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Neuer Forschungsverbund will zuverlässigere Tests für zu Hause ermöglichen

/ via universitätsklinikum heidelberg /

Immer mehr Frauen verzichten bei der Empfängnisverhütung auf „die Pille“: Der Einsatz des hormonellen Verhütungsmittels ist über die letzten zwei Jahrzehnte stetig zurückgegangen. Beliebt sind hingegen Zyklus-Apps, die eine natürliche Familienplanung oder Verhütung unterstützen sollen – ohne Hormone und Nebenwirkungen. Doch viele der Apps auf dem Markt sind nicht präzise genug, um zuverlässig vor ungewollter Schwangerschaft zu schützen. Der Forschungsverbund CONtraCEPT will hier zukünftig mehr Sicherheit schaffen. Dazu sollen zusätzliche Biomarker identifiziert werden, um Zyklus-Apps zuverlässiger zu machen.

Die klinischen Studien leiten die Forscherinnen Dr. Nefeli Malliou-Becher der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Dr. Tanja Freundl-Schütt am Universitätsklinikum und der Universität Düsseldorf. Die präklinischen Studien verantworten Prof. Petra Arck vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Prof. Udo Markert am Universitätsklinikum Jena. Die Koordination des Gesamtprojektes liegt bei Dr. Petra Frank-Herrmann, Wissenschaftlerin der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Oberärztin an der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen (Direktor Prof. Dr. Thomas Strowitzki) des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD).

 

Warum die meisten Zyklus-Apps nicht sicher genug sind

Eine Zyklus-App verarbeitet Angaben und Messungen der Nutzerin zu körperlichen Vorgängen, sogenannte Biomarker, und schließt daraus auf Zyklusphasen und Eisprung. Bekannte Biomarker sind etwa die Körperkerntemperatur direkt nach dem Aufwachen am Morgen, die nach einem Eisprung leicht ansteigt, sowie der Zervixschleim, ein Sekret aus dem Gebärmutterhals, der sich an den fruchtbaren Tagen verändert. Neuere Biomarker, die in Apps eingegeben werden, sind zum Beispiel Hormonmessungen im Urin oder die nächtliche Veränderung der Herzfrequenz. Aus solchen Daten ermitteln die Apps die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus. „Da die Auswertung auf sehr vereinfachten Rechenmodellen beruht, sind die Ergebnisse nicht ausreichend aussagekräftig“, beanstandet Frau Dr. Frank-Herrmann. Beispielsweise gingen viele Apps davon aus, dass der Zyklus 28 Tage dauere und der Eisprung am 14. Zyklustag erfolge, oder sie beruhten auf Durchschnittswerten aus mehreren Zyklen. „Bei mehr als 60 Prozent aller Frauen schwankt die Zyklusdauer jedoch um sieben Tage oder mehr, und damit auch der Zeitpunkt der fruchtbaren Tage,“ so Frank-Herrmann.

 

Der Weg zu zuverlässigeren Zyklus-Apps

Die an CONtraCEPT beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit von Zyklus-Apps verbessern. Dazu werden sie ausgewählte, bereits auf dem Markt befindliche Zyklus-Apps und ihre Messsysteme untersuchen sowie neue Biomarker identifizieren, um die fruchtbaren Tage präziser und einfach zu bestimmen. Wie zuverlässig die zur Untersuchung ausgewählten Apps sind, sollen vergleichende Studien zeigen: Ihre Ergebnisse werden mit dem mittels Ultraschall ermittelten Zeitpunkt des Eisprungs bei den Studienteilnehmerinnen verglichen. Die Untersuchungen werden in Heidelberg stattfinden.

Die Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen am UKHD, wo das Projektmanagement und Qualitätssicherung von CONtraCEPT angesiedelt sind, verfügt über umfassende Expertise im Bereich der Empfängnisverhütung. Projektleiterin Dr. Petra Frank-Herrmann gilt als Expertin für Natürliche Familienplanung (NFP). Sie kann auf die weltweit größte NFP-Datenbank zurückgreifen mit über 44.000 Zyklusaufzeichnungen.

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