/ via Max-Planck-Institut für Kernphysik Heidelberg /
Das Karlsruhe Tritium Neutrino (KATRIN)-Experiment erreichte im Oktober 2025 einen bemerkenswerten Meilenstein: 1.000 Tage Datenerfassung für bei der Präzisionsmessung der Neutrino-Masse. Um diese Leistung zu feiern, versammelten sich am 17. April 2026 Mitarbeitende, internationale Partner, Vertreter:innen der Institutionen und Freunde des Experiments am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zu einem Symposium, das KATRINs wissenschaftlichen Werdegang und seine Zukunftsperspektiven beleuchtete.
In den vergangenen 25 Jahren hat KATRIN die Präzisionsspektroskopie des Beta-Zerfalls auf ein beispielloses Niveau gebracht. Durch die äußerst genaue Untersuchung des energetischen Endpunktbereichs des Tritium-Beta-Zerfalls hat das Experiment die weltweit strengste Grenze für die Neutrino-Masse durch eine direkte Messung festgelegt und ist zu einem Vorzeigeexperiment in der Astroteilchenphysik geworden. Doch hinter diesem Erfolg steckt weit mehr als nur technische Exzellenz: Der Meilenstein von 1.000 Tagen steht für Jahre der Beharrlichkeit, Innovation und internationalen Zusammenarbeit.
Um diese Empfindlichkeit zu erreichen, musste eine gewaltige Lernkurve bewältigt werden. Der Betrieb eines 70 Meter langen Experiments an den Grenzen der technologischen Machbarkeit erforderte kontinuierliche Weiterentwicklungen in den Bereichen Detektorleistung, Tritiumhandhabung, Stabilität der elektrischen und magnetischen Felder, Hintergrundreduktion und Datenanalyse. Wissenschaftler:innen, Ingenieur:innen, Techniker:innen und Studierende über Generationen hinweg verwandelten Herausforderungen stetig in Fachwissen und ermöglichten es KATRIN, sich zu dem heute weltweit führenden Instrument zu entwickeln.
Das Symposium spiegelte diese gemeinsame Leistung wider. In wissenschaftlichen Vorträgen wurden die Ursprünge und die Geschichte von KATRIN nachgezeichnet, die neuesten physikalischen Ergebnisse vorgestellt und die zukünftigen Phasen TRISTAN und KATRIN++ skizziert. Gastgeberinnen der Veranstaltung waren die KATRIN-Sprecherinnen, Max-Planck-Direktorin Susanne Mertens und Kathrin Valerius, die das Experiment nun gemeinsam in die nächste Phase führen. Besonders symbolträchtig war die starke Beteiligung von Nachwuchswissenschaftler:innen, die das zukünftige wissenschaftliche Programm vorstellten und zeigten, wie sich KATRIN durch neue Ideen und frische Perspektiven weiterentwickelt.
Klaus Blaum, Direktor am Max-Planck Institut für Kernphysik, hielt die Begrüßungsrede zur Veranstaltung und hob die umfassenden Beiträge der Max-Planck-Gesellschaft zu KATRIN hervor, die von technologischen Entwicklungen bis hin zu wissenschaftlichen Führungsrollen reichen. Dazu gehören die Entwicklung wichtiger Hardwarekomponenten wie die Rückwandkammer und bedeutende Detektorentwicklungen am Max-Planck-Halbleiterlabor für das TRISTAN-Projekt. In Heidelberg hat die Abteilung von Prof Mertens eine neue Forschungsrichtung etabliert, die sich auf KATRIN, dessen Erweiterung mit dem TRISTAN-Detektor und die Erforschung neuer Ideen für eine direkte Neutrino-Massenmessung konzentriert. Darüber hinaus trägt auch am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg die unabhängige Forschungsgruppe OMNIA unter der Leitung von Thierry Lasserre dazu bei, die wissenschaftliche Reichweite von KATRIN auf die Suche nach sterilen und Relikt-Neutrinos auszuweiten. Zusammen spiegeln diese Aktivitäten das starke und wachsende Engagement der Max-Planck-Gesellschaft bei der Gestaltung der Zukunft von KATRIN wider.
Es folgten Grußworte und Beiträge von Kooperationspartnern und Vertretern von Institutionen aus aller Welt, darunter das US-Energieministerium (DOE), das italienische Nationale Institut für Kernphysik (INFN), die Helmholtz-Gemeinschaft, das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) und Partneruniversitäten. Videobotschaften der Nobelpreisträger Arthur B. McDonald und Takaaki Kajita unterstrichen zudem KATRINs internationales Ansehen innerhalb der globalen Neutrino-Physik-Gemeinschaft. Die Feier brachte auch Kolleg:innen und langjährige Freunde aus vielen Neutrino-Experimenten weltweit zusammen und spiegelte die starken wissenschaftlichen Verbindungen und den Geist der Zusammenarbeit wider, die KATRIN auf seinem gesamten Weg begleitet haben.
Musikalische Darbietungen von Schülern einer örtlichen Schule sorgten den ganzen Tag über für unvergessliche Einlagen. Sie sorgten für eine herzliche, festliche Atmosphäre, bevor sich die Teilnehmenden in der KATRIN-Experimentierhalle zu Führungen, informellen Gesprächen und einer Abendsoirée versammelten.
Obwohl die erste große Messphase abgeschlossen ist, ist die wissenschaftliche Mission von KATRIN noch lange nicht beendet. Der umfangreiche Datensatz, der über 1.000 Tage hinweg gesammelt wurde, wird noch immer analysiert, wobei die Kollaboration die ultimative Empfindlichkeit für Neutrino-Massen anstrebt. Gleichzeitig eröffnen die Vorbereitungen für das TRISTAN-Upgrade bereits neue Möglichkeiten bei der Suche nach sterilen Neutrinos und dunkler Materie.
Die Feier in Karlsruhe markierte daher mehr als nur den Abschluss einer Messkampagne. Sie würdigte eine weltweite Anstrengung, die über viele Jahre hinweg Beharrlichkeit, Kreativität und wissenschaftlichen Ehrgeiz vereinte, um uns der Antwort auf eine der grundlegenden Fragen der Physik näherzubringen: Wie viel wiegt das Neutrino?

