/ via unterwegstheater /
D-Dance
D-Dance: die Plattform der Präsentation von etablierten
ChoreographInnen aus Heidelberg und Mannheim
sowie von jungen Nachwuchs-ChoreographInnen.
D-Dance # 3: Choreographien aus der Metropolregion in der HebelHalle –
Am 26. Juni 2026, 20:00 Uhr, mit Catherine Guerin und Luches Huddleston Jr.
Catherine Guerins aktuelle Choreografie Bitches Brew ist zu Miles Davis’ gleich-
namiger Musik entstanden, mit der der legendäre Trompeter Jazz als lebendigen,
elektrischen Organismus radikal neu formulierte. Die Choreographie illustriert
nicht, sondern taucht ein – in den Puls, die Brüche und Ausbrüche: Rhythmus
wird zu Textur, Improvisation zu Risiko, Wiederholung zu Trance. Angesprochen
von dem Wortspiel und Gleichklang von bitch (engl. für Nutte) und witch (englisch
für Hexe) sowie von der Kombination mit brew (engl. für Brauen) entstand die Idee,
Bitches Brew als kreative Divination zu sehen: Zeichen lesen, Unbekanntes herauf-
beschwören, der Intuition vertrauen. So eröffnet der Tanz einen körperlichen Zugang
zu diesem Meisterwerk des Jazz-Fusion und lädt dazu ein, Bitches Brew zunächst zu
fühlen und als Begegnung und Beschwörung zu erleben.
Die US-Amerikanerin Catherine Guerin ist Choreographin, Performerin, Dozentin
und Feldenkrais-Lehrerin®. Sie kam als Tänzerin zu Liz King ans Theater Heidelberg
und ist seitdem als freie Choreographin zunächst in Wien, dann in Heidelberg tätig.
„Between Notes“ von Luches Huddleston Jr. geht von Davis‘ prägnanter Klangwelt
aus und untersucht Bewegung als einen Raum zwischen Struktur und Improvisation.
Der Tanz wird von der Atmosphäre einer Jam-Session inspiriert und setzt sich mit
zyklischen Formen, offenen Anfängen und der fortwährenden Aushandlung
zwischen Impuls und Entscheidung auseinander. In wechselnden Konstellationen
bewegen sich die Tänzer*innen durch Zustände von Entstehung, Nähe und Distanz.
Beeinflusst von der charakteristischen Phrasierung und Stimme von Miles Davis
verweilt das Stück im Unausgesprochen. Between Notes ist ein Gang durch die Zeit,
in dem Hören, Unterbrechung und Schwebezustand selbst zum Material werden.
Luches Huddleston Jr., wurde am renommierten Alvin Ailey American Dance Theater
in New York ausgebildet und war lange Solist am Nationaltheater Mannheim, wo er
heute für Musiktheater choreographiert und den Bewegungschor leitet. Er choreo-
graphiert für die Delattre Dance Company und verschiedene Stadttheater. 2021
gründete er gemeinsam mit Giovanni De Buono die lil’luke dance company.
D-Dance # 3: Choreographien aus der Metropolregion in der HebelHalle –
Am 27. Juni 2026, 20:00 Uhr, mit Christina Liakopoyloy / Nostos Tanztheater
und TanzGruppe [HD] & Special Guest: Vladimir Staicu
ON SUPPRESSION von Christina Liakopoyloy ist ein urbanes Tanztheater über
die verborgenen Geschichten von Frauen im Niedriglohnsektor – zwischen
Migration, Fürsorge, Erschöpfung und der Sehnsucht nach einem besseren
Leben. Drei Soli zeigen weibliche Arbeit als körperlichen Ausnahmezustand –
und zugleich als stillen Akt der Hoffnung. Rauh, zärtlich und direkt entwickelt
Christina Liakopoyloy ein ebenso politisches wie poetisches Tanztheater, das
körperlichen Ausdruck, urbanen Tanz und poetische Theatersprache auf der
Bühne mit dokumentarischen Interviews zusammenbringt. So verdichten sich
die Stimmen, Erinnerungen und Erfahrungen dieser Frauen zu urbanen
Geschichten von Verlust, Anpassung, Widerstand und Würde. ON SUPPRESSION
macht verdränge Lebenrealitäten sichtbar und würdigt die stille Kraft jener
Frauen, die unsere Gesellschaft tragen.
Christina Liakopoyloy ist Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreographin für Tanz-
theater, Schauspiel und Oper. 1989 gründete sie in Heidelberg die Nostos
Tanzwerkstatt als Schule für Ballett, zeitgenössischen Tanz sowie seit 2001
Tango Argentino und das Nostos Tanztheater, mit dem sie regelmäßig Stücke
über sozial-kritische Themen und zwischenmenschliche Beziehungen auf die
„Nicht nur“ von und mit der Tanzgruppe [HD] speist sich aus ihrem Interesse an
verschiedenen choreographischen Handschriften und an tanztheatralen Ausdrucks-
formen für persönliche Themen. „Nicht nur“ bezieht sich auf das Ensemble
selbst, dessen Mitglieder nicht nur dem Tanz einen hohen Stellenwert in ihrer
Biographie geben, sondern hauptberuflich verschiedene Sportarten und
körpertherapeutische Ansätze verfolgen. Für ihre teils choreographierte, teils
improvisierte Bewegungs-sprache haben sie sich dieses Mal von einem Online-
Workshop des bekannten israelischen Choreographen Hofesh Shechter inspirieren
lassen und mit dem Mannheimer Dozenten Luches Huddleston Jr. geprobt.
Als Tanzgruppe [HD] sind sie das älteste freie Tanzensemble Heidelbergs
und tanzen seit ihrem Studium der Sportwissenschaft zusammen. Seit zwei
Jahren trainieren und proben sie im Choreographischen Centrum HD. „Nicht nur“
wird von Frank Guth, Anja Holzinger, Kerstin Janalik, Mario Kappenstein und
als Gast Vladimir Staicu (MA) getanzt.
D-Dance # 3: Choreographien aus der Metropolregion in der HebelHalle –
Am 28. Juni 2026, 20:00, mit Joan Ferré Gómez und Adrien Ursulet
Mit „There is something about the river“ (deutsch etwa: „Es gibt etwas am Fluss“)
feiert Joan Ferré Gómez das Wasser, ein Element, das viele Jahre lang seine
Quelle für Ruhe und Reflexion war und ihn durch Zeiten des Zweifelns und
Suchens begleitete. Heute, mit einer Fülle von Erfahrungen, stellt sich für den
Choreographen der Wunsch ein, sich ins Unbekannte zu stürzen, Raum für
Fragen zu öffnen und bereitwillig zu einer Reise in unsichere Gefilde aufzu-
brechen.
Joan Ferré Gómez studierte Tanz an der CODARTS in Rotterdam und war am
Nationaltheater Mannheim unter Stephan Thoss und bei der Weedance Company
in Görlitz engagiert, bevor er freischaffend unter anderem in Brüssel, Amsterdam,
Barcelona und Madrid arbeitete. 2020 begann er zu choreographieren und wurde
vom CC Heidelberg, NauCoclea und RocaUmbert in Spanien gefördert und unter
anderem bei der Tanzbiennale 2021 präsentiert. 2024 erarbeitete er zusammen
mit Amalia Elorza das Stück Hau da dena, das in verschiedenen Theatern im Basken-
land präsenitert wurde. In dieser Spielzeit ist er Ensemble-Mitglied des Dance
Theatre Heidelberg.
Adrien Ursulet nimmt in seiner Choreographie „A King Without Distraction“ Bezug
auf Blaises Pascals Zitat „Ein König ohne Zerstreuung ist ein Mensch voller Elend.“
Der Philosoph betont hierin die Notwendigkeit von Ablenkung, um der existen-
ziellen Verzweiflung zu entkommen. Doch reicht Zerstreuung aus? Und selbst
wenn Sinnsuche unmöglich erscheint – sollten wir sie aufgeben? In Anlehnung
an die Reflexion des gleichnamigen Romans von Jean Giono ist dieses Stück eine
Auseinandersetzung mit Langeweile, Gewalt und dem menschlichen Bedürfnis
nach Reiz und Anregung.
Adrien Ursulet begann seine Tanzausbildung mit dem Schwerpunkt Jazz und Street
Dance, bevor er zeitgenössischen Tanz am Centro Coreografico Internazionale
Opus Ballet in Florenz studierte und dort auch drei Jahre Ensemblemitglied
wurde. Er tanzte danach freischaffend unter anderen mit Alessia Gatta,
Compagnie Twain und Compagnia Petrillo Danza sowie fest engagiert in den
Ensembles der Theater Pforzheim und Bielefeld, bevor er 2023 ans Dance
Theatre Heidelberg kam.
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