StartOrganisationen WissenschaftUniversitätsklinikNeues „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ am Universitätsklinikum Heidelberg

Neues „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ am Universitätsklinikum Heidelberg

/ via universitätsklinikum heidelberg /

Die Leitung des Kollaborationszentrums liegt bei Claudia Denkinger, Professorin für „Infektions- und Tropenmedizin“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und Ärztliche Direktorin der Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“ am Zentrum für Infektiologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD), sowie der Molekularbiologin Dr. Seda Yerlikaya, Gruppenleiterin in der Abteilung „Infektions- und Tropenmedizin“. Die Ernennung erfolgte durch den Generalsekretär der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, und wurde durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken als Vertreterin der Bundesregierung bestätigt.

 

Drei konkrete Aufgaben im Bereich Diagnostik

WHO-Kollaborationszentren haben die Aufgabe, die Weltgesundheitsorganisation in ihren internationalen Gesundheitsprogrammen strategisch zu begleiten und voranzubringen. Neue Zentren werden zunächst für einen Zeitraum von vier Jahren ernannt, anschließend kann die Kollaboration mehrfach verlängert werden. Hintergrund des Kooperationsmodells ist, dass die WHO selbst keine Forschungsstätten betreibt. Stattdessen greift sie auf die Expertise weltweit führender Einrichtungen der Gesundheitsforschung zurück. Die Maßnahmen, die das Kollaborationszentrum für die WHO koordiniert, bearbeitet und erfüllt, werden im Vorfeld schriftlich vereinbart.

Für das neue „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ (im Englischen „WHO Collaborating Center on Novel Diagnostics for Infectious Diseases“) haben die beiden Projektleiterinnen gemeinsam mit der WHO drei Aufgabenbereiche definiert:

  1. Das Kollaborationszentrum bewertet und fördert, inwiefern Tests, die Medizinerinnen und Mediziner zur Diagnose von Infektionskrankheiten benötigen, weltweit verfügbar, zugänglich, bezahlbar und wirksam sind.
  2. Das Zentrum führt neue Studien zur Diagnostik von Infektionskrankheiten durch, wertet aber auch vorhandene Evidenz aus. Für zukünftige diagnostische Studien unterstützt es die Entwicklung von Leitlinien und Zielproduktprofilen, die definieren, welche Eigenschaften neue Diagnose-Instrumente haben sollten.
  3. Das Kollaborationszentrum unterstützt die WHO dabei, die Entwicklung und Verfügbarkeit neuer diagnostischer Tests für Infektionskrankheiten systematisch zu beobachten und zu begleiten.

 

Ein „Gütesiegel“ für den Forschungsstandort Heidelberg

Im Rahmen dieser Vereinbarung führen Professorin Denkinger, Dr. Yerlikaya und ihr Team unter anderem eine sogenannte Evidenzsynthese zur Lungentuberkulose-Diagnostik durch. Sie fassen also vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse zu den verfügbaren Testmöglichkeiten auf Tuberkulose zusammen und bewerten sie. Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit fließen in neue Leitlinien der WHO ein. Tuberkulose ist eine auf der ganzen Welt vorkommende bakterielle Infektionskrankheit mit Symptomen wie anhaltendem Husten, Fieber und Gewichtsabnahme. 2025 starben etwa 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose, was sie zur weltweit tödlichsten Infektionskrankheit macht.

Weitere Projekte des Kollaborationszentrums betreffen andere Erkrankungen. So entwickelt das Team in Zusammenarbeit mit der WHO ein Protokoll für die Überprüfung der Verlässlichkeit neuer diagnostischer Tests, die in der Frühphase einer neuen Pandemie eingesetzt werden sollen.

„Die Ernennung zum WHO-Kollaborationszentrum ist ein Gütesiegel für die exzellente und international relevante Forschungsarbeit an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. Wir haben über Jahre hinweg einen guten Kontakt zur WHO aufgebaut und die Organisation immer wieder mit unserer Expertise unterstützt“, sagt Professorin Claudia Denkinger. „Dass dieses Engagement nun in der Kollaboration mündet, ist für mich und meine Kolleginnen und Kollegen Bestätigung und Ansporn zugleich.“

 

Über die WHO und ihre Kollaborationszentren

Die Weltgesundheitsorganisation wurde im April 1948 als Sonderorganisation der Vereinten Nationen gegründet. Ihre Hauptziele sind es, die Gesundheit aller Menschen zu fördern und zu verbessern und Erkrankungen, insbesondere Infektionskrankheiten, auf der ganzen Welt zu bekämpfen. Die WHO zählt aktuell 194 Mitgliedsstaaten und wird seit Mitte 2017 von dem äthiopischen Biologen und Immunologen Tedros Adhanom Ghebreyesus geleitet. Der Hauptsitz der WHO ist im Schweizerischen Genf. Weltweit hat die WHO bis März 2026 mehr als 800 Kollaborationszentren zu vielfältigen Themen wie „Ungleichheiten im Bereich Umwelt und Gesundheit“, „Entwicklung der Geburtshilfe“ oder „Standardisierung und Bewertung von Impfstoffen“ ernannt. Das Heidelberger „WHO-Kollaborationszentrum für neuartige Diagnostika für Infektionskrankheiten“ ist das 32. Kollaborationszentrum in Deutschland.

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