Start.VeranstaltungKonzert250 Jahre Unabhängigkeit – Konzert im Betriebswerk

250 Jahre Unabhängigkeit – Konzert im Betriebswerk

Kooperationsprojekt vom KlangForum Heidelberg mit dem DAI

Zum bevorstehenden 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung betrachten wir einen historischen Moment, dessen Bedeutung und Folgen bis heute nachwirken. Was bedeutete „Unabhängigkeit“ damals – und was könnte sie heute bedeuten? Das Konzert „Unabhängigkeit 1776–2026?“ geht diesen Fragen nach und verbindet historische Perspektiven mit einem offenen Blick in die Zukunft.

Im Zentrum steht eine Idee, die im 18. Jahrhundert an Bedeutung gewinnt: das selbstbestimmte Individuum, das nicht nur für sich steht, sondern auch aktiv am politischen und gesellschaftlichen Leben teilnimmt. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung bringt diesen Gedanken auf den Punkt – und macht die USA für viele zu einem Fluchtpunkt der europäischen Aufklärung.

Diese Entwicklungen zeigen sich auch in der Musik. Carl Philipp Emanuel Bach etwa wendet sich in seiner „Neuen Litanei“ bewusst gegen das zur Routine gewordene „Geplapper“ religiöser Formeln. Stattdessen sucht er nach einer musikalischen Sprache, die wirklich etwas auslöst – die zum Nachdenken anregt und neue Perspektiven eröffnet. Fragen wie diese sind erstaunlich aktuell geblieben und tauchen in Joanne Metcalfs Uraufführung „The Unfinished Dream“ wieder auf – einem Werk, das sich ganz bewusst in der Gegenwart verortet.

In drei Liedern aus der Zeit des Weltkriegs von 1914-18 von Charles Ives wird hörbar, wie sich in den USA eine eigene musikalische Sprache entwickelt: verwurzelt in der europäischen Tradition, aber gleichzeitig eigenständig, experimentierfreudig und überraschend modern. „Das eindrucksvolle Liedschaffen Ives‘ zeigt beides: die intime Kenntnis des europäischen Erbes und die selbstbewusste kulturelle Eigenständigkeit der USA“, sagt Ekkehard Windrich, Dirigent und einer der künstlerischen Leiter des KlangForum Heidelberg.

Ein weiterer Einschnitt folgt 1933: Viele Künstlerinnen und Künstler emigrieren in die USA, die erneut zum Zufluchtsort wird. Diese Bewegung prägt das kulturelle Leben nachhaltig. Der Einfluss von Arnold Schönberg ist dabei bis heute spürbar. Seine Traditionalbearbeitung von „My Horses Ain’t Hungry“, die in diesem Konzert erstmals in Europa zu hören ist, steht exemplarisch für diese Verbindung von europäischer Tradition und amerikanischem Kontext.

Mit der Uraufführung von Stefan Litwins “Kakerlaken – New York Studie” verdichtet sich die historische Perspektive zu einem gegenwärtigen Ausblick. Basierend auf einem Text von Uwe Johnson entsteht das Bild einer von Kakerlaken bevölkerten Metropole – zunächst grotesk, dann zunehmend vieldeutig lesbar als Metapher für Widerstandskraft, Anpassungsfähigkeit und Überlebenswillen. Zwischen Skepsis und Hoffnung formuliert das Werk einen grimmig-optimistischen Kommentar zur Zukunft demokratischer Systeme.

„Es entsteht ein Konzert, das keine einfachen Antworten gibt, sondern Verbindungen herstellt: zwischen Europa und den USA, zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und zwischen Hoffnung und Zweifel. Die Frage, was Unabhängigkeit heute bedeuten kann, bleibt dabei ganz bewusst offen“, so  J. Marc Reichow, Dramaturg und einer der künstlerischen Leiter des KlangForum Heidelberg.

Eigens für dieses Konzertprojekt ist eine mehrteilige Podcast Reihe entstanden, die auf der Webseite des KlangForum zu finden.

Tickets sind über Reservix sowie an den angeschlossenen Vorverkaufsstellen erhältlich.

Weitere Informationen unter: www.klangforum-heidelberg.de

Joanne Metcalf (*1958)

The Unfinished Dream

für zwei Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen

(Uraufführung, Auftragswerk des KlangForum Heidelberg, 2026)

 

Charles E. Ives (1874-1954)

In Flanders Fields

für Stimme und Klavier

(Text von John McCrae; Three Songs of the War no. 1, 1919)

 

Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)

Die neue Litanei

für acht Stimmen in zwei Chören und b.c.

(Text von F.G. Klopstock; aus Zwei Litaneien, Wq 204/2, 1785)

Charles E. Ives

Tom Sails Away

für Stimme und Klavier

(Text vom Komponisten; Three Songs of the War no. 3, 1919)

 

Stefan Litwin (*1960)

New York Studie – 5. März 1968

(Text von Uwe Johnson)

für 6 Stimmen und Instrumente

(Uraufführung, Auftragswerk des KlangForum Heidelberg, 2025/26)

Charles E. Ives

He is There!

für Stimme, Chor und Instrumente

(Text von John McCrae; Three Songs of the War no. 2, 30 May 1917)

 

(Trad.)

My Horses Ain’t Hungry

(Appalachian Folk Song, Bearbeitung für 5 Stimmen begonnen von Arnold Schoenberg 1935,

vollendet von Allen Anderson)

SCHOLA HEIDELBERG

Kooperationsensemble aisthesis & friends

Ltg. Ekkehard Windrich

Das Projekt wird gefördert durch die Manfred Lautenschläger Stiftung

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