/ via universitätsklinikum heidelberg /
Die Vorteile des automatisierten Biobanking
In der CLB wird flüssiges und zelluläres Probenmaterial wie Vollblut, Plasma, Serum, Urin, Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) und mononukleare Zellen (Immunzellen aus dem Blut) archiviert. Die Proben stammen von Patientinnen und Patienten aus der Regelversorgung sowie von Studienteilnehmenden. Alle Arbeitsschritte, die eine Probe durchläuft, werden in einem Laboratory-Information-Management-System (LIMS) präzise dokumentiert – von der Patienteneinwilligung, der Probenentnahme und der Pseudonymisierung der Spenderdaten über Aufbereitung, Einfrieren und Einlagerung bis hin zur späteren Ausgabe für Forschungszwecke. Jede Probe kann rund um die Uhr digital nachverfolgt werden und ist konstant temperaturüberwacht. Back-up-Systeme schützen vor einer Unterbrechung der Kühlung.
Die Lagertemperaturen von -80 Grad Celsius bzw. -196 Grad Celsius für vitale Zellproben stoppen biologische Prozesse in den Proben und verhindern, dass diese ihre Eigenschaften verändern oder gar verderben. Dank der automatisierten Systeme bleiben die Temperaturen beim Probenhandling und auch der Entnahme einzelner Proben stabil – ein großer Vorteil gegenüber manuell bedienten Gefrierschränken. Auch unter Nachhaltigkeitsaspekten ist die CLB eine sinnvolle Infrastruktur: Zentrale, energieeffiziente Großsysteme ersetzen zahlreiche dezentrale Freezer. Das spart Energie, erhöht die Lagerkapazität und schafft zusätzliche Laborflächen.
„Hochwertige, verlässlich verfügbare Patientenproben sind das Fundament moderner Medizin“, betont Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow, Projektleiter der CLB und Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des UKHD. „Die automatisierte Lagerung, wie sie in der Heidelberg Cell and Liquid Biobank erfolgt, garantiert eine enorme Geschwindigkeit beim Zugriff, gleichbleibende Qualität und maximale Sicherheit. Das ist entscheidend für reproduzierbare Forschung.“
„In der Heidelberg Cell and Liquid Biobank werden technologische Exzellenz, Nachhaltigkeit und medizinischer Fortschritt beispielhaft miteinander verbunden. Wir unterstützen dieses Projekt, weil es die Voraussetzungen schafft, aus Patientendaten und -proben schneller Erkenntnisse zu gewinnen – und diese direkt in bessere Therapien für die Menschen zu übersetzen“, so Dr. Jennifer Fischer, Referentin Medizin bei der Dietmar Hopp Stiftung. Die Stiftung hat mit einer Förderung in Höhe von 1,36 Millionen Euro die Anschaffung des Systems zur Kryokonservierung ermöglicht, das aus zwei identischen Einzelgeräten besteht. Eingeworben wurden die Mittel von Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt. Er ist Leiter der German Speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG) am Heidelberger Myelomzentrum, das zur Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie gehört. In der Krebsdiagnostik und -behandlung spielt das Biobanking eine wichtige Rolle: Anhand der konservierten Bioproben von Krebspatientinnen und -patienten können beispielsweise spezifische Eigenschaften der Krebszellen (Biomarker) identifiziert und darauf aufbauend individuell passende Therapien entwickelt werden.
