/ von Peter Pausch /
„Wenn die Gesellschaft so fortfährt,
wird in zweitausend Jahren nichts mehr sein,
kein Grashalm, kein Baum;
sie wird die Natur aufgefressen haben.“
Gustave Flaubert (1821-1880)
IRRTE FLAUBERT?
Mehr als 300 Autoren haben sich an der Beantwortung der Frage beteiligt. In Teil 6 sind es unter anderen:
Adorno – Alain – Ingo Arzt – Bakunin – Georges Bataille – Baudelaire – Beaumarchais – Cesare Beccaria – Joseph Beuys -William Blake – Ludwig Börne – Bertolt Brecht – Christine Brückner – Martin Buber – Jacob Burckhardt – Ernesto Cardenal – Ruhollah Chomeini – Joseph Conrad – Christa Dericum – Diderot – Dostojewski – Dürrenmatt – Meister Eckhart – Albert Einstein – Norbert Elias – Paul Eluard – H.M. Enzensberger – J. G. Fichte – Anatole France – Freud – Adam Ferguson – Goethe – Gorbatschow – Gracián – Yuval Noah Harari – Michael Hartmann – Paul Hazard – Friedrich Hebbel – Hendrik Hildebrandt – Susanne Himmelheber – Hölderlin – Horkheimer – Wilhelm v. Humboldt – Aldous Huxley – Henrik Ibsen – Jakobus – Gustav Janouch – Jaspers – Jean Paul – Kafka – Kant – Karl Kautsky – E.A.F. Klingemann – Pjotr Kropotkin Lautréamont – Henry Charles Lea – Joe Lederer – Leibniz – Lenin – Lévy-Strauss – Lichtenberg – Martyna Linartas – Emmy Meyer-Laule – Rosa Luxemburg – Thomas Mann – Marx – Maskarin – Paul Mason – E.L. Masters – Fritz Mauthner – Marshall McLuhan – Herman Melville – Michelangelo – Arthur Miller – Johannes Minckewitz – Alexander Mitscherlich – Montaigne – K.Ph. Moritz – Robert Musil – Nietzsche – George Orwell – Christoph Ostgathe – Picasso – Pindar – E.A. Poe – Ezra Pound – Adolphe Quetelet – Marcel Reich-Ranicki – Martin Rhonheimer – Mme. Roland – Gerhard Roth – Jean-Christophe Rufin – Bertrand Russell – Sartre – Ute Scheub – Schopenhauer – Kurt Schwitters – Sophokles – Spinoza – Tertullian – Ernst Toller – Tolstoi – Paul Valéry – A.N. Whitehead – Allen W. Wood
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TEIL 6
Kinder lieben das Gutsein noch wie Leckerei.
Robert Musil
„Die Produktion ist für den Profit und die Bedürfnisse sind für ihre Ausbeutung da. So geht es nun schon seit bald 300 Jahren.“
„Whenever we pronounce condescendingly on what history has shown us about the fate of Marx’s thought, we speak as if we ourselves, our own collective life and history, were something already settled, over and done with, as if we had long ago already come to terms with all of humanity’s possible futures. – The history of Marx’s thought will remain unfinished as long as revolutionary possibilities still live for us and Marx’s thought is still their principle source.“ Allen W. Wood
„Der Marxismus bleibt die unüberschreitbare Philosophie unserer Zeit. Er ist nicht überlebt, weil die Zeitumstände, die ihn hervorgebracht haben, noch nicht überlebt sind.“ Sartre
‘Ich bin ganz damit einverstanden, dass es ein totaler Unsinn des Christentums gewesen ist, aus dem Marxismus seinen Hauptfeind gemacht zu haben, wo doch Marx das »christliche Projekt par excellence« entwickelt hat.’ Ernesto Cardenal
„Marx hat das Fundament der Wissenschaft gelegt, die die Sozialisten nach allen Richtungen weiterentwickeln müssen, wenn sie nicht hinter dem Leben zurückbleiben wollen.“
„Kant hat mehrere Fassungen seines kategorischen Imperativs hinterlasssen, Marx hat nur einen formuliert. Dieser eine fordert nicht, daß die eigenen Maximen als allgemeine Gesetze taugen, sondern ruft dazu auf, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch – das höchste Wesen für den Menschen – ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes und ein verächtliches ist.“
“Sozialismus ist nichts anderes als der pflichtmäßige Entschluß, den Kopf nicht vor den dringendsten Anforderungen der Materie, des gesellschaftlichen, kollektiven Lebens in den Sand der metaphysischen Dinge zu stecken, sondern sich auf die Seite derer zu schlagen, die der Erde einen Sinn geben wollen, einen Menschensinn.” Thomas Mann
„Kann das vom Kapital bewirkte Klimachaos durch Veränderungen des Verhaltens Einzelner oder durch alternative Modelle des Konsums gelöst werden? Die Titanic treibt weiterhin auf den Eisberg zu.“
„Tröstlich allein: Die Musik wird bis zum Ende spielen.“
„Nearer to thee, maltreated sea.“
„Ungleichheit des Wohlstands – Beeinflussung der Parteien durch wohlhabende Geldgeber – Kontrolle der Massenmedien durch Kapitalisten – Verdrängungswettbewerbe – Verschwendung von Produktionsmitteln – Oligarchie des Privatkapitals – Verstümmelung des Individuums: alles Stichwörter, die sich in Einstein’s Artikel »Why Socialism?« finden; auf deutsch: https://www.linksnet.de/artikel/19102Ꚙ
»Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, diese schwerwiegenden Übel zu beseitigen, nämlich durch den Aufbau einer sozialistischen Wirtschaft, begleitet von einem Bildungssystem, das auf soziale Ziele ausgerichtet ist«.“ Albert Einstein. Why Socialism? (1949)
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„Warnungen über die explosiv wachsende Ungleichheit und Mutmaßungen über das Ende des Kapitalismus werden schon längst nicht mehr nur von stehengebliebenen Sozialisten, sondern unter den Eliten der Weltwirtschafts-Gipfel diskutiert.“
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein, ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur die Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird.«
“Wir sind überzeugt, daß Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet.“ Bakunin
„Vielleicht findet sich eine Anzahl Genossen, die denkt: eine Spekulation über unser Endziel sei eigentlich eine Doktorfrage. Ich behaupte demgegenüber, daß für uns als revolutionäre, als proletarische Partei keine praktischere Frage existiert als die vom Endziel. Denn bedenken Sie: Worin besteht eigentlich der sozialistische Charakter unserer ganzen Bewegung? Der eigentliche praktische Kampf zerfällt in drei Punkte: den gewerkschaftlichen Kampf, den Kampf um die Sozialreform und den Kampf um die Demokratisierung des kapitalistischen Staates. Sind diese drei Formen unseres Kampfes eigentlicher Sozialismus? Durchaus nicht.“
„Die kapitalistische Gesellschaft (verwickelt) sich in unlösbare Widersprüche, die im Schlußresultat eine Explosion notwendig machen, einen Zusammenbruch, bei dem wir den Syndikus spielen werden, der die verkrachte Gesellschaft liquidieren wird.“
„In jedem Land der Welt war ein ungeheurer Schwarm Parteibonzen und schlauer, kleiner Professoren beschäftigt, zu »beweisen«, daß Sozialismus nichts anderes bedeutet als planwirtschaftlicher Staatskapitalismus, in dem das Motiv des Raffens erhalten bleibt.“
„Die Diktatur des Proletariats müsse »Werk der Klasse und nicht einer kleinen, führenden Minderheit im Namen der Klasse sein, d.h. sie muss auf Schritt und Tritt aus der aktiven Teilnahme der Massen hervorgehen«. Die Bolschewiki jedoch bevormunden und manipulieren die Bevölkerung, handeln undemokratisch und antisozialistisch.“
„Gewiß, der Sozialismus wird auf einer Ebene Gleichheit kennen: Jeder wird das gleiche Recht auf Nahrung, Wohnung, Bildung haben. Aber auf anderer Ebene wird gerade der Sozialismus eine gestufte Rangordnung schaffen. Menschen, die fähig sind, politische, soziale und kulturelle Reiche zu verwalten, werden eine Aristokratie nicht der Geburt, sondern des Geistes, der Leistung, der Bewährung bilden. Mit höheren Pflichten berufen, nicht mit materiellen Vorrechten ausgestattet.“
„Rangordnungen sind äffischen Ursprungs. Wahrscheinlich wird das Säugetier namens mensch, falls es das ihn beherrschende Wirtschaftssystem überlebt, sie nicht abschaffen, sondern nur abschwächen können.“
„Ihr Affentum meine Herrn, sofern Sie etwas Derartiges hinter sich haben, kann Ihnen nicht ferner sein als das meine. An der Ferse aber kitzelt es jeden, der hier auf Erden geht, den kleinen Schimpansen wie den großen Achilles.“
„Ist aber der Sozialismus eine gesellschaftliche Notwendigkeit, dann wäre, wenn er in Konflikt mit der Menschennatur käme, diese es, die den Kürzeren ziehen würde und nicht der Sozialismus.”
„Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder der öffentlichen Institutionen, wird zum Scheinleben, in der die Bürokratie allein das tätige Moment bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein, einige Dutzend Parteiführer […] dirigieren und regieren, […] und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grunde also eine Cliquenwirtschaft – eine Diktatur nicht des Proletariats , sondern die einer Handvoll Politiker, d.h. Diktatur im bürgerlichen Sinne der Jakobinerherrschaft. Solche Zustände müssen eine Verwilderung des öffentlichen Lebens zeitigen: Attentat, Geiselerschießungen usw …“ Rosa Luxemburg. Die russische Revolution (1918)
„In den drei großen Moskauer Schauprozessen (1936–1938) wurden fast alle der angeklagten 54 hochrangigen Parteifunktionäre und Militärs zum Tode verurteilt und erschossen. Diese Prozesse waren jedoch nur die Spitze des blutigen Eisbergs: Während des gesamten »Großen Terrors« (1937/1938) ließ das stalinistische Regime über 680.000 Menschen hinrichten.“ KI 17.5.26
„À toi, Staline!“ Picasso (1953)
„Der Anarchismus Kropotkins wendet sich gegen jede Art von Herrschaft, auch gegen die dogmatische Autorität und erst recht gegen Brachialgewalt. So konnte der heimgekehrte Kropotkin nicht mit Lenin zusammenarbeiten, der ihn dazu aufgefordert hatte, aber als Hegelianer an die Wahrheit glaubte, die in der Macht liegt. Kropotkin glaubte nicht an diese Wahrheit, sondern an Kants kategorischen Imperativ; er mißbilligte Lenins Ungeduld: »Verlangt ein Ereignis von so ungeheurer Tragweite wie die soziale Revolution nicht, daß man ihr einen Spielraum von Jahrzehnten gewährt?«“
„Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotiven der Weltgeschichte. Aber vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse.“ Walter Benjamin. Über den Begriff der Geschicht (1940)
„Ich lese Lenin immer und immer wieder; er hat 1916 geschrieben: »Den allgemeinen Interessen der Menschheit muß Priorität eingeräumt werden, auch gegenüber den Interessen des Proletariats.« Gorbatschow machte eine Pause und fügte lächelnd hinzu: »Und ich wünschte, die andere Seite der Welt würde das auch begreifen«.“
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„An den Orten, an denen die Materie etwas dichter war, wurde aufgrund der Schwerkraft noch mehr Materie aus der Umgebung angezogen. So haben sich winzige Verdichtungen zu Beginn des Universums im Lauf der Zeit zu größeren Materieklumpen entwickelt.“
„Wer da hat, dem wird gegeben.“
„Geburt, Reichthum, Stand und Rang machen Sie stolz, mein Herr Graf! Was thaten Sie denn, um so viele Vorzüge zu verdienen? Sie gaben sich die Mühe, auf die Welt zu kommen; das war die einzige Arbeit Ihres ganzen Lebens, dessen übrigen Theil Sie als ein ziemlich gewöhnlicher Mensch verpraßt und verprunkt haben.“ Beaumarchais. Figaros Hochzeit (1784)
„Das Glück ist wie die Henne; sie legt das zweite Ei nur dorthin, wo das erste schon liegt.“
“Ja, ja, so geht es. Natürlich. Das kennt man. Alte Familien halten immer zusammen, und wo was is, da kommt was dazu.”
„Steuerdaten reichen – je nach Land – bis ins 18. Jahrhundert zurück und zeigen, wie stabil die Ungleichheit in den vergangenen drei Jahrhunderten war: In allen westlichen Ländern konzentriert sich der Reichtum bei wenigen Familien. Zwar geht es Arbeitern und Angestellten […] besser als vor 150 Jahren, aber die Verteilung ist nicht viel gerechter geworden. Das Kapital ist hochkonzentriert.“
„Unternehmerdynastien wie Quandt, Flick, Oetker, Porsche oder Kühne haben ihre Vermögen und Konzerne während der NS-Zeit massiv ausgebaut, auch durch Einsatz von Zwangsarbeit und Arisierungen. Dies auf verbrecherische Weise gewonnene Vermögen wurde ihnen von den Alliierten nicht genommen. Es verschmolz mit dem Altvermögen aus der Zeit vor 1933 und bildete das Fundament des Wiederaufstiegs“.
„Als Eigentümer der weltgrößten Handelskette Walmart können sich die Waltons als die reichste Familie der Welt bezeichnen. Mehr als 570 Milliarden Dollar Umsatz in rund 12.000 Filialen weltweit zeichnen die Bilanz des Familienunternehmens im Jahr 2022. Das Vermögen liegt bei 224,5 Milliarden Dollar. Damit ist der Abstand zu der zweitreichsten Familie Mars sehr deutlich.“
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„Das Glück der Deutschen oder Wer macht Gesetze für wen? – Während kleine Erbschaften oft stark besteuert werden, bleiben große Vermögen fast steuerfrei.“
“Im Zeitraum bis 2027 wird das j ä h r l i ch e Erbvolumen in Deutschland inklusive Schenkungen bis zu 400 Milliarden Euro betragen.”
„Das deutsche Steuersystem ist strukturell ungleich: Große Vermögen und Milliardärserbschaften werden im internationalen Vergleich extrem niedrig besteuert. Die Vermögensteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben, und durch die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung bei Schenkungen und Erbschaften über 26 Millionen Euro entfallen in der Praxis oft Steuern in Milliardenhöhe. Die breite Mittelschicht trägt so die Hauptlast des Steueraufkommens.“ OA 28.6.26
„Ein breiter Aufstieg der Massen fand in Deutschland vor allem in die Mittelschicht statt (kollektiver Wohlstandsgewinn). Der Aufstieg aus der Masse in die Elite ist dagegen seit über 100 Jahren ein statistisches Extremereignis.“ OAI 28.6.26
„Drei deutsche Mittel, den Reichtum zu schützen, zu schonen und am besten gar nicht anzutasten: 1. Das Gesetz so biegen, dass eine Steuerhinterziehung nicht schon vorliegt, wenn eine Steuererklärung eingereicht wird, sondern erst dann, wenn ein Steuerbescheid ergangen ist – was nicht jeder sofort versteht, weil er zu gut über die Bundesrepublik Deutschland denkt. 2. Gegen Steuerhinterziehung am besten gar nicht erst vorgehen, sondern möglichst wenige Finanzbeamte einstellen. 3. Sollten einige der viel zu wenigen Finanzbeamten ihrer beruflichen Pflicht in einem so erfreulichen Maße nachkommen, dass die betrügende Branche unter Druck gerät und den Abbau von zuviel Bürokratie fordert, die Unruhe stiftenden Täter als »irreversibel paranoid-querulatorische“ Personen in den Ruhestand versetzen.“
„Experten gehen davon aus, dass rund 97 % der hinterzogenen Steuern unentdeckt bleiben.“ OAI 26.6.26
„Der jährliche Schaden betrage x Milliarden Euro: nämlich 30 (untere Schätzung des Bundesrechnungshofs) bis 200 Milliarden Euro.“
„Wie vermutet: Der Bundesrechnungshof hat keine unmittelbaren Eingriffsrechte und kann Missstände nicht selbst abstellen. Er fungiert als unabhängiges Beratungsorgan, das Mängel aufdeckt und Gesetzesänderungen anregt. Die Umsetzung liegt jedoch im Ermessen der Politik.“
„Vom Bundesrechnungshof nicht geforderte, sondern »angeregte« Reformen – etwa die Digitalisierung der Finanzverwaltung oder der Abbau umweltschädlicher Subventionen – kommen nur schleppend oder gar nicht voran.“
„Deutschland sei »eine der ungleichsten Demokratien in der ganzen Welt«. Es drohe sogar die Wiederkehr eines alten Gesellschaftssystems unter einem neuen Namen: »Geldfeudalismus«. In ihm sei für das Leben eines menschen entscheidend, in welche Familie er hineingeboren wird.“ Martyna Linartas
„Macht wird in Deutschland nicht ver-dient, sondern ver-erbt.“
„Soziale Bewegung, mit Ausnahme des Abstiegs, gebe es schon lange nicht mehr. Man dürfe sogar zweifeln, ob es das Gegenteil je in einem bemerkenswerten Maße gegeben hat.“
„In Deutschland gilt die Legende der Leistungsgesellschaft: Wer hart arbeitet, bringt es auch zu etwas – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Untersuchungen haben ergeben, dass diese Mär um so mehr geglaubt wird, je größer die Ungleichheit in einer Gesellschaft ist.“
„48% der Deutschen glauben noch immer an ein höheres Wesen, das aus vier oder fünf Buchstaben besteht.“
„Ein Deutscher, der es nach oben nicht geschafft hat, neigt zu Treue und Ertragen, er glaubt an das Prinzip »Führen und Folgen«, Aufruhr und Revolution liegen ihm nicht. Man kommt dabei leicht zu Schaden, vielleicht sogar zu Tode. Lieber läßt er sich von oben ein wenig kitzeln und hält still, wenn seine wenigen Mittel gekürzt werden, damit der Reichtum derer, die ihn und auch die Politik beherrschen, nicht angetastet werden muß.”
“Der Führer hat seiner Verachtung des deutschen Volkes, seiner Überzeugtheit von der Feigheit, Unterwürfigkeit, Dummheit dieser Menschenart, ihrer grenzenlosen Fähigkeit, sich belügen zu lassen, oft Ausdruck gegeben und nur jedesmal vergessen, eine Erklärung dafür hinzuzufügen, wie es ihm gelingt, gleichzeitig in den Deutschen eine zur Weltherrschaft bestimmte Herrenrasse zu sehen. Wie kann ein Volk, von dem psychologisch feststeht, daß es sogar gegen ihn niemals revoltieren wird, eine Herrenrasse sein?” Thomas Mann (16. Mai 1941 über den BBC-Hörfunk)
“Gibt es ein Volk, das so gerne gehorcht wie das deutsche?”
“Sollte ich mit zwei Namen andeuten, was ich als Deutschtum in unserem Jahrhundert verstehe, dann antwortete ich, ohne zu zögern: Deutschland – das sind in meinen Augen Adolf Hitler und Thomas Mann. Nach wie vor symbolisieren diese beiden Namen die beiden Seiten, die beiden Möglichkeiten des Deutschtums. Und es hätte verheerende Folgen, wollte Deutschland auch nur eine dieser beiden Möglichkeiten vergessen oder verdrängen.“ Marcel Reich-Ranicki. Mein Leben (1999) S. 104
“Es ist eine Daueraufgabe, das Jahr 1933 zu erklären. Und ich sehe die Gefahr, dass wir diese Aufgabe aus dem Auge verlieren. Dann wird der Nationalsozialismus wieder zu einem Betriebsunfall der deutschen Geschichte, den man nicht erklären kann. Oder zu einem Unglück, das jederzeit und überall hätte passieren können. Nach dem Motto, es gab ja schließlich viele Genozide und Gewalttaten im 20. Jahrhundert, die Deutschen einfach Pech gehabt. Das wäre ein krasser Rückfall in eine längst überwundene Vorstellungswelt.” Andreas Wirsching. SPIEGEL 23/2021
„Die deutsche Elite: Spitzenpolitiker, Bundesrichter, hohe Verwaltungsbeamte oder Vorstände eines Großunternehmens, ungefähr 4000 Personen, prägen auf unterschiedliche Weise das Leben der 83 Millionen Deutschen. Sie verabschieden Gesetze, entscheiden, in welche Bereiche Geld fließt, fällen weitreichende Gerichtsurteile und sitzen in den Chefsesseln großer Unternehmen.“
„Trotz politischer Umbrüche – Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik – bleibt die deutsche Elite homogen. Einen Einschnitt, geschweige denn eine Revolution, hat sie bisher nicht erleiden müssen. Das Prinzip ihrer Auslese, auch Selbstrekrutierung genannt, ist nicht Leistung, sondern Herkunft und Habitus. Die neu Hinzukommenden sollen Gleiche, zumindest Ähnliche sein. Man erkennt einander an den versteckten Regeln, die innerhalb einer sozialen Schicht gelten, d.h. an allen möglichen Kleinigkeiten und an der Selbstsicherheit, mit der sie praktiziert werden. Das trete z.B. zum Vorschein bei Personalentscheidungen, und dann um so stärker, je kleiner der Kreis der Entscheider ist.‘
„»Welche bessere Regierung hätte ein Volk in unserer Lage sich wünschen und finden können?« Die Kreuzzeitung am 31.1.1933 „Das Blatt war ein richtungsweisendes Organ der konservativen Oberschicht. Zur Leserschaft gehörten der Adel, Offiziere, hohe Beamte, Industrielle und Diplomaten – jedoch niemals mehr als 10.000 Abonnenten. Weil die Leser zur Elite zählten, wurde die Kreuzzeitung oft zitiert und war zeitweise sehr einflussreich.“
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„Warum wehren sich die Millionen, die in einer Welt horrenden Reichtums ein armseliges Leben führen, nicht gegen ihre alltägliche Ausbeutung und einen frühen Tod? Warum rufen nicht alle in allen Staaten zu einem Generalstreik auf?“
„Von 1980 bis 2011 haben Gewerkschaften in Westeuropa 118 Generalstreiks durchgeführt. Allein in den Jahren 2010 und 2011 gab es 24 Generalstreiks. In 13 weiteren Fällen wurden Streiks abgesagt, nachdem Regierungen Zugeständnisse angekündigt hatten.“
„Warum tun die Deutschen nicht, was Franzosen, Italiener, Belgier, Griechen, Spanier, Portugiesen und andere tun? Warum rufen sie nie zu einem Generalstreik auf?“
„Weil er ihnen verfassungsrechtlich nicht erlaubt worden ist.“
„Nicht erlaubt? Ja, saßen denn im Parlamentarischen Rat [September 1948 – Mai 1949] keine Arbeiter?“
„Nein, im Parlamentarischen Rat saß kein einziger Arbeiter. Das Gremium bestand fast ausschließlich aus Akademikern, Beamten, Juristen und Verbandsvertretern. Der Rat setzte sich aus 65 Abgeordneten der Landesparlamente zusammen, darunter 61 Männer und vier Frauen.“
„Ihr frommes Produkt beginnt mit den Worten: »Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen …« und enthält ein Versprechen, das nicht gehalten wurde: »Dieses Grundgesetz […] verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist«“
„Von der DDR lernen? Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank! Lieber versprechen wir ihnen »blühende Landschaften« und zeigen ihnen dann auf möglichst brutale Weise, wie Kapitalismus geht, damit sie sich in Zukunft so anständig verhalten wie die, die das schon gelernt haben.”
„Die Arbeiterklasse bildete mit 51% die absolute Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung. Trotzdem war sie mit 0 von 65 Sitzen im Parlamentarischen Rat vertreten.“ OAI 9.6.26
„Durfte das deutsche Volk denn wenigstens über das Grundgesetz abstimmen?“
„Nein, auch das durfte das deutsche Volk nicht“.
„Offenbar können die Oberen im Westen Deutschlands, der heute bis an die Oder reicht, mit dem deutschen Volk alles machen, was für sie von Vorteil ist. Es wird schon mitmachen, das Volk, auch wenn es vielleicht einmal bockt.“
„Soll der Bau sich hoch erheben
Muss es oben und unten geben Darum bleib an seinem Ort
Jeder wo er hingehört.
Fort und fort
Tue er das ihm Gemäße
Da er, wenn er sich vergäße
Unsere Harmonien stört. Unten ist der Untere wichtig Oben ist der Richtige richtig.“
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„Der unbestreitbare Gedanke, daß man, um die Menschheit zu erforschen, nicht von Einzelmenschen, sondern von der Gruppe ausgehen müsse, stammt nicht aus der Enzyklopädie. Erst im Jahre 1767 sagt Adam Ferguson in seinem Buche An Essay on the history of Civil Society, daß alle Zeugnisse, die wir besitzen, von den ältesten bis zu den neuesten, aus allen Teilen der Erde, die Menschheit stets nur in der Gestalt von Gruppen und Gesellschaften zeigen, und daß man daher von dieser Tatsache ausgehen müsse. So kann also Ferguson als der Begründer der modernen Soziologie betrachtet werden“
„Man weiß, daß in jeder Gruppenbildung die Entzweiung lauert, Spaltung, Widerspruch, Unterscheidung, Lebensäußerungen des Geistes […] lassen, wenn die Übereinstimmung einmal erzielt ist, nie lange auf sich warten. So gewinnt sich der Geist in seinen Vorbehalten […] die Freiheit wieder; er erhebt sich sogar gegen Tatsachen, gegen den Augenschein; er ist der Empörer schlechthin, selbst wenn er Ordnung schafft.“
„Von der Sippe bis zum Staat hat die Gruppe den Besitz repräsentiert. Er vermittelt für die Individuen, nachdem sie einmal das Bewußtsein des Todes als absoluter Katastrophe erlangt haben, die Vorstellung, daß sie ihn überstehen. Der Besitz dauert durch die Folge der Generationen. In feudalistischen Perioden gibt er ihnen den identischen Namen, von dem ihr Sein und Selbstbewußtsein unablösbar ist. Der Name der Bürger empanzipiert sich von dem Ort, den sie besiedelten [z.B. Duval, Dupont, Dumont] und der Besitz wird zur Sache, durch deren Vererbung das abgelöste Individuum über sich hinausgreift.“
„Eigentum kann lebenslang und sogar darüber hinaus gelten. Aus dem temporären Gehören wird ein permanentes Gehören geschaffen. Durch Eigentum versucht der Mensch in dem kurzen Moment zwischen dem ins Leben geworfen und wieder herausgeschleudert werden, eine Menschenleben überdauernde Eigentumskonstante aufzubauen.“
„Nach 1945 wurden zwar drei Gerichtsverfahren gegen NS-Geschäftsleute eingeleitet, aber fast keiner wurde bestraft, obwohl schätzungsweise 2,7 Millionen Menschen während ihres Einsatzes als Zwangsarbeiter*in gestorben oder ermordet worden waren. Die Amerikaner wollten den Kapitalismus nicht vor Gericht stellen. Der Kalte Krieg hatte begonnen, und sie trafen die Entscheidung, Westdeutschland als einen demokratisch lebensfähigen und wirtschaftlich starken Staat wieder aufzubauen, der als Puffer gegen die Sowjetunion und das Vordringen des Kommunismus dienen sollte.“
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„Der Mensch hat mit seinen Städten, Straßen und großen Bauwerken wie zum Beispiel Staudämmen, die inzwischen drei Viertel aller Flüsse einschränken, die Erde stärker verändert als jedes andere Lebewesen. Die Masse der Technosphäre, dies sind alle Materialien und Strukturen des Menschen, hat die lebende Biomasse der Erde übertroffen. Laut einer im Fachmagazin PNAS publizierten Studie existieren pro Mensch 115 Tonnen anthropogene Materialien“
„Im Jahr 2010 lebten erstmals in der Menschheitsgeschichte ebenso viele Menschen in Städten wie in ländlichen Regionen. Nach Prognosen der Vereinten Nationen wird sich dieser Trend fortsetzen, sodass 2050 rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten, d.h. Räumen erhöhter Luft- und Wasserverschmutzung, leben werden.“
“Der Bericht vom Health Effects Institute (HEI), einer unabhängigen, gemeinnützigen Forschungs- organisation mit Sitz in den USA zeigt, dass Luftverschmutzung im Jahr 2021 weltweit für 8,1 Millionen Todesfälle verantwortlich ist.“
„Traffic has become so heavy that a car in London or Paris today is no faster than a horse-drawn carriage was a century ago, and air pollution from transport alone is thought to be responsible for 3 million deaths worldwide each year.“
„Als globale Verdunkelung bezeichnet man eine Trübung der Atmosphäre, in deren Folge die Intensität des Tageslichtes, das die Erdoberfläche erreicht, absinkt. Im Indischen Ozean maßen Wissenschaftler eine um 10 Prozent geringere Sonneneinstrahlung als in Gebieten mit sauberer Luft. Ursache ist die Luftverschmutzung durch Schwebstoffe, besonders Sulfat-aerosole und Ruß, Kondensstreifen von Flugzeugen sowie Staub aus Vulkanausbrüchen oder Kohlebränden.“
„Insgesamt gab es laut EEA im Jahr 2022 in Deutschland 69.865 Todesfälle durch Luftverschmutzung aufgrund von Feinstaub (PM2,5) und 28.464 aufgrund des Diesel-abgas-gifts NO2. Zum Vergleich: Durch Verkehrsunfälle starben bundesweit im gleichen Zeitraum rund 2.800 Menschen.“
„Die einen wie die anderen: sie dürften Menschen gewesen sein, die für das Wachstum der Wirtschaft gestorben sind. Also danken wir ihnen und ziehen keine falschen Schlüsse aus ihrem Tod.“
‘Weltweit geht einer von fünf Todesfällen bei Menschen ab 15 Jahren auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurück. Laut früherer Studien senkt die Verbrennung die Lebenserwartung um mehr als zwei Jahre. In China und Indien sogar um rund vier Jahre. In Europa sind es durchschnittlich etwa acht Monate. Die neue Studie kommt allerdings auf fast doppelt so viele Todesopfer wegen fossiler Luftverschmutzung.’
„Rund 35 Prozent des weltweiten Stroms wurden 2024 mithilfe von Kohle erzeugt. Ihre Verfeuerung gehört zu den schädlichsten Praktiken auf der Erde, mit weltweit bleibenden Schäden für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Für diese Schäden kommt jedoch nicht die Kohleindustrie auf, sondern die Gesellschaft.“
„Nimm’s leicht, nimm Gift!“
„Nein, du mußt nur atmen.“
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„Naturwissenschaftliche Gesetze gelten erst, wenn man rechnen kann, d.h. wenn man Bereiche betrachtet, die größer sind als etwa ein Dreißigstel des stabilsten Elementarteilchens, des Protons. In Meter übersetzt ergibt das eine Null vor und 43 Nullen hinter dem Komma, bevor eine Eins kommt, zehn hoch minus 43 Meter. Für Areale mit kleineren Durchmessern gelten weder die Naturgesetze, noch bietet die Mathematik bislang das notwendige Rüstzeug, dort gültige Gesetze überhaupt zu formulieren. Würde ein Beobachter unter diese Fundamentallänge schrumpfen, stünde er im naturwissenschaftlichen Nirwana – im naturwissenschaftlichen Nichts.“
„Man sieht, wie sich Leute darüber beklagen, daß sie nach allen erdenklichen Anstrengungen, um das Nichts zu begreifen, doch nicht damit fertig werden können. Was ist der Erschaffung der Welt vorausgegangen? Was hat ihren Platz eingenommen? Nichts. Wie aber soll man sich dieses Nichts vorstellen? Es ist leichter, sich eine ewige Materie vorzustellen. Jene Leute strengen sich dort an, wo man sich überhaupt nicht anstrengen sollte, und das ist eben der Grund, der sie in Verlegenheit bringt. Sie wollen sich irgendeine Idee bilden, die ihnen das Nichts vorstellt …“
“Ja, selbst das Nichts können wir nur bildlich bezeichnen. Das lateinische nihil bedeutet ne-filum (keinen Faden), das französische ne rien kommt vom lateinischen rem (Sache), ne pas stammt von non passum (keinen Schritt), das italienische niente bedeutet ebenso wie das deutsche nichts oder das Sanskritwort asat das Nichtseiende.“
„ Nichts!… Man sagt nicht »Nichts«: man sagt dafür »Jenseits«: oder »Gott«; oder »das wahre Leben«; oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit… Diese unschuldige Rhetorik aus dem Reich der religiös-moralischen Idiosynkrasie erscheint sofort viel weniger unschuldig, wenn man begreift, welche Tendenz hier den Mantel sublimer Worte um sich schlägt: die lebensfeindliche Tendenz.“
„Das ganze Hauswesen bis auf den geringsten Dienstboten bestand aus lauter solchen
Personen, deren Bestreben nur dahin ging oder zu gehen schien, in ihr »Nichts«
(wie es die Mad. Guion nennet) wieder einzugehen, alle Leidenschaften zu
»ertöten« und alle »Eigenheit« auszurotten.”
“Diese Mad. Guion mußte viel Verfolgung leiden und wurde endlich, weil man ihre
Lehrsätze für gefährlich hielt, in die Bastille gesetzt, wo sie nach einer zehnjährigen
Gefangenschaft starb. Als man nach ihrem Tode ihren Kopf öffnete, fand man ihr Gehirn
fast wie ausgetrocknet.“
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„Schopenhauers Wille ist ein metaphysischer, der Kants »Ding an sich« ersetzen soll. Er sei ein blinder, irrationaler, an sich selbst leidender Drang, der auf der Suche nach Befriedigung das ursprüngliche Eine zerstört und alles zu einem leidenden Etwas macht, das durch Entzweiung, Streit, Haß und Krieg die Zersplitterung vorantreibt.”
„Die Welt, wie der mensch sie wahrnimmt, ist nur ein Gewebe von Vorstellungen, ein »Schleier«, der durch das Zusammenwirken von Zeit, Raum und Kausalität in seinem Gehirn entsteht. Die Macht des allgegenwärtigen Willens kann nur abgeschwächt werden durch seine Verneinung: durch Askese, Kunst und Mitleid, das den Egoismus überwindet und das Leiden anderer als eigenes empfindet.“
“Wenn man Mitleid fühlt, so fragt man nicht erst andere Leute, ob man es fühlen soll.“
„Für ein empfindsames Gemüt ist Mitleid nicht selten Schmerz. Wenn sich dann schließlich herausstellt, daß das Mitleid doch zu keiner wirklichen Hilfe führt, verlangt die Selbsterhaltung, daß sich die Seele davon frei macht.“
„Aber was liegt am Mitleiden derer, welche leiden! Oder derer, welche gar Mitleiden predigen! Es gibt heute fast überall in Europa eine krankhafte Empfindlichkeit und Reizbarkeit für Schmerz, insgleichen eine widrige Unenthaltsamkeit in der Klage, eine Verzärtlichung, welche sich mit Religion und philosophischem Krimskrams zu etwas Höherem aufputzen möchte – es gibt einen förmlichen Kultus des Leidens.“
„Der heilige Martin, wie ihr wisst
Ertrug nicht fremde Not.
Er sah im Schnee ein armen Mann
Und er bot seinen halben Mantel ihm an
Da frorn sie alle beid zu Tod.
Selbstlosigkeit hatt’ ihn so weit gebracht!
Beneidensweit, wer frei davon!“
„Das Mitleid bleibt immer dasselbe Gefühl, ob man es für einen Menschen oder für eine Fliege empfindet. Der dem Mitleid zugängliche Mensch entzieht sich in beiden Fällen dem Egoismus und erweitert dadurch die moralische Befriedigung seines Lebens.“
»Wo immer ich gehe, folgt mir ein Hund namens Ego«
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“Wir bekennen es vielmehr frei: was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle die, welche noch des Willens voll sind, allerdings nichts. Aber auch umgekehrt ist denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so sehr reale Welt mit allen ihren Sonnen und Milchstraßen – nichts.“
„Sterben hieße nichts anderes, als ein Nichts dem Nichts hinzugeben, aber das wäre dem Gefühl unmöglich, denn wie könnte man sich auch nur als Nichts mit Bewußtsein dem Nichts hingeben und nicht nur einem leeren Nichts, sondern einem brausenden Nichts, dessen Nichtigkeit nur in seiner Unfaßbarkeit besteht.“
„Dein und mein Leben, das Leben alles anderen: eine irre, absurde Angelegenheit, eine befristete Unterbrechung des Nichts; alles, was entsteht, was gesagt und getan wird: Lawinen, Gesänge und Kaiser; Blumen, Verträge und Knast; Umkreisung des Mondes, Gesammelte Werke, Fischweck und Streichkonzert – was du willst und meinst, es ist alles ‘made of nothing’ – entschuldige die Metapher. Streiche sie!“
“Wenn dir das substantivierte nichts, ‘das Nichts’, begegnet, lies nicht weiter, ohne zu denken, dass nun Irrtum und Unsinn folgen. Das Nichts, um wirklich nichts zu sein, darf nicht einmal existieren; das Nichts dagegen, das sein darf, ist nicht Nichts, sondern ein Etwas, das mit Tausenden von Qualifizierungen, meist kränkenden, überhäuft wird. So sehr leidet und klammert sich mensch an seine fatale Existenz.“
“Wenn ich nicht mehr bin, fehle ich mir auch nicht.”
„Der grosse Überdruss am Menschen – der würgte mich und war mir in den Schlund gekrochen: und was der Wahrsager wahrsagte: »Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.« […] Allzuklein der Grösste! – Das war mein Überdruss am Menschen! Und ewige Wiederkunft auch des Kleinsten! – Das war mein Überdruss an allem Dasein!“
“Ich war nicht mehr als nichts.” Michelangelo
„Das Leben ist nur das Schellenkleid, das das Nichts umgehängt hat, um damit zu klingeln und es zulezt grimmig zu zerreißen und von sich zu schleudern. Es ist alles Nichts und würgt sich selbst auf und schlingt sich gierig hinunter, und eben dieses Selbstverschlingen ist die tückische Spiegelfechterei, als gäbe es etwas, da doch, wenn das Würgen einmal innehalten wollte, eben das Nichts recht deutlich zur Erscheinung käme.“
„Wem?“
„Hab ich mich nicht zwiefach überzeugt? Wenn ich hinsehe ins Leben, was ist das Letzte von allem? Nichts. Wenn ich aufsteige im Geiste, was ist das Höchste von allem? Nichts.”
„»Alles für nichts!« ist der irdische Imperativ.“
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„Wir warten alle auf den Messias.“
„Sind denn alle Menschen Juden oder Christen?“
“Denen gehört das Paradies, die – auf dem Wege Allahs – töten und getötet werden”
“Die Yasiden [= Jesiden] halten sich für die besten Menschen, weil sie von einem Zwillingspaar abstammen, das in einem Kruge entstand, in dem Adams Samen neun Monate lang aufbewahrt worden war. Die anderen Sterblichen, an deren Entstehung Eva beteiligt war, sind ihnen gegenüber von geringerem Wert.”
„… ja in gewissen Gegenden Norwegens pflegten die Bauern noch zu Ende des 18. Jahrhunderts runde Steine als Sinnbilder heidnischer Gottheiten aufzubewahren Man wusch sie jeden Donnerstagabend, was darauf hin zu deuten scheint, daß sie den Thor vorstellten, und erwies ihnen allerlei Ehren wie Eintauchen in Bier, Bestreichen mit Butter, Betten auf frischem Stroh. Die Inselbewohner von Imiskea bei Mayo (Irland) hatten noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts einen in Flanell gewickelten Stein, den sie, wenn sich ein Sturm erhob, hervorholten und anflehten, daß er ihnen ein Wrack an die Küste werfen möge.“ Buffon. Epochen der Natur (1781)
„In seinem Hauptwerk überträgt Marx den Fetischbegriff auf Erscheinungen der politischen Ökonomie. […] Es gebe »die der kapitalistischen Produktionsweise eigentümliche, und aus ihrem Wesen entspringende fetischistische Anschauung, welche ökonomische Formbestimmtheiten, wie [z.B.] Ware zu sein, den stofflichen Trägern [als eine] an und für sich zukommende Eigenschaft betrachtet«. Der Kerngedanke besteht darin, dass so wie Gott, der, obwohl ein Geschöpf menschlichen Denkens, seinen menschlichen Schöpfer beherrscht, den Produzenten die von ihnen produzierten Waren wie ein Fetisch erscheinen, obwohl sie nur Vergegenständlichungen ihrer Arbeit sind.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Warenfetisch (2.9.19)
„M. vertrat den Standpunkt, daß »eine Ameise zu töten ein größeres Verbrechen sei, als einen Menschen zu töten, da die Seele des Menschen bei seinem Tode in einen anderen Körper übergeht, während die Ameise endgültig stirbt«
„Wie viele Millionen Schlüsse werden jeden Tag auf der Grundlage einer Fiktion korrekt gezogen?“
“Maskarin, ein Zeitgenosse Buddhas, lehrte, daß jede Seele in einer Reihe von genau 84 000 Geburten die ganze Skala von Seinsarten der verschiedenen Naturreiche durchlaufen muß.“
„Wer darf versichert sein, daß er, sprachliche Möglichkeiten gedankenlos nutzend, nicht wahnsinnig geworden ist, ohne es zu merken?“
„Fast 2000 Jahre lang hegten Millionen ansonsten intelligenter Menschen die Überzeugung, daß jene Teile der Menschheit, die nicht ihrem speziellen Glauben anhingen oder nicht ihre Rituale befolgten, auf Befehl eines liebenden Gottes ewig im Jenseits in Flammen schmoren müßten. Andere Kulturen hatten andere, ähnlich gespenstische Phantasievorstellungen entwickelt — wiederum ein Beweis für die Allgegenwart der paranoiden Veranlagung des Menschen.“
“Im Grunde gab es nur Einen Christen, und der starb am Kreuz.”
„Man könnte, mit einiger Toleranz im Ausdruck, Jesus einen »freien Geist« nennen – er macht sich aus allem Festen nichts: das Wort tötet; alles, was fest ist, tötet. Der Begriff, die Erfahrung »Leben«, wie er sie allein kennt, widerstrebt bei ihm jeder Art Wort, Formel, Gesetz, Glaube, Dogma. Er redet bloß vom Innersten: »Leben« oder »Wahrheit« oder »Licht« ist sein Wort für das Innerste – alles Übrige, die ganze Realität, die ganze Natur, die Sprache selbst, hat für ihn bloß den Wert eines Zeichens, eines Gleichnisses.“
„Insgleichen fehlt die Dialektik, es fehlt die Vorstellung davon, daß ein Glaube, eine »Wahrheit« durch Gründe bewiesen werden könnte (– seine Beweise sind innere »Lichter«, innere Lustgefühle und Selbstbejahungen, lauter »Beweise der Kraft« –). Eine solche Lehre kann auch nicht widersprechen: sie begreift gar nicht, daß es andre Lehren gibt, geben kann, sie weiß sich ein gegenteiliges Urteilen gar nicht vorzustellen. Wo sie es antrifft, wird sie aus innerstem Mitgefühle über »Blindheit« trauern – denn sie sieht das »Licht« –, aber keinen Einwand machen…“
“Die Kirche ist exakt das, wogegen Jesus gepredigt hat – und wogegen er seine Jünger kämpfen lehrte.”
„Das Christentum aber verlangt seit dem 4. Jahrhundert, Seele und Gewissen des einzelnen für sich allein zu besitzen, und nimmt […] den weltlichen Arm in Anspruch, als verstünde sich dies von selbst, gegen Heiden und ganz besonders gegen christliche Ketzer.“
„Dieselbe Religion, deren Sieg ein Triumph des Gewissens über die Gewalt war, operiert nun auf die Gewissen mit Feuer und Schwert los. Furchtbar ist die Stärke seiner Affirmation. Der Märtyrer wird, wenn er seine Qualen überlebt hat, konsequent Verfolger, nicht sowohl aus Vergeltung als vielmehr, weil ihm seine Sache über alles geht. Ohnehin war vielleicht sein äußeres Leben wenig wert; er hatte sogar Lust zu leiden und zu sterben. (Dergleichen auch außerhalb des Christentums, ja außerhalb der Religion vorkommt, ohne daß damit der geringste Beweis für den objektiven Wert der betreffenden Sache geleistet wäre.) Jetzt, mit ihrer unendlichen Bekümmernis für die Seele des einzelnen, läßt die Kirche, demselben nur die Wahl zwischen ihrem Dogma […] und dem Scheiterhaufen. Ihre schreckliche Voraussetzung ist, daß der Mensch ein Recht über die Meinungen von seinesgleichen haben müsse.“ Jacob Burckhardt. Weltgeschichtliche Betrachtungen (1905)
„386 wurden die ersten Christen von anderen Christen aus dogmatischen Gründen hingerichtet. Man rate, wenn man es nicht weiß: Wer waren die Fleischfresser und wer waren die Asketen?“
„Die Abscheulichkeit gerade dieser Religion besteht darin, daß sie als Beweis des Christseins einmal die Fähigkeit forderte, ein Tier zu töten und zu verzehren.“
„Wie viele Christentümer hat die katholische Kirche ausgerottet?“
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„Die gesamte Geschichte hindurch glaubten fast alle Menschen gleichzeitig an mehrere Erzählungen. […] Diese Ungewissheit bereitete den meisten Religionen Kopfzerbrechen, und deshalb erklärten sie den Glauben zur Kardinaltugend und den Zweifel zu einer der schlimmstmöglichen Sünden.“
„… denn wer da zweifelt ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebt wird. Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen. Solcher Mensch denke nicht, daß er etwas von dem HErrn empfangen werde.“ Jakobus 1, 6
„Unsere Religion ist, glaube ich, die einzige, welche diese Absonderlichkeit kennt: die Anstrengung zu glauben, das Glaubenwollen und den Wert, der diesem »Glauben« beigemessen wird – (der, wenn er nicht naiver, unbewußter Glaube ist, mir verdächtig, geheuchelt, berechnet erscheint).“
„Der Begriff des Glaubens ist eigentlich eine Erfindung des Protestantismus, um einerseits die Wissenschaft, andererseits den Aberglauben nicht als die einzige Alternative gelten zu lassen. Für das Judentum hat es dieses Problem nie gegeben. Die Vorschriften bestimmen das gesamte Leben des frommen Juden. Das hat das Judentum zusammengehalten, denn ganz gleich, wohin der Jude kam, seine Glaubensbrüder lebten nach denselben Geboten.“
“Aber ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich wenigstens kein Mittel als das, in einer Nacht ihnen allen die Köpfe abzuschneiden und andere aufzusetzen, in denen auch nicht eine jüdische Idee sei.” Johann Gottlieb Fichte. Beiträge zur Berichtigung der Urtheile des Publikums über die französische Revolution (1793)
“Nichtjuden sind seelenlos von Geburt an und sollten getötet werden, um ihre bösen Veranlagungen in Schranken zu halten. Wenn wir einen Nichtjuden töten, der eine der Sieben Gebote verletzte, dann handeln wir richtig. Es ist nach dem Jüdischen Gesetz erlaubt, nichtjüdische Säuglinge zu töten, wenn es ersichtlich ist, dass sie gegen uns Böses tun werden, wenn sie erwachsen sind.” Rabbiner Jitzhak Schapira
“Ist Religion heilbar?”
„Ich will aufhören, an Gott zu glauben, wenn ich sehe, daß ein Baum ein Gedicht macht und ein Hund eine Madonna malt; eher nicht.“
‘Statistiken besagen, dass in den USA nahezu 50 Prozent der Bevölkerung dem Thema Evolution aus religiöser Überzeugung ablehnend bis feindselig gegenüber stehen. In den Schulen, so der US-Präsident B., sollte die Lehre von einem göttlichen Schöpfer der Welt gleichwertig mit der Evolutionstheorie im Fach Biologie gelehrt werden.’
‚Gott ist. Jedes weitere Wort wäre eine Blasphemie.‘
„Oder ein Spaß?“
„Ein fester Zahn ist unser Gott.”
„Der Glaube versetzt Buchstaben.“
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„Einen Zusammenhang von Religion und Mordlust bezeugt, zumindest für seine Religion, unverhohlen Ruhollah Chomeini: »Die reinste Freude im Islam ist töten und getötet zu werden für Allah.«
„Die islamische Theologie besitzt keine argumentativen Ressourcen, um das Vorgehen des IS als «unislamisch» zu verurteilen. Es gibt im Islam nämlich kein generelles Tötungsverbot. Es gibt hingegen eine generelle Tötungslizenz.“
„Auf höhere Weisung, mit gutem Gewissen, jeden Tag töten dürfen: Säugetiere und andere Tiere, nicht Tausende oder Millionen, sondern im Laufe eines Jahres Milliarden – dieses Glück bieten anthropomorphe Religionen ihren Anhängern.“
„Alles, was sich regt und lebt, diene euch zur Nahrung; wie die grünen Pflanzen überlasse ich euch alles.“ Genesis 9:3
„Zu untersuchen und zu lehren, in wie weit Gott aus der Welt erkannt werden kann? Sehr wenig, es könnte ein Stümper sein.“
„Werden anders geartete Formen des Glaubens, in denen das Wort »Gott« den Versuch bezeichnet, einer groben Vermenschlichung zu entgehen – Meister Eckart, Spinoza, Kant, Fichte, Jaspers, Einstein – je die Menschheit ergreifen?“
„Wozu denn? Ist die Bestie nicht gerade dabei, den Globus von sich und allen Göttern zu befreien?“
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“Sprachgeborene Fantasien füllen die Windungen und Winkel des Gehirns. Es ist nicht willens, sie zu entlarven; denn Füllung ist Füllung, und nur darauf kommt es ihm auf seinem Rückweg ins Rückgrat an.”
„Die Vorsehung, die […] etwaige Versagungen in einer jenseitigen Existenz gutmachen wird, kann der gemeine Mann sich nicht anders als in der Person eines großartig erhöhten Vaters vorstellen. Nur ein solcher kann die Bedürfnisse des Menschenkindes kennen, [und] durch seine Bitten erweicht, durch die Zeichen seiner Reue beschwichtigt werden. Das Ganze ist so offenkundig infantil, so wirklichkeitsfremd, daß es einer menschenfreundlichen Gesinnung schmerzlich wird zu denken, die große Mehrheit der Sterblichen werde sich niemals über diese Auffassung des Lebens erheben können.“
„Das Beten, als ein innerer förmlicher Gottesdienst und darum als Gnadenmittel gedacht, ist ein abergläubischer Wahn (ein Fetischmachen); denn es ist ein bloß erklärtes Wünschen gegen ein Wesen, das keiner Erklärung der inneren Gesinnung des Wünschenden bedarf.“ Kant. Religion innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft (1793)
„Das Gebet allein besiegt selbst Gott.“ Tertullian
“Bei dem Gebete ist auch »Heuchelei«, denn der Mensch stellt sich hierbei die Gottheit als etwas sinnlich Wahrnehmbares vor, da sie doch nur ein Prinzip ist, das uns die Vernunft anzunehmen zwingt.“ Kant. Schriftlicher Nachlaß.
“Ob man sich ein Idol macht aus Holz, Stein, Metall, oder es zusammensetzt aus abstrakten Begriffen, ist einerlei: es bleibt Idolatrie, sobald man ein persönliches Wesen vor sich hat, dem man opfert, das man anruft, dem man dankt. Es ist auch im Grunde so verschieden nicht, ob man seine Schaafe oder seine Neigungen opfert.”
“Ist KI nicht schon heute ein Gott? Eine Person, die nicht existiert, der aber aber allesbesser weiß?”
„wan minnestv got, alse er got ist, als er geist ist, als er person ist vnd als er bilde ist, – es mvos alles abe! »wie sol ich in denne minnen?« – Dv solt in minnen, als er ist Ein nit-got, Ein nit-geist, Ein nit-persone, ein nit-bilde“ Meister Eckhart. Predigt 83
“Die Menschen haben drei große Versuche unternommen, um sich von der Verfolgung der Toten, der Boshaftigkeit des Jenseits und den Ängsten der Magie zu befreien. In einem Abstand von etwa einem halben Jahrtausend haben sie nacheinander den Buddhismus, das Christentum und den Islam konzipiert; und es fällt auf, daß jede dieser Etappen in bezug auf die vorherige keinen Fortschritt, sondern vielmehr einen Rückschritt bedeutet. Für den Buddhismus gibt es kein Jenseits; alles beschränkt sich auf eine radikale Kritik, deren sich die Menschen nie wieder fähig erweisen sollten und an deren Ende der Weise zu einer Verweigerung des Sinns aller Dinge und Wesen gelangt: einer Disziplin, die das Universum und sich selbst aufhebt. Das Christentum, von neuem der Angst nachgebend, stellt die andere Welt wieder her, ihre Hoffnungen, ihre Drohungen und ihr Jüngstes Gericht. Dem Islam bleibt nichts mehr zu tun übrig, als daran anzuknüpfen: die zeitliche Welt und die geistige Welt sind vereint. Die soziale Ordnung schmückt sich mit dem Prestige der übernatürlichen Ordnung, die Politik wird zur Theologie.” Lévi-Strauss. Traurige Tropen (1955)
„Eine Kanone erfinden, groß genug, die Erde hineinzuladen und sie Gott ins Gesicht zu schießen.”
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„Es wird aber behauptet, daß jeder von uns sich in irgendeinem Punkte ähnlich wie der Paranoiker benimmt, eine ihm unleidliche Seite der Welt durch eine Wunschbildung korrigiert und diesen Wahn in die Realität [auch sprachlich] einträgt.“
„Da höhere und niedere Begriffe nur beziehungsweise (respective) so heißen: so kann ein und derselbe Begriff, in verschiedenen Beziehungen, zugleich ein höherer und ein niederer sein. So ist z.B. der Begriff Mensch, in Beziehung auf den Begriff Pferd, ein höherer; in Beziehung auf den Begriff Tier ein niederer.“ Kant
„Der mensch ist ein Säugetier. Kann er fliegen wie eine Fledermaus? Ist also die Fledermaus das höhere Säugetier?“
„Wenn verglichen wird, um eine Hierarchie zu installieren, kommt es auf die Auswahl der Merkmale an. Die Ergebnisse sind i.d.R. vorhersehbar oder sogar beabsichtigt.“
„Mit dem Wort »Mensch« versucht eine Art sprechender Säugetiere sich heute ihren tierischen Charakter wegzureden. Das war im 18. Jahrhundert noch nicht bei allen Mode: Voltaire, Herder, Kant, La Mettrie, Reimarus halten daran fest, daß menschen Tiere sind, die nur bedingungsweise auf dem Weg zum Menschen ein Stück vorrücken. Dann aber kam die industrielle Revolution und mit ihr die sich massenhaft verbreitende Meinung – bei nur wenigen eine sich begründende Überzeugung – , daß naturwissenschaftliche Forschung, technische Intelligenz und ökonomischer Zwang – oft irrtümlich mit Gier oder Ehrgeiz identifiziert – die fabelhaft erfüllbaren Bedingungen des Mensch-Seins seien. Es wird aber in Zukunft menschen nur noch geben, wenn sie wissen und nicht vergessen, daß sie als Tiere doppelt gefährdet bleiben: durch ihre angeborenen, allenfalls temperierbaren Triebe und durch ihre mangelhaften, zu Irrtum, Fälschung, Betrug, Streit, Krieg und Bürgerkrieg einladenden Sprachen, die wesentlich, Wort für Wort, aus mehr- oder vieldeutigen Abstraktionen bestehen.“
„Wir müssen lernen, Wörter wirksam zu gebrauchen; dabei aber müssen wir unsre Fähigkeit bewahren und womöglich verstärken, die Welt unmittelbar [sprachlos] und nicht durch das nur halb durchsichtige Medium von Begriffen anzuschauen, das jede Tatsache zu einer nur allzu vertrauten Ähnlichkeit mit irgendeinem klassifizierenden Etikett oder einer erklärenden Abstraktion verzerrt.“
„Ein Begriff ist immer in Gefühle eingekleidet, will heißen in Hoffnung, Angst, Haß, eifriges Streben oder das Gefallen an der Analyse. Die Variationsmöglichkeiten der Qualitäten des Strebens sind unerschöpflich. Die Vorstellung eines reinen Begriffes oder einer reinen Realisierung, jenseits einer relevanten Herkunft aus einer Emotion, ist verfehlt.“ A.N. Whitehead. Denkweisen (2001)
„Sofern sie einen haben, sind alle Tiere, mangels Sprache, bei Verstand; nur das Tier, das sich »Mensch« nennt, hält die Sprache, von ihr verführt, allein für einen großen Vorzug und riskiert dadurch, seinen Verstand zu verlieren.“
‘Man kann sich über die Eigenschaften eines Objekts, welches gar nicht existiert, wohl nicht füglich vereinigen. Dies ist der letzte Grund aller […] Religionen und ihrer Spaltung in Sekten.’ Hebbel. Tagebuch. Nr. 2267
„Eine Kategorie, die man für falsch hält, als Diskussionsthema aufzunehmen, setzt einen immer wieder dem Risiko aus, durch die der Kategorie gewidmete Aufmerksamkeit die Illusion ihrer Realität aufrechtzuerhalten.“
„Wenn die Kritik eine schlechtfundierte Theorie angreift, beginnt sie bereits, ihr eine Art Hudigung darzubringen. Das Gespenst, das man endgültig zu bannen hoffte, wird nur verschwinden, um von neuem aufzutauchen.“
„Wenn die Grundvoraussetzung oder der Begriff des Gegenstands selbst unmöglich oder leer ist, sind sowohl bejahende als auch verneinende Aussagen darüber unrichtig.“
„Non entis nulla sunt praedicata.“ Kant. Kritik der reinen Vernunft (1781)
„Dieu est le seul être qui, pour régner, n’ait même pas besoin d’exister.” Baudelaire
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„Man könnte die menschlichen Tätigkeiten nach der Zahl der Worte einteilen, die sie nötig haben; je mehr von diesen, desto schlechter ist es um ihren Charakter bestellt. Alle Erkenntnisse, durch die unsere Gattung von der Fellkleidung zum Menschenflug geführt worden ist, würden samt ihren Beweisen in fertigem Zustand nicht mehr als eine Handbibliothek füllen; wogegen ein Bücherschrank von der Größe der Erde beiweitem nicht genügen möchte, um alles übrige aufzunehmen, ganz abgesehen von der sehr umfangreichen Diskussion, die nicht mit der Feder, sondern mit Schwert und Ketten geführt worden ist. Der Gedanke liegt nahe, daß wir unser menschliches Geschäft äußerst unrationell betreiben …“
„Die Bücher sind meine Vögel und meine Nester gewesen, meine Haustiere, mein Stall und mein Land; die Bibliothek war die Welt […] Nichts schien mir wichtiger als ein Buch. […] Da ich die Welt durch die Sprache entdeckte, habe ich lange Zeit die Sprache für die Welt gehalten […] Ich nahm die Worte für die Quintessenz der Dinge.” Sartre
„Das Buchstabenwesen, die Aura der Wahrheit und der Wahrheitsspeicherung: Mit seinem »Gutenberg Galaxis«-Buch macht McLuhan das kaputt, indem er die Schrift als ein Medium unter anderen sieht, nämlich zu Radio, Film, Schallplatte in Konkurrenz stellt, die die Schrift zunehmend entwerten. Das hat ihm das europäische Denken bis heute nicht verziehen.“
„Der Weg zum Verständnis des Denkens als nonverbaler Intelligenz ist lange Zeit durch das linguistische Dogma der Übereinstimmung von Bedeutendem und Bezeichnetem behindert worden. Mathematische Gleichungen gehen dagegen außerhalb der Singularität der Sprachen vor, und der Formalismus, in dem sie ausgedrückt werden, ermöglicht den Zugang zu Wahrheiten, die über die gewöhnlichen Sprachen hinausgehen.“
„Die Sprache hat das Denken nie zu Gesicht bekommen.“ Paul Valéry
„Um die Inhalte des [zerebral reduzierten] Bewußtseins zu formulieren […], hat der Mensch die Symbolsysteme und implizierten Philosophien, welche wir Sprachen nennen, erfunden und endlos ausgestaltet. Jeder Mensch ist zugleich der Nutznießer und das Opfer der sprachlichen Tradition, in die er hineingeboren wurde, – der Nutznießer insofern, als die Sprache Zugang zu den aufgespeicherten Berichten über die Erfahrungen andrer Menschen gewährt; Opfer insofern, als sie ihn in dem Glauben, dieses reduzierte Bewußtsein sei das einzige Bewußtsein, bestärkt und seinen Wirklichkeitssinn verwirrt, so daß er nur allzu bereit ist, seine Begriffe für gegebene Tatsachen, seine Wörter für wirkliche Dinge zu halten.“
„Es ist schwer, den Unterschied zwischen Worten und dem, was sie bezeichnen, stets vor Augen zu haben; die Metaphysiker neigen, wie die Wilden, zum Glauben an einen magischen Zusammenhang zwischen Worten und Dingen oder doch zumindest zwischen der Satzlehre und dem Aufbau der Welt. Sätze haben Subjekte und Prädikate; daher besteht die Welt aus Substanzen und Attributen. Bis vor kurzem hielten fast alle Philosophen dies Argument für triftig, oder besser, sie standen unter seinem Einfluß, fast ohne es selbst zu wissen.“ Bertrand Russell
„Man bedenkt niemals genug, daß eine Sprache eigentlich nur symbolisch […] sei und die Gegenstände niemals unmittelbar, sondern nur im Widerschein [der Sprache] ausdrücke.“
„Sprache »spiegelt« die Wirklichkeit, aber auf ihre je eigene Weise. Sie etikettiert mit Wörtern, was sinnlich aufgefaßt oder unsinnlich gedacht wird, und bringt sie mithilfe ihrer Grammatik in die ihr eigene Ordnung eines Satzes“
„Linguisten gehen davon aus, dass die Menschheit seit ihrer Entstehung zwischen 30.000 und 100.000 verschiedene Sprachen gesprochen hat. Ist die Annahme verwegen, dass die Zahl der Sprachen zugleich die der Arten ist, der sinnlichen Wirklichkeit eine ihr un-angemessene Ordnung aufzuzwingen? Und verhalten sich Anschauung und Bezeichnung nicht wie zwei Welten zueinander, in die menschen auf eine Weise hineinwachsen, als hätten die Dinge selbst sich ihre Namen gegeben und – später – als ob die Sprache die Dinge hervorgebracht hätte?“
„So liegt in jeder Sprache eine eigenthümliche Weltansicht“
„Jedoch wie schwer ist es, das Zeichen nicht an die Stelle der Sache zu setzen, das Wesen [das Einzelne, das Individuum] immer vor sich zu haben und es nicht durch das Wort zu tödten [zu ersticken] …“ Goethe
„Immer lockt das Weib, aber öfter noch das Wort.“
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„Jedes Bild und jedes Wort hinterläßt Spuren in uns.“
„Jeder Buchstabe, jede Unterstreichung im Notizbuch, jede Markierung hinterlässt Spuren, die wir im Körpergedächtnis behalten.“
„Was uns interessiert, das müssen wir in die Hand nehmen. Unser Tastsinn ist so sensibel, dass wir Dinge, die wir in den Händen hielten, um ein Vielfaches detaillierter beschreiben, als wenn wir sie nur sehen. Jede Berührung, jedes Anfassen erzeugt ein Feuerwerk im Gehirn. Wir greifen – und begreifen.“
„Übrigens gibt es gar viele Anzeichen, daß es in unserem Inneren eine unendliche Menge von Perzeptionen gibt, die […] Veränderungen in der Seele darstellen, deren wir uns nicht bewußt werden, weil diese Eindrücke zu schwach und zu zahlreich oder zu gleichförmig sind, so daß sie […] keine hinreichenden Unterscheidungsmerkmale aufweisen. Nichtsdestoweniger können sie im Verein mit anderen ihre Wirkung tun und sich in der Gesamtheit der Eindrücke, wenigstens in verworrener Weise, geltend machen.“
„Bei jeder Handlung und [in] jeder Situation greift das Gehirn auf Engramme zurück.“
„Das erste Geräusch, das er nach seiner Geburt wahrnahm, rührte von den Palmwedeln her, die sich im Wind bewegten: kein Rauschen, eher ein Rascheln. Später wird ihm dieses Geräusch zutiefst vertraut sein und Wohlbehagen in ihm auslösen, ohne daß er die Ursache davon kennen wird.“
„Engramm ist eine allgemeine Bezeichnung für eine physiologische Spur, die eine Reizeinwirkung als dauernde strukturelle Änderung im Gehirn hinterlässt.“ „Die Summe der gespeicherten Engramme einer Person – es sind Milliarden – gilt als das biologische Substrat des menschlichen Gedächtnisses und ist die Basis der spezifischen menschlichen Einzigartigkeit.“
„Pull down thy vanity, it is not man
Made courage, or made order, or made grace,
Pull down thy vanity, I say pull down.
Learn of the green world what can be thy place
In scaled invention or true artistry“
Ezra Pound, Canto LXXXI
‘So leicht läßt sich das Fahrzeug drehen, das wir sind und durch unsere Zeit fortzutreiben haben, [daß] die mindeste Bewegung sich dem Steuerruder mitteilt.’
„Du mußt denken, daß, hätte ich 50 Schritte weiter hinunter, um die Ecke herum, gewohnt, ich so wenig der Mensch wäre, der ich jetzo bin, als wenn ich 100 Meilen mehr mittäglich wäre empfangen worden.“
„Wir fühlen uns immer bedingt; die Personen, die Gegenstände, die uns umgeben, haben auf uns ihren Einfluß; so, durch tausend Rücksichten paralysiert, […] sind wir die Sklaven der Gegenstände und erscheinen geringe oder bedeutend, je nachdem uns diese zusammenziehen oder zu freier Ausdehnung Raum geben.“
„Das Inkalkulable der Zustände läßt Furcht und Hoffnung in suspenso, und jedermann sucht nur über den Augenblick hinzukommen“
„Es gibt kein Morgen, ehe einer nicht / Das Heute glücklich überstanden hat.“
„Doch um der Menschen Sinne
Verhängt sind unzählige Fehle;
Und kein Mittel ist, das herauszufinden,
Was jetzt und was auf das Ende hin
Das Beste sei einem Manne zu erlangen.“
Pindar. 7. Olympische Ode; übersetzt von Hölderlin
„Für das Künftige sorgen, muß bei Geschöpfen die das Künftige nicht kennen sonderbare Einschränkungen leiden. Sich auf sehr viele Fälle zugleich schicken, wovon oft eine Art die andern zum Teil aufheben muß, kann von einer vernünftigen Gleichgültigkeit gegen das Zukünftige wenig unterschieden sein.“
„Alles, was wir tun, hat eine Folge. Aber das Kluge und das Rechte bringt nicht immer etwas Günstiges, und das Verkehrte nicht immer etwas Ungünstiges hervor, vielmehr wirkt es oftmals ganz im Gegenteil.“
„Manche denken viel nach, um nachher alles zu verfehlen: andere treffen alles, ohne es vorher überlegt zu haben.“
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„Niemand ist dafür verantwortlich, daß er überhaupt da ist, daß er so beschaffen ist, daß er unter diesen Umständen, in dieser Umgebung ist. Die Fatalität seines Wesens ist nicht herauszulösen aus der Fatalität all dessen, was war und was sein wird.“ Nietzsche. Götzen=Dämmerung (1889)
„Es ist aber nichts sicher. Darum kann man nichts sagen. Man kann nur schreien, stammeln, keuchen. Das laufende Band des Lebens trägt einen irgendwohin – man weiß nicht wohin. Man ist mehr Sache, Gegenstand – als Lebewesen“
„»Ich weiß durchaus nicht, was ich tue! Ich weiß durchaus nicht, was ich tun soll!« – du hast recht, aber zweifle nicht daran: du wirst getan! in jedem Augenblicke! Die Menschheit hat zu allen Zeiten das Aktivum und das Passivum verwechselt, es ist ihr ewiger grammatikalischer Schnitzer.“
„ … bei jedem Menschen, mit dem man in Berührung kommt, unternehme man nicht eine objektive Abschätzung desselben nach Werth und Würde, ziehe also nicht die Schlechtigkeit seines Willens, noch die Beschränktheit seines Verstandes und die Verkehrtheit seiner Begriffe in Betrachtung […], sondern man fasse allein seine Leiden, seine Noth, seine Angst, seine Schmerzen ins Auge: – da wird man sich stets mit ihm verwandt fühlen, mit ihm sympathisiren und, statt Haß oder Verachtung, jenes Mitleid mit ihm empfinden, welches allein die αγάπη ist, zu der das Evangelium aufruft. Um keinen Haß, keine Verachtung gegen ihn aufkommen zu lassen, ist wahrlich nicht die Aufsuchung seiner angeblichen »Würde«, sondern, umgekehrt, der Standpunkt des Mitleids der allein geeignete.”
„Menschen muß man nehmen, wie sie sind oder lassen, wie sie sind. Ändern kann man sie nicht, höchstens in ihrem Wesen stören. Der Mensch besteht nicht aus Einzelheiten, so dass man jede für sich herausnehmen und durch etwas anderes ersetzen könnte.“ Kafka
„Ich stelle fest, dass mein Charakter – ein mit Gewalt, Flüchen und Verboten geformter – noch heute, in seinem neunten Lebensjahrzehnt, dazu neigt, nicht zu widersprechen, sondern Gesagtes gelten zu lassen. Auch das Dumme, Bequeme, Vereinfachende, mit dem man ihm die Welt erklärt hat, regt sich noch in ihm. Was, fragt er sich, darf für überwunden gelten? Was könnte sich gegen Ende des Lebens als primitive Prägung gegen späte(re) Einsichten durchsetzen? Wird er zum Schluß nach seiner grausamen Mama oder seiner ersten Liebe rufen?“
„Wie menschlich du das Menschliche verstehst!“
„Man kann niemals genug Nachsicht mit dem Menschen haben.“
„Du tropfes Tier!“
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„Das Paragraphenzeichen allein sieht aus wie ein Folterwerkzeug.“
‘Die Folter, die mit dem Römischen Reich verschwunden war, wurde von der Katholischen Kirche entdeckt und wieder eingeführt, ersparte sie doch die Mühe und die Unkosten einer langen Gefangenschaft und war ein wirksames Mittel, um alle nur erwünschten Geständnisse zu erlangen. Bei der Inquisition war sie daher schnell beliebt, während ihre Einführung bei der weltlichen Gerichtsbarkeit auffallend langsam vonstatten ging.’
„Die sonst gültigen Grundsätze über Maß und Wiederholung der Folter traten in den Hexenprozessen außer Kraft, da die Hexerei als ein Ausnahmedelikt, als delictum exceptum angesehen wurde, bei dem zur Überführung des Beschuldigten jedes Mittel recht war.“
„Oft begann der [christliche] Henker seine Arbeit mit der Bedrohung: »Du sollst so dünn gefoltert werden, daß die Sonne durch dich hindurchscheint«.“
„Die Angst, ausgeliefert zu sein, steigert den Schmerz ins Unerträgliche.“
„Nur in den seltensten Fällen war ein Beschuldigter stark genug, in der Folter standzuhalten. Aber auch gerade das wurde ihm wiederum zum Schlimmen ausgelegt: als Verstocktheit durch den Beistand des Teufels“
„Jede Frau, die unter Qualen gestand, zusammen mit anderen Hexen auf der dunklen Seite des Mondes Unzucht mit Satan persönlich getrieben zu haben, heizte die von Angst und Aberglauben getriebene Verfolgungsmaschinerie noch weiter an und hielt sie jahrhundertelang am Leben – die letzte »Hexe« Europas wurde erst 1793 hingerichtet.“
“Hexenverbrennungen und -jagden finden nach Angaben der Vereinten Nationen noch in rund 45 bis 46 Ländern weltweit statt. Vor allem in Teilen von Subsahara-Afrika (wie Tansania, Kongo und Nigeria), in Papua-Neuguinea sowie in einigen Regionen Asiens und Lateinamerikas sind Menschen akut gefährdet.”
“Die chinesischen Soldaten benutzten ihre Stöcke wie Spielzeug und hatten besonderen Spass daran, sie in unserem Genitalbereich anzuwenden. Sie lachten richtig, wenn sie dies taten. »Du bist Abfall« sagten sie und zwangen uns, auf Namen wie »Schwein«, »Pferd«, »Esel« und »Kuh« zu reagieren.”
„Barbie folterte mit Schneidbrennern, glühenden Schürhaken, Elektroschocks, kochendem Wasser und einer ganzen Sammlung an Peitschen, Werkzeugen und Knüppeln, die bei Verhören vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. Die Folterungen, die viele seiner Opfer nicht überlebten, zogen sich teilweise über einige Tage hin.“
„Die Folterknechte sind keine andere, keine fremde Rasse. Mehr oder weniger sind wir alle verführbar, den Mitmenschen zu quälen. Auch die sind es, die solches weit von sich weisen. Sie wissen nur nicht, was sie tun.“
„Als ob man mit Schmerz die Wahrheit herausfinden könnte, als säße die Wahrheit in den Muskeln und Sehnen des armen, gefolterten Kerls. Mit dieser Methode wird der Robuste frei kommen und der Schwache verurteilt. Das sind die Unannehmlichkeiten dieses angeblichen Wahrheitstests, würdig nur eines Kannibalen.“ Cesare Beccaria. Über Verbrechen und Strafen (1764)
„Die Anti-Folter-Konvention der UNO wurde von 176 Staaten ratifiziert; 19 Vertragsstaaten haben das bisher noch nicht getan, darunter Haiti, Indien und Iran. In 141 Staaten ist Folter ein alltägliches Verfahren, um Informationen zu gewinne oder Geständnisse zu erpressen.“
„Die Natur selbst hat dem Menschen, wie ich besorge, einen gewissen Trieb zur Unmenschlichkeit [quelque instinct à l’inhumanité] eingepflanzt. Keiner hat eine Freude daran, wenn er die Tiere miteinander spielen und einander liebkosen sieht; aber jeder belustigt sich daran, wenn er sie einander zerreißen und zerstückeln sieht.“ Montaigne. Von der Grausamkeit (II.xi)
„Jean Moulin soll geglaubt haben, er werde alle sofort verraten. Aber obwohl Barbie ihm beide Arme, beide Beine und einige Rippen brach, schwieg er und starb erst, in ein Koma gefallen, auf dem Weg in ein Konzentrationslager.“
„Dank der barmherzigen katholischen Kirche konnten Tausende nationalsozialistischer Täter, auch hochrangige Massenmörder, mit gefälschten Papieren auf der »Klosterroute« – von Nicht-Katholiken »Rattenlinie« genannt – nach Südamerika entkommen, unter ihnen: Eichmann, Mengele, Priebke, Wagner, Stangl, Brunner und auch Barbie.“
„Die Kardinäle sind immer noch Beschützer der Verbrecher. Man erzählt jetzt noch Beyspiele mit allen Nahmen und Umständen, daß sie Mörder in ihren Wagen aus der Stadt in Sicherheit bringen lassen.“ Seume. Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802
„Ich lasse mich nicht irre schreyn,
Nicht durch Critik noch Zweifel.
Der Teufel muß doch etwas seyn;
Wie gäb’s denn sonst auch Teufel?“
“Was die Folter betrifft, so entstammt sie dem gemeinen Teil des Menschen-Herzens, der nach Wollust dürstet. Grausamkeit und Wollust sind identische Empfindungen, gleich dem Grenzwert des Heißen und dem des Kalten.“
„Gerade das unmenschliche ist das wahre menschliche, das aber der sich immerzu schönfärbende mensch weit von sich weist, weil er ein guter sein will.“
„Unmenschliche Grausamkeit und bestialische Wollust paaren sich durch eine eigenthümliche Verwandtschaft durch alle Zeiten“
„Freud weist wiederholt darauf hin, dass Grausamkeit und Sexualtrieb innigst zusammengehören, was er aber als eine erklärungsbedürftige, noch weiter zu analysierende empirische Feststellung qualifiziert.“
„Die Freilassung eines unterdrückten Triebs setzt auch andere frei. Sie beglückwünschen einander und erleben sich in einer Wonne, die ihnen die Kultur nur selten und widerwillig gönnt.“
„ … wo die schnöden Laster wohnen,
Ist eins das häßlichste, das schlimmste und das größte!
Auch ohne Raserei und ohne Wutgeschrei
Am liebsten risse es die ganze Welt enzwei
Und fräß die Erde auf, indem es gähnend döste;
Es ist der Überdruß! – Ins Aug ihm Tränen schleichen,
Die Houka träg im Maul, träumt er vom Blutgerüst.
Auch du, mein Leser, kennst des Untiers Lustgelüst.
Mein Leser, Heuchler du – mein Bruder, – meinesgleichen.“
Baudelaire. Die Blumen des Bösen (1857) An den Leser.
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„Die erste Idee ist natürlich die Vorstellung von mir selbst als einem absolut freien Wesen.“ [Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus]
„Ich bin geboren, dich zu nennen, dich, Liberté.“
„Die Freiheit! Freilich, die Freiheit, wie sie heute möglich ist, ist ein kümmerliches Gewächs. Aber immerhin Freiheit, immerhin ein Besitz. –“
„Ein Mann kann nur er selbst sein, solange er allein ist; und wenn er die Einsamkeit nicht liebt, wird er die Freiheit nicht lieben; denn nur wenn er allein ist, ist er wirklich frei.“
„Warum wandern die Tschuktschen aus ihrem schrecklichen Lande nicht aus, überall würden sie besser leben, im Vergleich zu ihrem gegenwärtigen Leben und zu ihren gegenwärtigen Wünschen. Aber sie können nicht; alles was möglich ist, geschieht ja; möglich ist nur das, was geschieht.“
‘Der Mensch, so Spinoza, sei insofern frei, als er den wahren Grund seiner Entscheidung nicht kenne.’
„Was du auch unternimmst, du findest dich mit Ketten belastet. […] Du nimmst die Freiheit und schließt sie in eine Idee ein, nur mit ihr und mit keiner anderen. Und schon wieder findest du dich in Ketten.“ Picasso
“Ich werde ein Greis. Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, wenn man nicht meint, irgendjemand in der Welt irgend etwas zu schulden […] Vorderhand erschreckt mich noch meine zunehmende Nachlässigkeit gegenüber Freunden, meine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Ereignissen, meine zunehmende Freiheit …” Max Frisch
„Und ich zerreiße den Vorhang, der den Kern / Eines alten Strebens verhüllte: / Wenn das Volk Freiheit verlangt, So meint es mit Freiheit die Macht über die Starken.“
„Fivat Freiheit! Tod den vorgesetzten!“ Schlußzeile eines Zettels, der im Dezember 1845 im Dorf Sun[d]heim auf die Straße gelegt wurde
«O Liberté, que de crimes on commet en ton nom !»
Madame Roland auf dem Weg zur Guillotine am 8. Nov. 1793
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„Generell ist der Befund der Forscher, dass den Deutschen ihre Sicherheit lieber als ihre Freiheit ist. Das Institut an der SRH-Hochschule Heidelberg misst dies in einem umfassend angelegten »Freiheitsindex«. Auf dessen Skala von minus 50 bis plus 50 rangieren die Deutschen in diesem Jahr auf einem Mittelwert von minus sieben. Das heißt: Nach wie vor befindet sich Freiheit damit im Hintertreffen gegenüber konkurrierenden Werten wie Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Tendenz weiter sinkend.“
„Da bricht sich das extreme Sicherheitsdenken, zu dem die Deutschen neigen, schnell Bahn. Viele sehnen sich dann nach dem starken, zupackenden Staat.“
„Globalia ist eine ideale Demokratie. Jeder ist in seinem Handeln frei. Die natürliche Neigung der Menschen besteht allerdings darin, die Freiheit zu missbrauchen, um die der anderen zu beeinträchtigen. Die größte Bedrohung der Freiheit ist die Freiheit selbst. Wie verteidigt man die Freiheit gegen sich selbst? Indem man allen Sicherheit garantiert. Sicherheit ist Freiheit. Sicherheit ist Schutz. Schutz ist Überwachung. Überwachung ist Freiheit.“ Jean-Christophe Rufin
„Nur diejenigen, die die Freiheit von Not kennen, wissen die Freiheit von Furcht in ihrer vollen Bedeutung zu schätzen, und nur diejenigen, die von beidem frei sind, von Not wie von Furcht, sind in der Lage, eine Leidenschaft für die öffentliche Freiheit zu empfinden, in sich diesen goût pour la liberté und den spezifischen Geschmack an der egalité zu entwickeln, den die Freiheit in sich trägt.“ Hannah Arendt
“Wenn das Wort Freiheit in seiner Anwesenheit einmal genannt wurde, rief er, den alten greisen Kopf schüttelnd: Nur die wilden Thiere sind frei, und wenn man ihn dann fragte: folgt daraus, daß die Freiheit wilde Thiere aus den Menschen macht? antwortete er, ohne einen Augenblick zu stocken: ja wohl!“
„Ich sende täglich meine heißen Gebete zu den Manen des Hippokrates, daß sie mich bewahren mögen vor drei Krankheiten: vor dem Wahne, frei zu sein, vor dem rasenden Bestreben, frei zu werden und vor der Verzweiflung, nicht frei werden zu können.“ Ludwig Börne
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Die »Abschweifung über produktive Arbeit« bricht mit der klassischen Ökonomie, indem Marx aufzeigt, dass jede Arbeit, die auf dem Markt gehandelt wird und Profit abwirft, aus kapitalistischer Sicht »produktiv” ist – selbst wenn sie gesellschaftlich völlig nutzlos oder kriminell ist.“
„Der Verbrecher tritt […] als eine jener natürlichen »Ausgleichungen« ein, die ein richtiges Niveau herstellen und eine ganze Perspektive »nützlicher« Beschäftigungszweige auftun. Bis ins Detail können die Einwirkungen des Verbrechers auf die Entwicklung der Produktivkraft nachgewiesen werden. Wären Schlösser je zu ihrer jetzigen Vollkommenheit gediehen, wenn es keine Diebe gäbe? Hätte das Mikroskop seinen Weg in die gewöhnliche kommerzielle Sphäre gefunden ohne Betrug im Handel? Verdankt die praktische Chemie nicht ebensoviel der Warenfälschung und dem Bestreben, sie aufzudecken, als dem ehrlichen Produktionseifer?“
„Das Verbrechen, durch die stets neuen Mittel des Angriffs auf das Eigentum, ruft stets neue Verteidigungsmittel ins Leben und wirkt damit ganz so produktiv wie strikes auf die Erfindung von Maschinen. Und verläßt man die Sphäre des Privatverbrechens: Ohne nationele Verbrechen, wäre je der Weltmarkt entstanden? Ja, auch nur Nationen?“
„Das Bedürfniß nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Ueberall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen Die Bourgeoisie hat durch die Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet.“
„Dank sei also der Natur für die Unvertragsamkeit, für die mißgünstig wetteifernde Eitelkeit, für die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben, oder auch zum Herrschen. Ohne sie würden alle vortrefflichen Naturanlagen in der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht; aber die Natur weiß besser, was für seine Gattung gut ist: sie will Zwietracht “ Kant. Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1784)
„Man dürfe nämlich zweifeln – ob es Gegensätze überhaupt gibt. – Bei allem Werte, der dem Wahren, dem Wahrhaftigen, dem Selbstlosen zukommen mag: es wäre möglich, daß dem Scheine, dem Willen zur Täuschung, dem Eigennutz und der Begierde ein für alles Leben höherer und grundsätzlicherer Wert zugeschrieben werden müßte. Es wäre sogar noch möglich, daß was den Wert jener guten und verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.“
„Das, was wir in der Welt das Böse nennen, das moralische so gut wie das natürliche, ist das große Prinzip, das uns zu sozialen Geschöpfen macht, die feste Basis und die Stütze aller Gewerbe und Beschäftigungen ohne Ausnahme; hier haben wir den wahren Ursprung aller Künste und Wissenschaften zu suchen; und in dem Moment, da das Böse aufhörte, müsste die Gesellschaft verderben, wenn nicht gar gänzlich untergehen.“
„Thus one portion of being is the Prolific; the other, the Devouring. To the devourer it seems as if the producer was in his chains, but it is not so: he only takes portions of existence and fancies that the whole. But the Prolific would cease to be Prolific unless the Devourer as a sea received the excess of his delights. […] These two classes of men are always upon earth, and they should be enemies; whoever tries to reconcile them seeks to destroy existence.“ William Blake. The Marriage of Heaven and Hell (1790)
„Welcher mensch könnte im Verhältnis zu sich selbst und anderen menschen nicht beides sein: prolific and devouring? Und wenn beide Qualitäten einem Ganzen dienen, tritt dann der Charakter des Gegensatzes nicht hinter den ihres jeweiligen Nutzens zurück? Scheinen nicht beide in dieser Hinsicht gleich?“
„Die psychologische – im strengeren Sinne die psychoanalytische – Untersuchung zeigt vielmehr, daß das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht, die […] bei allen Menschen gleichartig sind und auf die Befriedigung gewisser ursprünglicher Bedürfnisse zielen. Diese Triebregungen sind an sich weder gut noch böse. Wir klassifizieren sie und ihre Äußerungen in solcher Weise, je nach ihrer Beziehung zu den Bedürfnissen und Anforderungen der [jeweiligen] menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben ist, daß alle die Regungen, welche von der Gesellschaft verpönt werden – nehmen wir als Vertretung derselben die eigensüchtigen und die grausamen – sich unter diesen primitiven befinden.“
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„Alle Verbrecher zwingen die Gesellschaft, auf frühere Stufen der Kultur zurück, als die ist, auf welcher sie gerade steht; sie wirken zurückbildend. Man denke an die Werkzeuge, welche die Gesellschaft der Notwehr halber sich schaffen und unterhalten muss: an den verschmitzten Polizisten, den Gefängniswärter, den Henker; man vergesse den öffentlichen Ankläger und den Advokaten nicht; endlich frage man sich, ob nicht der Richter selber und die Strafe und das ganze Gerichtsverfahren in ihrer Wirkung auf die Nicht-Verbrecher viel eher niederdrückende, als erhebende Erscheinungen sind; es wird eben nie gelingen, der Notwehr und der Rache das Gewand der Unschuld umzulegen; und so oft man den Menschen als ein Mittel zum Zwecke der Gesellschaft benutzt und opfert, trauert alle höhere Menschlichkeit darüber.”
„M. war einer jener Grenzfälle, die aus der Jurisprudenz und Gerichtsmedizin auch den Laien als die Fälle der verminderten Zurechnungsfähigkeit bekannt sind. […] Die Natur hat eine merkwürdige Vorliebe dafür, solche Personen in Hülle und Fülle hervorzubringen; natura non fecit saltus, sie macht keinen Sprung, sie liebt die Übergänge und hält auch im großen die Welt in einem Übergangszustand zwischen Schwachsinn und Gesundheit. Aber die Jurisprudenz nimmt nicht Notiz davon. Sie sagt: non datur tertium sive medium inter duo contradictoria, zu deutsch: der Mensch ist entweder imstande, rechtswidrig zu handeln, oder er ist es nicht, denn zwischen zwei Gegensätzen gibt es nichts Drittes und Mittleres. Durch diese Fähigkeit wird er strafbar, durch diese seine Eigenschaft der Strafbarkeit wird er Rechtsperson, und als Rechtsperson hat er teil an der überpersönlichen Wohltat des Rechts.“
„Die Verbrechen, die jährlich begangen werden, scheinen ein notwendiges Ergebnis unserer gesellschaftlichen Organisation zu sein […] Die Gesellschaft bereitet das Verbrechen vor, und der Schuldige ist nur das Instrument, durch das es ausgeführt wird.“ Adolphe Quetelet, Begründer der Sozialstatistik (1835 )
„Weltweit ist die Zahl der Hinrichtungen auf dem Höchststand.“
„The death penalty has been used to enforce racial hierarchies throughout United States history, beginning with the colonial period and continuing to this day.“
„Eine 30 Jahre lang durchgeführte Studie (FBI Uniform Crime Report) ergab, dass der Süden durchweg die mit Abstand höchste Mordrate aufweist. Auf den Süden entfallen auch mehr als 80 % der Hinrichtungen. Der Nordosten dagegen, in dem weniger als 0,5 % aller Hinrichtungen vorgenommen werden, hat durchweg die niedrigste Mordrate.“
„Todesstrafen befriedigen die Mordlust nicht nur, sie erregen sie auch.“
“Die letzte Frage, die Peter Kürten an Professor Berg richtete, war, ob er, wenn man ihm den Kopf abschlug, noch hören würde, wie sein eigenes Blut hervorsprudelte. Das wäre für ihn, so sagte er, »der Genuß der Genüsse«”
„Die Abschaffung der Todesstrafe würde, zu Ende gedacht, die Natur des Staates verändern. Sie ist ein Vorgriff auf Gesellschaftsordnungen, von denen wir weit entfernt sind. Sie entzieht der staatlichen Herrschaft die Befugnis, über Leben oder Tod des Einzelnen zu entscheiden. Diese Befugnis aber ist der eigentlich Kern der Souveränität.“
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„Trotz sinkender Zahl von Morden und Totschlägen in Deutschland wächst bei jungen Juristen der Wunsch nach immer drakonischeren Strafen. Ein Drittel von ihnen findet, dass selbst eine lebenslange Haft bei manchen Straftaten noch zu mild ist. Die Hälfte der Befragten würde einen Verdächtigen foltern, wenn damit ein Menschenleben gerettet werden könnte. Ein Drittel spricht sich sogar für die Wiedereinführung der Todesstrafe aus.“
„»Die Todesstrafe ist abgeschafft.« Dieser Artikel, der schönste unter allen seinen Verwandten, wurde 1949 eingeführt, obwohl Allensbach im selben Jshr ermittelte, daß gut 74 % der Deutschen für die Beibehaltung der Kopflosigkeit bewirkenden Strafe waren. Wie lange wird sich dieser humane Artikel noch halten können?“
„Nur zwei europäische Staaten waren dem deutschen Verbot der Hinrichtung vorangegangen: San Marino 1865 (letzte Hinrichtung 1830) und Island 1928 (letzte Hinrichtung 1830). Die vier Zahlen scheinen aus einer anderen Welt zu stammen. Aber das Großherzogtum Toskana war am 30. November 1786 der weltweit erste Staat, der die Todesstrafe gesetzlich und dauerhaft abschaffte. Unter Großherzog Pietro Leopoldo wurde damals eine neue Strafrechtsordnung erlassen, die auf Folter und Hinrichtungen verzichtete. Der Toskana folgte 1863 Venezuela (Kleinvenedig).“
„Wir alle, die wir gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe sind, wissen um die Unpopularität unserer Einstellung.“ Emmy Meyer-Laule 1952 im Bundestag
„Wer sich abstrakt für Opferbelange starkmacht, der neigt zu hohen Strafen.“
„Das Humane kann der tierischen Natur des menschen nicht gesetzlich aufgezwungen werden, ohne daß sich das Bedürfnis nach Rache regt, das bekanntlich an beliebigen Dingen und menschen abreagiert werden kann.“
„Wenn das Humane, die praktische Rücksicht auf das Befinden anderer menschen wirklich werden soll, bedarf es einer selbst gewonnenen Einsicht, die Respekt und Muße voraussetzt. Aber die meisten menschen werden seit Jahrhunderten verachtet und leben, wenn noch nicht in Hunger, Stress und Not, in der Sorge, in sie hineinzugeraten.“
„Die kapitalistische Gesellschaft zwingt die meisten Menschen in einen permanenten Überlebenskampf. Sie sind gezwungen, sich zu behaupten, und leben in ständiger materieller oder sozialer Existenzangst.“ OAI 10.7.26
“2013 stürzte eine Textilfabrik in Bangladesch ein, in der auch etliche deutsche Firmen produzieren ließen. Bei dem bisher größten Unfall in der internationalen Textilindustrie starben mehr als 1100 Menschen. Es gab rund 2500 Verletzte.”
„Ein Lieferkettengesetz wird nicht benötigt; es verursacht Kosten; es schädigt das Geschäft; es wäre besser, mit dem Unsinn ein für allemal aufzuhören.“
„In human societies, at present, the well-being of business is number One. Humans don’t count as such. They are expected to take an active part in social life by consuming as much as they can pay for. If they stop consuming due to lack of money, they’d better spare the public coffers by leaving the world once and for all. There are many more people trying hard to survive on an even lower level.“
„Der Beschluss, die Richtlinie deutlich abzuschwächen, ist vollzogen. Mit Stimmen der Konservativen und Rechtsextremen im Parlament verabschiedet sich die EU von einem wirksamen Lieferkettengesetz. Konkret heißt das: Allein in Deutschland fallen statt der ursprünglich 5.200 Unternehmen nur noch 150 unter die neue Regelung. Auch die zivilrechtliche Haftung dieser Unternehmen entfällt: Gegen sie können Betroffene von Kinderarbeit und anderen Arbeitsrechts- verstößen nicht mehr klagen.“
„Der Zivilisationsprozeß hat zwei Richtungen. Vorwärts und rückwärts. Zivilisationsschübe gehen einher mit Entzivilisationsschüben. Die Frage ist, in welchem Maß eine der beiden Richtungen dominant ist.“
„Es müßte eine ökonomische Ordnung geschaffen werden, die es allen menschen ermöglicht, nicht nur passiv als nützliche Produktionsmittel, sondern auch aktiv als planende und plebiszitär entscheidende Subjekte an der Produktion teilzunehmen”
“Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an.“
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„Die Bösartigkeit einer Gesellschaft ist schon an der Behauptung erkennbar, daß jeder Charakter mit einem freien Willen ausgestattet sei. Für die Gesellschaft ist nichts so nützlich wie die Tradition dieser Fiktion, mit der sie jeden jederzeit zur Verantwortung ziehen, für schuldig erklären und, wenn von Nutzen, eliminieren kann.“
“Das, was Verantwortungsgefühl ist und als solches sehr ehrenswert wäre, ist im letzten Grunde Beamtengeist, Knabenhaftigkeit, vom Vater gebrochener Wille.”
„Unser Strafrecht beruht auf der Annahme, dass der Mensch die objektive Fähigkeit habe, sich für das Recht und gegen das Unrecht zu entscheiden, und selbst wenn jemanden alle seine Lebensmotive zur Tat trieben, gäbe es immer noch die Möglichkeit, Nein zu sagen. Aber: Selbst dieses Neinsagen muss durch irgendetwas motiviert sein … “
„Es ist doch wohl handgreiflicher Widerspruch, den Willen frei zu nennen und doch ihm Gesetze vorzuschreiben, nach denen er wollen soll; – »wollen soll« – hölzernes Eisen!“
„Doch der Wille ist nicht so frei, wie viele gern glauben, er wird wesentlich von unserer unbewußten Erfahrung gesteuert.“
„Das große Geheimnis ist die Abhängigkeit des menschlichen Willens vom «Willenlosen».“
„Der Mensch hat zwar einen Willen, aber er kann diesen Willen nicht selbst willentlich beeinflussen. Das ist auch logisch unmöglich. Wenn wir unseren Willen beeinflussen könnten – wodurch würde der Wille, der unseren Willen treibt, beeinflusst? Wieder durch einen Willen, einen dritten, vierten, fünften?“
“Mein Leben zeichnet sich nicht durch einen Willen, sondern eine endlose Folge von Velleitäten aus.”
„Meine Motive bilden ein so komplexes Netzwerk, dass es für mich undurchschaubar ist. Wenn kein innerer oder äußerer Zwang erlebt wird und ich nicht zu viel und nicht zu wenig Auswahl habe, fühle ich mich frei – obwohl ich determiniert bin.“
„Die un-, halb- oder vollbewußt vollzogenen Handlungen, also auch eine juristisch definierte Tat, sind jederzeit ein nicht rekonstruierbares Resultat eines an Genen und Erziehern, an Wahrnehmungen, Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen, an Ängsten, Zwängen, Entbehrungen, Überforderungen und Schmerzen nicht armen Lebens.“
“Generalstaatsanwalt Bauer plädierte nicht für Vergeltung, sondern für erzieherische und die Gesellschaft schützende Maßnahmen.”
„Du bist, was aus dir geworden ist. Wenn du dir nicht gefällst, denk dir ein anderes Leben und freue dich, daß wahrscheinlich kein anderes Tier das kann.“
„Der Haß, die Schadenfreude, die Raub- und Herrschsucht und was alles sonst böse genannt wird: es gehört zu der erstaunlichen Ökonomie der Arterhaltung, freilich zu einer kostspieligen, verschwenderischen und im ganzen höchst törichten Ökonomie – : welche aber bewiesenermaßen unser Geschlecht bisher erhalten hat.“
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„Das ideal, ohne welches der mensch auf vier thierklauen niedersänke …“
„Der Mensch, den man sich ausdenkt als Ideal – mit dem kann man nicht Politik machen. Aber wie kann man ihn entschärfen? Wie macht man aus dem gefährlichen Raubaffen-Menschen einen humanen Menschen? Die Humanisierung des Menschen – das kann man nicht, indem man ihn ideal denkt, sondern indem man ihn genau kennt.“
‘Es ließe sich heute schon eine Menge tun, um solche Taten und Täter zu verhüten, wenn die Gesellschaft nur die Hälfte der moralischen Anstrengung selbst aufwenden wollte, die sie von ihren Opfern verlangt.’
„Wenn man M. recht verstand, verlangte er sogar, daß man seinen Mord für ein politisches Verbrechen ansehe, und machte manchmal den Eindruck, daß er gar nicht für sich, sondern für diese Rechtskonstruktion kämpfte.“
„Was wir Moral nennen, das ist nur ein verzweifeltes Unternehmen von unsersgleichen gegen die Weltordnung, welche auf Kampf, Schlächterei und dem blinden Spiel feindlicher Kräfte beruht. Sie zerstört sich selbst, und je mehr ich darüber nachsinne, um so mehr glaube ich, daß das Weltall wahnsinnig ist.“
„Auch vom Schicklichen und Unschicklichen gibt es zwei Auffassungen: die einen behaupten, das Schickliche sei etwas anderes als das Unschickliche und davon verschieden wie in der Bezeichnung, so auch in der Sache; die anderen, schicklich und unschicklich sei dasselbe. […] Die Massageten töten ihre Eltern und verzehren sie, und es scheint ihnen das schönste Grab, in den Kindern bestattet zu sein. Wenn das in Griechenland jemand täte, so müßte er Verbannung oder einen elenden Tod erleiden als ein Mensch, der Unschickliches und Entsetzliches täte. […] Ich glaube nun, wenn man allen Menschen befehlen würde, das, was sie je für unschicklich halten, zusammenzutragen und aus dieser Gesamtmasse wieder wegzunehmen, was sie je für schicklich halten, es würde auch nicht ein Brauch zurückbleiben, sondern alle sich unter alle verteilen“ Dissoi logoi (ca. 400 v. Chr.)
„Wen soll das tausendjährige Gerede darüber, was gut und bös sei, fesseln, wenn sich herausgestellt hat, daß das gar keine »Konstanten« sind, sondern »Funktionswerte« , so daß die Güte der Werke von den geschichtlichen Umständen abhängt und die Güte der Menschen von dem psychotechnischen Geschick, mit dem man ihre Eigenschaften auswertet?“
„Naivität: als ob Moral übrig bliebe, wenn der sanktionierende Gott fehlt. Das »Jenseits« absolut notwendig, wenn der Glaube an Moral aufrechterhalten werden soll.“
‘Gott’ – Aus der Existenz eines Worts wurde wieder einmal auf die Existenz einer Sache geschlossen.”
„Es gibt wenige Beschäftigungen, sagte Me-ti, welche die Moral eines Menschen so beschädigen wie die Beschäftigung mit Moral. Ich höre sagen: Man muß wahrheitsliebend sein, man muß seine Versprechen halten, man muß für das Gute kämpfen. Aber die Bäume sagen nicht: Man muß grün sein, man muß die Früchte senkrecht zu Boden fallen lassen, man muß mit den Blättern rauschen, wenn der Wind durchgeht.“
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„Wenn die Menschheit überleben will, muss sie bis 2050 eine Wirtschaft etabliert haben, die die Erde nicht nur nicht weiter anheizt, sondern abkühlt.“
„Die Erde lässt sich nur retten, wenn der Kampf gegen den Klimawandel das Geschäft des Jahrhunderts wird. Ein Selbstläufer ist das aber nicht.“
„In welthistorischer Perspektive ist der Kapitalismus dasjenige Gesellschaftssystem, das bisher am erfolgreichsten Ausbeutung und Fortschritt verbunden hat. Sicherlich der Kapitalismus schafft erst die Probleme, die von Ökologen aufgegriffen werden. Aber er verfügt (allein) auch über das Potenzial, diese Probleme zu lösen – und zwar nicht in einem Nirgendwo, sondern hier und jetzt. Allerdings zu seinen Bedingungen. Wer den Akkumulationsprozess des Kapitals indessen für ein Selbstmordprogramm hält, verkennt nicht nur den Überlebenswillen des Systems, er täuscht sich auch über den Grad der Anpassungsfähigkeit der Menschen, ihren bereits verinnerlichten Industrialismus. Es gibt deshalb auch keinen Grund, von einer ökologisch bedingten Krise das Zerbröckeln der Massenloyalität zu erwarten. Wahrscheinlicher ist für diesen Fall, dass nach Gewalt als Mittel der Problemlösung gerufen wird.“
„Unter ihr günstigen Umständen, wenn die seelischen Gegenkräfte weggefallen sind, äußert sich die Aggression auch spontan; sie enthüllt den Menschen als wilde Bestie, der die Schonung der eigenen Art fremd ist.“
„Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloß.“
„Der Fülle seiner Möglichkeiten wird der Mensch in zwei Etappen gewahr. Die erste ist beherrscht von Zügellosigkeit, die zweite vom Bewußtsein. Wir müssen uns vor Augen halten, was wir durch das Bewußtsein verlieren. Je mehr wir uns von der Menschlichkeit einfangen lassen, desto mehr stellt sich heraus, daß das klare Bewußtsein eine Abkühlung bedeutet. Wir ermessen die unendliche Verarmung, die mit dem Bewußtsein verbunden ist. Aber darum ist nicht weniger wahr, daß zum Menschsein das Bewußtsein gehört.“
“Das Glücksgefühl bei Befriedigung einer wilden, vom Ich ungebändigten Triebregung ist unvergleichlich intensiver als das bei Sättigung eines gezähmten Triebes. Die Unwiderstehlichkeit perverser Impulse, vielleicht der Anreiz des Verbotenen überhaupt, findet hierin eine ökonomische Erklärung.”
‘Die Überzeugung von der Schlechtigkeit oder Verkehrtheit einer Handlung ist die Kraft, die uns oft zwingt, diese Handlung zu vollbringen. Diese starke Neigung, das Böse zu tun um des Bösen willen, ist ein ursprünglicher, wurzelhafter, elementarer Impuls, ein paradoxes Etwas’
“Such Heilung nicht vom Übel / Im Übel! Steigre nicht das Leid!”
„Das Kind versucht sich an sich selbst zu rächen: es schreit, weil es schreit, es wird zornig darüber, daß es zornig ist; es tröstet sich mit dem Vorsatz, sich nicht trösten zu lassen: es schmollt“
“Das Böse, nie wirklich festzustellen, gedanklich nicht zu fassen, erweist sich faktisch in seinem plötzlichen Dasein als unüberwindlich. […] Ich versage ebenso, wenn ich das Böse für besiegt, als wenn ich es für endgültig bestehend halte.”
„So ist es ja immer. […] Wir trennen Gut und Bös, aber in uns wissen wir, daß sie ein Ganzes sind!“
„Nur was nicht aufhört, weh zu tun, bleibt im Gedächtnis – das ist ein Hauptsatz aus der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden. – Mit Hilfe dieser Art von Gedächtnis kam man endlich »zur Vernunft«!“
„Und warum sind Sie so fest […] davon überzeugt, dass nur das, was dem Wohlergehen dient – dem Menschen nützt? Irrt sich die Vernunft nicht in Bezug auf den Nutzen? Liebt der Mensch nicht vielleicht etwas anderes als das Wohlbefinden? Vielleicht liebt er das Leiden genauso sehr? Vielleicht ist Leiden für ihn ein ebenso großer Nutzen wie das Wohlbefinden?“
„In der Psychologie wird gelehrt, dass Schmerz (physisch oder emotional) unvermeidbar ist, aber das Leiden oft durch den Widerstand dagegen entsteht. Die Formel lautet: Leid = Schmerz x Widerstand. Radikale Akzeptanz bedeutet, Gefühle zu beobachten, ohne sie zu bewerten oder zu unterdrücken, was die emotionale Resilienz stärkt.“
„Drängt das gute Miteinanderauskommen zum Haß? Will das anständige Leben die Roheit? Bedarf das Friedliche der Grausamkeit? Verlangt die Ordnung nach Zerrissenwerden?”
„Ich glaube, dass der Mensch dem wahren Leiden, das heißt Zerstörung und Chaos, niemals entsagen wird. Leiden ist der einzige Ursprung des Bewußtseins. Obwohl ich dargelegt habe, daß das Bewußtsein das größte Unglück für den Menschen ist, weiß ich doch, daß der Mensch es schätzt und es für keine Befriedigung aufgeben würde.“
„S., der dreißig Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte, belebte seine Einsamkeit mit den vielfältigsten Träumen von Schreien des Entsetzens und blutenden Leibern. Offenbar ertrug er dieses Leben nur, indem er sich das Unerträgliche vorstellte. In ihm schien etwas am Werke zu sein, das ihn zugleich zerriß und erstickte.“
„Ich bediene mich meines Geistes, um die Wonnen der Grausamkeit zu schildern, keine flüchtigen, künstlichen Wonnen, sondern solche, die mit dem Menschen begonnen haben und die mit ihm enden werden.“
“Kinder wissen Bescheid und wissen es auszukosten, das Vergnügen, einen Ameisenhaufen in Panik zu versetzen oder zwei Fliegen beim Huren zu zerquetschen.“
“Kinder lieben das Gutsein noch wie Leckerei.”

