untersuchen. Ziel ist es, die Reaktion des Immunsystems auf Infektionen und nicht-infektiöse Schädigung von Zellen und Geweben auf molekularer Ebene zu entschlüsseln und die Erkenntnisse für neue therapeutische Anwendungen nutzbar zu machen. Aktuell ist der Immunologe, der von der Ruperto Carola für diesen höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands vorgeschlagen wurde, am Weatherall Institute of Molecular Medicine der University of Oxford (Großbritannien) tätig; dort leitet er die Forschungsgruppe für Nucleic Acid Sensing.
Die Forschung von Prof. Rehwinkel ist an der Schnittstelle von Immunologie, Virologie und Molekularbiologie angesiedelt. Der Wissenschaftler untersucht im Zusammenhang mit Virusinfektionen eine Reihe von Proteinen, die wie molekulare „Antennen“ wirken. Mithilfe dieser Immun-Rezeptoren des angeborenen Immunsystems erkennen Zellen, dass sie angegriffen und infiziert wurden. Prof. Rehwinkel geht dabei der Frage nach, wie diese Sensoren das körpereigene Immunsystem aktivieren, wenn ein Virus in den Körper eindringt. Da Zellen eine Infektion unter anderem dadurch feststellen, dass sie ungewöhnliche Nukleinsäuren identifizieren, liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Detektion veränderter oder fremder RNA und DNA. Hier untersucht Jan Rehwinkel die Signalwege, die nach der Erkennung dieser Nukleinsäuren aktiviert werden, und erforscht, wie diese Signale mittels Zytokinen und sogenannter Immuno-Transmitter an Zellen der Umgebung weitergegeben werden. Die Forschungsgruppe von Prof. Rehwinkel befasst sich auch mit den Prozessen, die eine übermäßige Aktivierung dieser Signale und dadurch eine Fehlsteuerung des Immunsystems verhindern. Ein besseres Verständnis der Nukleinsäure-Erkennung kann helfen, neue antivirale Strategien zu entwickeln, Mechanismen von Autoimmunerkrankungen zu erklären und Ansatzpunkte für innovative Krebstherapien zu liefern, die Immunantworten gegen den Tumor gezielt manipulieren.
Mit Jan Rehwinkel will die Ruperto Carola einen Wissenschaftler für den Standort Heidelberg gewinnen, der in der Fachwelt als exzellenter Vertreter seines Forschungsgebietes ausgewiesen ist. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidatinnen und Kandidaten für eine Humboldt-Professur sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern mit ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Die Universität Heidelberg und ihre Medizinische Fakultät Heidelberg verbinden mit der Berufung von Jan Rehwinkel das Ziel, die breite Expertise der Heidelberger Lebenswissenschaften in den Bereichen zelluläre Immunologie, Engineering molekularer Systeme, molekulare Materialwissenschaften und Systembiologie durch die Biochemie der angeborenen Immunität zu ergänzen. Damit soll auch ein Bogen geschlagen werden zu der Forschung auf dem Gebiet der synthetischen Immunologie, die am neuen Exzellenzcluster SynthImmune durchgeführt wird. Prof. Rehwinkels Arbeit wird neue, komplementäre Impulse zur Stärkung von Impfstoffentwicklung, Infektionskontrolle und Krebsimmuntherapie eröffnen, die in enger Verzahnung von Grundlagenforschung und translationaler Forschung rasch in klinische Anwendungen überführt werden sollen.
Jan Rehwinkel studierte Biologie an der Universität Heidelberg, an der er im Jahr 2007 auch promoviert wurde. Für seine Doktorarbeit zu Fragen der RNA-Biologie forschte er am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg. Als Postdoktorand widmete er sich der Frage, welche Rolle Nukleinsäuren in der angeborenen Immunität spielen und wie RNA-Viren von Sensoren des angeborenen Immunsystems erkannt werden. Nach Stationen in Heidelberg und in London (Großbritannien) wechselte der Wissenschaftler im Jahr 2012 als Professor für angeborene Immunologie an die University of Oxford, um dort seine eigene Forschungsgruppe aufzubauen.
Für die Alexander von Humboldt-Professur können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland nominiert werden, die in ihrem Fachgebiet weltweit eine führende Position einnehmen. Mit Unterstützung durch den hochdotierten Preis sollen sie mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes Deutschland nachhaltig beitragen. Das Preisgeld ist für die Finanzierung der ersten fünf Jahre ihrer Arbeit bestimmt. Jährlich können bis zu zehn Professuren vergeben werden. Nach erfolgreichen Berufungsverhandlungen mit den jeweiligen Universitäten wird die Verleihung der Preise im kommenden Jahr stattfinden.
