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Alterstraumazentrum am Universitätsklinikum Heidelberg zertifiziert

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Besonderheiten der Unfallversorgung bei älteren Menschen

Ältere Menschen, die nach einem Unfall verletzt sind, benötigen in der Regel eine andere Behandlung als jüngere Patientinnen und Patienten. Ihre medizinische Versorgung ist mit besonderen Risiken verbunden, zudem bringen sie altersbedingte Bedürfnisse mit. „Wenn ältere Menschen stürzen, erleiden sie häufig komplexe Verletzungen, zum Beispiel Oberschenkel-, Wirbel- oder Beckenbrüche“, beschreibt Dr. Matthias Miska, Oberarzt und Sektionsleiter Alterstraumatologie der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und Leiter ATZ Unfallchirurgie. „Im Gegensatz zu jüngeren Menschen reicht bereits ein banaler Stolpersturz im häuslichen Umfeld für einen komplexen Knochenbruch, der gravierende, lebensbedrohliche Folgen haben und den dauerhaften Verlust eines selbstbestimmten Lebens bedeuten kann.“

Viele Patientinnen und Patienten in höherem Lebensalter haben zudem chronische Erkrankungen wie Herzschwäche, Osteoporose, Diabetes oder Demenz. „Sie nehmen womöglich mehrere Medikamente ein, sind allgemein weniger mobil und anfälliger für Wundheilungsstörungen und chronische Wunden“, sagt Professor Petra Benzinger, Oberärztin und Sektionsleiterin Alterstraumatologie der Geriatrie (Leiterin ATZ Geriatrie). „Sind ältere Menschen länger bettlägerig, steigt das Risiko für Komplikationen wie Lungenentzündung, Thrombose oder Muskelabbau.“

 

Gezielter Einsatz minimalinvasiver Operationstechniken

Ziel des Alterstraumazentrums ist es, dass altersbedingte Besonderheiten während der gesamten Behandlung berücksichtigt werden – von der Akutversorgung direkt nach einem Unfall über einen anschließenden Klinikaufenthalt bis hin zur Rehabilitation. Beispielsweise kommen moderne und schonende Operationstechniken wie ein Iliosakral-Stabsystem zum Einsatz. Diese minimalinvasive OP-Technik ermöglicht es, instabile Frakturen des hinteren Beckenrings bei älteren Patientinnen und Patienten stabil zu versorgen. Dabei wird das gebrochene Sitzbein durch einen Stab mit dem intakten Darmbein verbunden und zuverlässig fixiert. Weil bei diesem Eingriff Weichteile wie Haut, Muskeln und Nerven dank moderner 3D-Bildgebung im Operationssaal kaum verletzt oder belastet werden, ist die Komplikationsrate gering. Die hohe Stabilität des Konstrukts erlaubt zudem eine frühzeitige Mobilisation unter Vollbelastung: Bereits am ersten Tag nach der Operation können die Patientinnen und Patienten aufstehen und an das Gehen herangeführt werden. Das Risiko für typische Folgekomplikationen wie Lungenentzündungen ist dadurch minimiert.

Mehrmals pro Woche finden an beiden Standorten des ATZ gemeinsame Visiten statt, an denen ärztlicher Dienst, Pflege und therapeutische Berufsgruppen teilnehmen. „Wir streben an, dass sich der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten nach einem Unfalltrauma schnell und nachhaltig stabilisiert, damit sie baldmöglichst in ihr gewohntes Lebensumfeld zurückkehren können“, sagt Dr. Nathan Gress, Zentrumskoordinator des ATZ. Zudem bindet das Alterstraumazentrum die niedergelassenen Fach- sowie Hausärztinnen und -ärzte in das Behandlungskonzept ein, um eine kontinuierliche Weiterbetreuung nach dem stationären Aufenthalt und der geriatrischen Rehabilitation sicherzustellen.

 

Hintergrund: Die DGU-Zertifizierung als Alterstraumazentrum

Deutschlandweit arbeiten mehr als 200 Kooperationsprojekte von Unfallchirurgie und Geriatrie als DGU-zertifizierte Alterstraumazentren zusammen. Für die Erstzertifizierung muss ein umfangreicher Kriterienkatalog der DGU erfüllt sein. Zu den Voraussetzungen gehören unter anderem Prozessbeschreibungen für die unfallchirurgische und geriatrische Behandlung der Patientinnen und Patienten im ATZ sowie für die strukturierte Zusammenarbeit des Zentrums mit Anästhesie, Innerer Medizin, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Sozialdienst. Eine weitere zentrale Anforderung ist ein aktives Qualitätsmanagement. Im Rahmen eines Vor-Ort-Audits überprüft die DGU, ob alle Punkte des Kriterienkatalogs erfüllt sind, und bewertet die praktische Ausgestaltung der Zusammenarbeit. Alle drei Jahre weisen die ATZ im Rahmen einer Re-Zertifizierung nach, dass sie die DGU-Anforderungen weiterhin erfüllen.

Alterstraumazentren der DGU nehmen verpflichtend am sogenannten Alterstraumaregister der Fachgesellschaft teil. Das Register sammelt anonymisierte Daten aus der Versorgung geriatrischer Patientinnen und Patienten im Alter von 70 Jahren oder älter, die eine hüftgelenksnahe Oberschenkelfraktur haben. Die Daten werden unter anderem für Forschungsarbeiten herangezogen und stehen den ATZ ein Jahr nach ihrer Erstzertifizierung zur Verfügung.

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