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Anfang November startete der neue Qualifizierungsjahrgang am Annelie-Wellensiek-Zentrum für inklusive Bildung (AW-ZIB). Die vier Teilnehmer:innen Mehmet Can Friedel, Maya Silva, Cedric Rüter, und Lilly Lorenz schlagen ein neues Kapitel am AW-ZIB auf und beginnen mit viel Neugier auf das gemeinsame Lernen. Mit dem Start des Jahrgangs wächst nicht nur das Team: Auch die Qualifizierungskonzeption wurde überarbeitet. Gemeinsam mit den Co-Lehrenden Anna Neff und Thilo Krahnke, beide Bildungsfachkräfte am AW-ZIB, werden neue Wege beschritten.
Hier im campusblog sprechen die neuen Qualifizierungsteilnehmer:innen über ihr Ankommen am AW-ZIB, die Co-Lehrenden berichten über ihre Rolle und Susann Bensch, ehemalige Qualifizierungsteilnehmerin, gibt hilfreiche Tipps für die erste Zeit am AW-ZIB.
Rückblick auf die erste Woche im AW-ZIB
Cedric Rüter: An meinem ersten Tag am AW-ZIB war ich ganz schön aufgeregt. Es gab ganz viel Neues und manches war auch ein bisschen kompliziert. Deswegen war ich am Abend sehr müde. Die Gespräche mit dem Team waren aber auch sehr spannend: Wir haben im Großteam ein Kennenlernspiel gespielt, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Das hat mir besonders gut gefallen. Außerdem wurde mir die Hochschule gezeigt. Neue Wörter habe ich auch schon gelernt, wie zum Beispiel Partizipation und Bildungsfachkräfte. Ich muss auch noch lernen, wie ich mich an der Hochschule mit den Studierenden verhalte, beispielsweise in der Mensa.
Maya Silva: Der erste Tag war gut, aber sehr voll, da wir viele neue Leute kennengelernt haben. Die Mensa war mein persönliches Highlight, weil es da Sachen zu essen gibt, die ich normalerweise nicht esse. Die erste Woche fiel mir ein bisschen schwer, da es so viele neue Regeln gab. Trotzdem hat es mir auch Spaß gemacht. Wir haben die Partizipationspyramide besprochen, ich habe nicht alles verstanden, aber ich weiß auch, dass das Zeit braucht.

Was motiviert euch für die Qualifizierung und worauf freut ihr euch?
Maya Silva: Ich möchte den Studierenden beibringen, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht, weil viele Menschen damit noch Schwierigkeiten haben. Ich habe schon sehr viele Leute getroffen, die mich geduzt haben, weil ich im Rollstuhl sitze oder weil ich so jung aussehe. Das geht so nicht, das möchte ich verändern.
Lilly Lorenz: Ich möchte Bildungsfachkraft werden, weil ich gerne mehr über Inklusion lernen will und das auch weitergeben möchte. Das Thema Inklusion begleitet mich schon mein Leben lang und wird es auch weiterhin tun, weil ich das Down-Syndrom habe. Zuerst fand ich das blöd, aber mittlerweile finde ich das ganz toll, weil ich weiß, dass ich was Besonderes bin. Vor allem freue ich mich darauf, im Team zu arbeiten, denn Zusammenarbeit ist mir besonders wichtig.
Mehmet Can Friedel: Meine Motivation ist, den Studierenden beizubringen, was es heißt, ein Mensch mit Behinderung zu sein. Dass es eben keine „Krankheit“ ist. Ich freue mich, auch mehr Geld zu verdienen, weil ich in der Werkstatt nur ein bisschen Taschengeld bekomme. Außerdem freue ich mich auf neue Aufgaben. Beispielsweise auf die Workshops und Seminare, bei denen ich hospitiere und die ich später halten werde. Ich freue mich, die neue Umgebung und neue Menschen kennenzulernen und mit dem Team und den Assistenzen zusammenzuarbeiten.

Vor welche Herausforderungen stellt euch die Qualifizierung?
Lilly Lorenz: Ich will nicht, dass meine Behinderung als Krankheit angesehen wird. Ich mag nicht, wenn man das Wort „behindert“ als Beleidigung benutzt. Davor habe ich Angst.
Cedric Rüter: Ich mache mir natürlich auch ein bisschen Sorgen, ob alles klappt, ob ich die Zeiten und Pausenzeiten einhalte.
Mehmet Can Friedel: Ich habe Angst, dass ich die Prüfungen nicht schaffe, die später noch anstehen.
Susann Bensch (ehemalige Qualifizierungsteilnehmerin): Das kann ich gut verstehen. Bei einer Prüfung werden einem auch viele Fragen gestellt. Das kann schon schwierig sein und man ist auch nervös. Aber das ist auch normal und ihr schafft das trotzdem! Ihr seid neu hier. Als ich neu war, musste ich auch erstmal viel lernen. Aber ihr könnt euch immer an eure Kolleg:innen wenden oder mich ansprechen, wenn ihr Prüfungsstress oder sonstige Sorgen habt. Und zusammen klappt das.

Was sind eure Aufgaben als Co-Lehrende, Anna und Thilo?
Anna Neff: Immer dienstags vormittags lernen wir gemeinsam mit den Qualifizierungsteilnehmenden. Wir sind verantwortlich für die Inhalte. Meine Rolle ist es, mein Wissen als Bildungsfachkraft weiterzugeben und für die Neuen ein Vorbild zu sein. Außerdem haben die Qualifizierungsteilnehmenden auch jeweils eine Bildungsfachkraft als Buddy, den sie ansprechen können, wenn sie Fragen haben. Denn es ist auch unsere Aufgabe, über schwierige Themen mit ihnen zu sprechen, sowie sie zu unterstützen, in die Rolle der Bildungsfachkraft hineinzuwachsen. Ich glaube aber auch, dass wir viel voneinander lernen können.
Thilo Krahnke: Ich kann mich da nur anschließen. Ich glaube, ich kann da auch noch viel lernen. Beispielsweise mich durchzusetzen, wenn durcheinandergeredet wird. Wir treffen uns immer dienstags, um uns zu überlegen, was wir mit den Teilnehmenden der Qualifizierung machen können. Das ist auch noch ungewohnt, das vorzubereiten, weil ich manchmal nicht einschätzen kann, ob die Inhalte passend sind. Aber insgesamt fühle ich mich bisher wohl in der Rolle als Co-Lehrender und es macht mir Spaß.
Anna Neff: Ja, genau. Wir verwenden auch oft spielerische Methoden, um Inhalte zu vermitteln. Beispielsweise haben wir ein Rollenspiel zum Thema „Wie verhalte ich mich an der Hochschule?“ gemacht. Das ist manchmal auch nicht einfach, zu wissen, was gut ankommt und was nicht, weil es ja erwachsene Menschen sind und wir nicht etwas machen wollen, was zu kindisch ist. Insgesamt sind die wirklich schon ein gutes Team.




Rückblick auf den ersten Monat im AW-ZIB
Maya Silva: Nach einem Monat geht es mir gut am AW-ZIB. Ich habe mich ein bisschen eingelebt. Im Team fühle ich mich auch gut. Ich mag es, mit den Kollegen zu arbeiten. Alle sind sehr nett zu uns.
Cedric Rüter: Der Anfang war super gut. Ich habe schon viel gelernt. Wir haben beispielsweise schon ein Plakat mit unseren Regeln gestaltet und im Großteam im Dezember vorgestellt, das hat mich nervös gemacht. Ich habe mich schon ein bisschen mehr an die Arbeit mit den Assistenzen gewöhnt; sie können Dinge für uns aufschreiben. Bisher bin ich glücklich mit meiner Arbeit am AW-ZIB.
Lilly Lorenz: Dass wir schon einen Monat hier sind, ist echt der Wahnsinn! Ich konnte schon Vertrauen in das Team gewinnen, auch wenn ich denke, dass ich alle noch besser kennenlernen kann. Ich fühle mich hier sicher, ernstgenommen und wohl. Ich möchte gerne viel im Team zusammenarbeiten, und ich wünsche mir, dass wir füreinander einstehen und miteinander sprechen. Gerade lernen wir viel über persönliche Grenzen, da nehme ich viel mit. Ich hatte wirklich sehr viel Vorfreude, bevor ich ans AW-ZIB kam, aber jetzt ist meine Freude noch größer, weil ich nun Teil des Teams bin.
Wir heißen die neuen Teammitglieder herzlich willkommen. Wir freuen uns, euch auf eurem Weg zu begleiten. Schön, dass ihr da seid!
