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Katastrophenvorsorge in sozialen Einrichtungen: der Schutz vulnerabler Gruppen im kommunalen Katastrophenschutz – Der Paritätische

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Die Vorsorge für den Katastrophenfall und der Schutz vulnerabler Gruppen ist in der Verantwortlichkeit der kommunalen Katastrophenvorsorge und für die vor Ort operierenden sozialen Einrichtungen eine immer wichtiger werdende Aufgabe der notwendigen Anpassung an den Klimawandel.

Nach einer Einführung in die Strukturen und Akteurinnen des Bevölkerungsschutzes in Deutschland wurden zentrale Erkenntnisse aus der Ahrtal-Flut 2021 und der Covid-19-Pandemie vorgestellt. Darauf aufbauend diskutierten die Teilnehmenden praxisnahe Empfehlungen für die Katastrophenvorsorge in sozialen Einrichtungen sowie für kommunale Akteurinnen.

Fokus auf Vorsorge statt Nachsorge: Verbesserte Risikowahrnehmung und Risikokommunikation notwendig

In Anbetracht der durch die Klimaerwärmung zunehmenden Gefahren infolge sich verändernder Umweltbedingungen und Extremwettereignisse bestehen erhebliche Risiken für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen in sozialen Einrichtungen, die teilweise mit ausreichender Vorwarnzeit, teilweise jedoch sehr plötzlich eintreten können. 

Frau Ronja Winkhardt-Enz, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge e.V. stellte neben der Akteur*innenlandschaft, die gesetzliche Grundlage und die Funktionsweisen des Bevölkerungsschutzes in Deutschland vor. Aus den Erkenntnissen der untersuchten Ahrtal-Flut von 2021 wurden zwölf übergeordnete Lehren benannt, u.a. eine Stärkung der lokalen Risikowahrnehmung, die Förderung einer positiven Risikokultur sowie eine verbesserte Risikokommunikation. Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Vorsorgemaßnahmen, wie der Abschluss von Versicherungen und die Installation von Warnapps, können am effektivsten außerhalb von Krisenzeiten in einem positiven Umfeld sachlich und adressatengerecht kommuniziert werden.

Frau Winkhardt-Enz betonte, dass für Verantwortungsträger*innen standortbezogene Risikoanalysen nach dem All-Gefahren-Ansatz und das Vorsorgeprinzip „Vor der Krise Köpfe kennen“ handlungsleitend sein sollten.  

Aus Krisen lernen – innovative Ansätze verstetigen

Herr Lawrence Schätzle, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Urbanistik (difu) e.V., hat ausgewählte Erkenntnisse aus dem PanReflex-Forschungsprojekt dargeboten. Während der Covid-19 Pandemie haben sich vielerorts innovative Ansätze zur besseren Bewältigung der Krise und zum verbesserten Schutz vulnerabler Gruppen bewährt. Die dargestellten innovativen Ansätze können von Verantwortungsträger*innen und Mitarbeiter*innen in ihren jeweiligen Kontexten ausprobiert und ggfs. übertragen werden. Die effektivsten Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen sind jene, die, dem Vorsorgeprinzip entsprechend, bereits vor dem Eintritt eines Krisenszenarios bedacht und mit klaren Aufgaben und Verantwortlichkeiten eingeführt worden sind. 

Praxisperspektive – aus Risikoanalysen Bedarfe ableiten

Herr Daniel Hofmann, Rettungsingenieur und ehrenamtliche Führungskraft im Katastrophenschutz beim Arbeiter-Samariter-Bund in NRW, hat Einblicke und Erfahrungen aus der Praxis des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes vorgestellt und praktische Hinweise zur verbesserten Katastrophenvorsorge zum Schutz vulnerabler Menschen gegeben. Er räumte ein, dass insbesondere die pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Menschen bisher nicht zu den Kompetenzen der ehrenamtlichen Katastrophenschützer*innen gehört, jedoch die Krisenvorsorge seit 2022 für (teil)stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen gesetzlich verankert ist. 

Um im Ernstfall die eigene Durchhaltefähigkeit bestmöglich aufrecht erhalten zu können, da die Hilfskräfte des Katastrophenschutzes anderswo noch dringender gebraucht werden könnten, ist eine Risikoanalyse nach dem All-Gefahren-Ansatz der effektivste Weg, sich über die eigenen dringenden Bedarfe in Notsituationen bewusst zu werden und Vorsorgemaßnahmen mit der Belegschaft abzuleiten und umzusetzen. Der Katastrophenschutz baue auf dein eigenen Vorkehrungen und Maßnahmen auf, betonte Herr Hofmann. Außerdem wurde eine systematische Vernetzung der Behörden mit Betreibern kritischer Infrastruktur (KRITIS) im Rahmen eines integrierten Risikomanagements für einen kontinuierlichen Austausch vor Eintritt eines Ereignisses empfohlen. 

Herr Carl Wechselberg von der stationären Einrichtung der Eingliederungshilfe CampHill Alt-Schönow am südlichen Berliner Stadtrand rahmte die online-Veranstaltung mit einem spannenden Erfahrungsbericht vom Berliner Stromausfall zum Jahresanfang 2026 ein. Herr Wechselberg hob die schnelle und kompetente Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) hervor, betonte aber auch, dass die Hilfe durch glückliches und schnelles Handeln bei ihnen ankam, während andere Einrichtungen länger durchhalten mussten. Es wurden abschließend einige konkrete Lektionen und Maßnahmen als Lehre aus dem tagelangen Stromausfall gezogen und vorgestellt, u.a. Blackout-Boxen mit den wichtigsten Unterlagen, Gegenständen und Materialien zur Versorgung der Bewohner*innen.

Unter den folgenden Links befindet sich eine Auswahl der in der Online-Veranstaltung genannten Materialien zur weiteren Verwendung:

Quelle

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